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Professionalität im Personalmanagement und die Farbe Blau

Ein paar Neujahrs-Gedanken 2020 zur Lage des Personalmanagements.

Willkommen in 2020! Keine Sorge, es ist noch alles so wie im letzten Jahr.

Personalentwicklung existiert immer noch. New Learning verwechselt nach wie vor Lehren mit Lernen und ignoriert weiterhin, dass es auch in diesem Jahr kein „neues“, menschliches Lernen geben wird.

Bei den Trendthemen Change und Transformation reden sich alle den Mund fusselig, aber den Stein der Weisen hat – zumindest meines Wissens – auch noch niemand gefunden.

Und im Recruiting hat uns nach den Feiertagen der Alltag wieder, denn aus dem klassischen Post&Pray haben wir uns auch letztes Jahr noch nicht verabschiedet.

Das blaue Jahr 2020

Das passt es ja gut, dass Pantone 2020 auf die Farbe „Classic Blue“ setzt. Dieser klassische Blauton strahlt Ruhe, Souveränität und Bezogenheit aus und zielt, so Pantone,

„auf unsere Sehnsucht nach einer verlässlichen und sicheren Basis, auf die wir an der Schwelle zu einer neuen Ära aufbauen können.“

Ganz im Gegensatz zu „Living Coral“ des letzten Jahres. Das fröhliche, lebensbejahende 19er-Korallenrot mit seinen goldenen Untertönen sollte uns Energie spenden und auf sanfte Art beleben.

Heuer also ruhige Souveränität statt belebte Energie. Nicht, dass mir diese ruhige Souveränität persönlich nicht entgegen käme. Doch unsere geläufige HR-Praxis bräuchte wohl an vielen Stellen noch mehr dieser energetische Belebung. Nein – Farbe hin oder her – wir können auch heuer noch nicht blau machen.

HR kann doch eh jede(r) – oder?

Mein geschätzter Blogger-Kollege Stefan Döring eröffnete das Jahr mit der Forderung nach mehr Professionalität im Personalmanagement. Für ein professionelles HR brauche es – wie in anderen Berufsgruppen auch – professionelle Zugangsvoraussetzungen oder zumindest ein Minimal-Set an allgemein gültigen „Personaler“-Kompetenzen.


Daran glaube ich nicht, denn…

…HR ist Definitionssache

Personalarbeit ist im Grundsatz Führungsarbeit – wenn es denn ein HR gibt, so übernimmt es bestimmte, definierte Agenden oder unterstützt die Führungsarbeit als Partner (oder seltener als Dienstleister). Damit sieht das Aufgabenset von HR in jedem Unternehmen – zum Teil gravierend anders aus – und braucht damit andere Kompetenzen.

Ja, das Thema haben andere Berufsgruppen wir Ärzte oder Juristen natürlich ebenso – und lösen dies mit Spezialisierungen. Doch wenn wir in HR schon an den Basics laborieren, sollten wir uns nicht schon an Spezialisierungen machen, oder?

…HR ist eine Querschnittsfunktion

Personalmanagement arbeitet immer an Schnittstellen – im Unternehmen wie auch mit seinen fachlichen Grundlagen: Kein gutes HR kommt ohne Wirtschafts-, Rechts- oder Psychologie-Wissen aus, idealerweise ergänzt durch Elemente aus Sozial- und Kulturwissenschaften, Medizin und Humanbiologie, IT- und Webtechnologie sowie praktischerweise auch Marketing und Sales.

Was es nicht gibt, ist eine allgemein gültige HR-Theorie, die all diese Quellen in eine allgemein anerkannte HR-Lehre/Schule/Fakultät – ohne Widersprüche – zusammenführt. Also wer wäre in dieser Vielfalt und den unterschiedlichen Quellberufen prädestiniert, Zugangsvoraussetzungen oder „Personaler“-Kompetenzen festzulegen? Und wer sollte diese wie (über)püfen? Gibt es dafür dann Zertifikate oder genügen auch Badges?

…HR muss sich gerade neu erfinden

HR befindet sich im Umbruch der Paradigmen. Ich habe noch viel (gute) Literatur aus meinen Studien – doch nur ein Teil davon ist heute noch gültig. Themen wie Unternehmenskultur, Social Media und selbstorganisierte Unternehmen fehlen dort noch weitgehend und sind heute, ein gutes Jahrzehnt später, schon längst in der Praxis angekommen.

Und wer weiß, was davon, was heute so publiziert ist, morgen noch passend sein wird?  


Also, bleibt die Frage: Woran erkennen wir nun eigentlich HR-Profis? Und was unterscheidet diese von „Amateuren“?

Eine Facette der Antwort könnte sein: Das (kontinuierliche) Lernen! Denn da stimme ich wieder uneingeschränkt mit Stefan Döring überein:

„Hinterfragt Euch. Lernt voneinander und von Euren Kunden. Schließt Euch zusammen. Geht zu BarCamps. Beschäftigt Euch mit Eurem Wertbeitrag in der Organisation. „

Einfach mal Tun und „ins Blaue“ Lernen!

Also, liebe Personaler, lasst uns dieses Jahr lernen, gemeinsam weiter-lernen. Lernen von anderen Quellberufen oder mit Widersprüchen aus unterschiedlichen Quellen Neues entdecken.

Nein, das wird mit punktuellen Trainingsprogrammen, die wir unseren Teilnehmern so gerne verpassen, kaum funktionieren. Ich meine ein kontinuierliches, tägliches Lernen, ohne übergenau definierte Lernziele und -schritte – einfach mal machen.

Am Besten lernen wir im täglichen Tun, im Ausprobieren und im Umsetzen. Vielleicht noch besser gelingt dies mittels Reflexion, Retro oder was auch immer nach dem Tun.

Ja klar, gerne, werden jetzt viele sagen – mal sehen, wie ich das zeitlich unterbringe. Und endet damit dort, wo viele Neujahrsvorsätze auch landen: in Vergessenheit.

Wer sich´s nicht vornimmt und einplant, wird in Zeiten wie diesen (wieder mal) keine Zeit dafür haben. und damit wertvolle Erkenntnisse einfach am Weg liegen lassen. Es geht – wie so oft – um eigene Prioritäten.

Harald Schirmer plädiert sogar für ein bedingungsloses Lernzeit-Grundeinkommen.

Lernzeiten priorisieren und fixieren, um das Tagesgeschäft zu meistern!

Also wie wär es heuer mit – im Kalender fix geblockten und nur in Notfällen verschiebbaren – Lernzeiten?

Zum Beispiel für die Recherche an ganz konkreten Themen oder fürs Reinhören in inspirierende PodCasts oder Videos? Oder wie steht´s mit regelmäßigen Feedback- und Reflexionstreffen mit dem Team oder Kollegen? Oder aber die Teilnahme an einem WOL- oder LernOS-Circle (hier geht’s zum Circle-Finder) wär genau das Richtige? Oder ein MeetUp?

Vielleicht auch Lust auf ein BarCamp, um sich gemeinsam mit anderen spannenden Themen hzu widmen? Ich hätte da gleich mal zwei Tipps in Wien:

Damit kommen wir mit aus dem sanft engergiespendenden 19er-Korallenrot sehr gut ins ruhige, souveräne und verbindende 20-er Blau und schaffen uns damit eine verlässliche und sichere Kompetenz-Basis für das kommende Jahrzehnt. Ganz nach der Idee Pantones zur den aktuellen Jahresfarbe Classic Blue.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein spannendes, bereicherndes, erfolgreiches und natürlich gesundes 2020!

Kulturarbeit gegen den Pflegenotstand

Der Fachkräftemangel in der Pflege ist hausgemacht, ist Andrea Lehwald überzeugt. Sie möchte mit ihrem Buch wachrütteln und meint: „Wir müssen in der Personalarbeit einfach mehr tun!“

„Wir brauchen mehr professionelles Personalmanagement in Kliniken und Pflegeeinrichtungen!“,

sagt Andrea Lehwald. Sie ist gelernte Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivpflege und arbeitet heute als Unternehmensberaterin im Gesundheitswesen.

Ich habe bei ihr nachgefragt, was denn passieren müsste, um Krankenpflege-Personal zu finden und länger zu binden.

Danke, Frau Lehwald, für unser Gespräch. Bitte stellen Sie sich kurz vor.

Foto: Andrea Lehwald

Ja, gerne. Als Unternehmensberaterin unterstütze ich Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Institutionen des Gesundheitswesens im Bereich Personal. Die Themen Mitarbeiterbindung, strategisches Personalmarketing und Prozessoptimierungen sind heutzutage relevanter denn je. Als ehemalige Fachkrankenschwester, Managerin für Expert Leasing, sowie Fachtrainerin für soziales Coaching kenne ich die Strukturen im Klinikbereich sehr gut.

In meinem neuen Buch „Krankenpflege-Personal finden und binden“ zeige ich auf, wie man den Fachkräftemangel durch verschiedene Maßnahmen hausintern in den Griff bekommen kann.

Ich freue mich, dass wir beide heute über dieses Thema sprechen können.

Am Fachkräftemangel leiden ja viele Bereiche. Wo liegt denn die Besonderheit bei der Pflege?

Die Pflege hat einen besonderen Status, weil sich dahinter auch ein gesellschaftlicher Aspekt verbirgt.

Es gibt in der Pflege heute schon ein Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt. Diese Schere wird durch den demografischen Wandel und einer älter werdenden Gesellschaft noch weiter aufgehen. Damit bleibt es nicht ein Problem einer Branche, sondern der gesamten Gesellschaft.

Ich arbeite ja viel in diesem Umfeld und orte zusätzlich bei jungen Menschen eine geringe werdende Attraktivität des Pflegeberufes. Das Ansehen sinkt durch die aktuellen Umstände in der Pflege weiter: schlechte Bezahlung, geringe Wertschätzung, schwierige Arbeitszeiten, wenig Familienfreundlichkeit und wenig Karriere-Chancen.

Die, die noch in diesem Beruf arbeiten, leiden zusätzlich unter dem Personalmangel und die geringe Gestaltbarkeit der eigenen Arbeit: die Arbeit ist eingetaktet, bietet wenig Gestaltungsspielräume und wird immer – auch durch diesen Personalmangel – mehr.

Nur ganz wenige bleiben länger als ein paar Jahre in diesem Beruf, weil die Unzufriedenheit zu einfach groß geworden ist. Selbst Auszubildende suchen nach Abschluss rasch das Weite.

Wie könnte man Menschen länger in der Pflege behalten?

Das Paradoxe ist ja, dass genug Menschen gäbe, die sehr gerne in sozialen Berufen arbeiten würden. Das sind soziale Menschen, die gerne am Menschen arbeiten, denen nah sein, was Gutes tun, und andere vernünftig versorgen wollen. Viele in der Pflege haben genau deshalb diesen Beruf gewählt.

Aus Stress- und Überforderungsgründen können sie nicht so arbeiten, wie es deren Bedürfnissen gerecht wird. Damit finden diese Menschen keine Befriedigung mehr in der Aufgabe und gehen dann unzufrieden nach Hause.

Damit dreht sich eine Spirale: Menschen wandern ab, gehen aus der Pflege heraus. Damit steigt das Arbeitsaufkommen in den Häusern und die Belastung für das bestehende Personal. Und wenn diese Lücken durch Leihpersonal gestopft werden, erzeugen Einschulungen noch zusätzlichen Druck.

Man hat einfach nicht mehr ausreichend Zeit für seine Patienten. Was am Ende des Tages bleibt, ist das Gefühl,es heute wieder nicht geschafft zu haben. Dieses Gefühl muss ein anderes werden, es braucht mehr Zufriedenheit und Anerkennung!

Wie erreicht man diese Zufriedenheit, damit die Pflege attraktiv und begehrt wird?

Da kann man eine ganze Menge tun: Wertschätzung steht da ganz zentral im Vordergrund.

Das sind schon ganz banale Dinge, wie z.B. Danke sagen oder das Gefühl geben, dass die eigene Arbeit wertvoll und wichtig ist. Oder man schafft mehr Entscheidungsfreiheiten, lässt die Mitarbeiter mitgestalten, bindet sie ein und behandelt sie nicht von oben herab.

Vielen ist gar nicht bewußt,
wie angespannt die Situation ist.

Andrea Lehwald

Gerade in den Kliniken ist das oft nicht gegeben. Ärzte, Verwaltung oder Geschäftsführung haben eine andere Sicht, da wird die Pflege oft übergangen oder ignoriert. Wenn man dann über Belohnungssysteme oder familienfreundliche Arbeitszeiten nachdenkt, heißt es oft: „Das geht bei uns nicht!“ Die Strukturen sind noch relativ starr.

Es gäbe viele Möglichkeiten, die werden aber nicht gesehen, weil das Bewusstsein für die angespannte Situation oft noch gar nicht da ist.

Wie kann man so ein Bewusstsein schaffen?

Eigentlich braucht man nur hinsehen: die Leute bleiben nicht und es gibt auch keine neuen Bewerbungen mehr. Vor dem Hintergrund des steigenden Pflegebedarfs sollte rasch erkennbar sein, dass wir hier ein Problem kriegen. Die Situation wird ja nicht besser, ganz im Gegenteil, eher schlechter.

Vieles, was heute in Kliniken passiert, kommt noch aus einer Zeit, in der man noch nicht so viel tun musste. Die Leute waren einfach da- Doch die Zeiten haben sich geändert, die Leute kommen nicht mehr von alleine, die Berufswelt wird bunter.

Wenn man mit Führungskräften spricht, dann haben die gar nicht das Gefühl, dass die Leute unzufrieden sind. Führungskräfte verweigern ja nicht absichtlich den Mitarbeiter jede Wertschätzung. Das sind alles Aspekte der Umgangs- und Arbeitskultur, die sich nicht von alleine verbessert. Da braucht es noch ein Umdenken.
Erst wenn man realisiert, dass alle aktiv was dafür tun müssen, dass Mitarbeiter bleiben und sie neue dazu gewinnen, kann man Bewegung rein bringen.

Vielleicht helfen da gute Beispiele von Häusern, die heute attraktiv sind und teils sogar mehr Bewerbungen bekommen als jemals davor. Aber die haben einen intensiven Weg hinter sich, haben an der Organisation und der Arbeitskultur gearbeitet, auch getragen durch die Geschäftsführung.
Das hat eine Zeit gedauert, aber jetzt funktioniert es. Ich glaube, man muss einfach mal beginnen, da gibt es keine Patentlösung.

Was haben diese Kliniken denn anders gemacht?

Alles beginnt mit der Geschäftsführung und einem Problembewusstsein, also der Einsicht, dass man was Neues kreieren muss und aktiv einen Prozess beginnt. Mit offener Ansprache und einer guten Kommunikation. Am besten bindet man möglichst viele dabei ein, Personalabteilung, Führungsebenen, aber auch die Mitarbeiter selbst.

Krankenpflege ist nicht nur ein Beruf,
sondern eine Lebenseinstellung.

Andrea Lehwald

Es gibt ja sie Zielgruppe, die gerne in der Pflege arbeitet. Wir müssen nur die Rahmenbedingungen attraktiver gestalten. Das ist ein dauerhafter Prozess, keine einmalige Sache, sondern muss permanent weiter angeschoben werden: laufend neue Ideen entwickeln, und Bestehendes weiter verfeinern.

Am wichtigsten halte ich die Einbindung der Mitarbeiter: die sollten erkennen, wir werden informiert, wir sind im Boot und können selbst mitgestalten. Das setzt ungeahnte Energien frei. Menschen, die gesehen werden, machen gerne Werbung für ihren eigenen Arbeitgeber.

Die bleiben dann auch länger und bringen bessere Leistungen als Leute, die sich nur mehr zur Arbeit schleppen und sich jeden Tag unwohl fühlen.

Das kann ich nur bestätigen.
Danke, Frau Lehwald, für das Gespräch!

Das Buch „Krankenpflege-Personal finden und binden“ ist hier erhältlich.

Tatort Kanban – ein agiler Kriminalroman #Lesezeit

Siegfried Kaltenecker forscht und berät zu agiler Unternehmensentwicklung. Jetzt hat er seinen ersten agilen Kriminalroman veröffentlicht. Ein unterhaltsames und lehrreiches Buch.

Culture Hacking – warum HR sich mit Kultur beschäftigen sollte

Nachdem Change Management gescheitert ist, versuchen wir es mit (digitaler) Transformation. Auch damit werden wir scheitern, solange wir Unternehmenskultur ignorieren. Schön. Und was hat HR damit zu tun?

Jede Organisation hat sie, doch kaum jemand kennt sie wirklich: die eigene Organisationskultur.

Stets unsichtbar am Werk, kann sie wie von Zauberhand wahre Energien im Unternehmen freisetzen. Gegen den Strich gebürstet, verkümmern selbst die besten Initiativen zu netten Ideen.

Riding the beast: HR als Kulturtreiber oder Kulturgetriebener

Ich kann Sie schon mal ein wenig beruhigen. Um Kultur müssen Sie sich eigentlich keine Gedanken machen: Jedes Unternehmen hat sowieso eine (und meistens sogar ganz viele), auch wenn diese unsichtbar bleibt.

Spüren können Sie Ihre Kultur, mitunter sogar recht heftig. Z.B. wenn Sie mit neuen Konzepten, innovativen Initiativen oder geänderten Regelungen an den Start gehen, die nicht kulturkompatibel sind. Dann schlägt Kultur aus dem Hinterhalt zu und lässt jeden Gestaltungsversuch ins Leere laufen.

Wenn Sie allerdings Ihre Kultur kennen (oder zumindest erahnen können) und Ihre Aktivitäten dazu passend gestalten, kann Kultur sogar Booster für Ihre HR-Projekte sein.

Also, egal was Sie aus HR wie tun, widmen Sie sich Ihrer Kultur! Denn sie kann Öl oder Sand im Unternehmen und ganz besonders für Ihre Initiativen sein!

Kultur ist wie Seife …

Fragen Sie mich bitte nicht, wer oder was diese Unternehmenskultur eigentlich sein soll. Selbst nach fünf CorporateCultureCamps bleibt als Ergebnis nur die Metapher:

Kultur ist wie Seife. Kaum glaubt man sie endlich zu begreifen, flutscht sie einem schon wieder durch die Finger.

Eine der Kultur-Pioniere Geert Hofstede beschreibt sie als „Betriebssystem der Organisation“. Doch so einfach ist die Sache auch wieder nicht – denn jede Organisation hat nicht nur EINE Kultur – sondern gleich ganz VIELE. Alle zusammen bilden einen „typischen“, gemeinsamen, einzigartigen Kulturkorridor.

Jedenfalls kann ich Ihnen sagen, was Kultur definitiv nicht ist: nämlich NICHT die Summe aller Menschen und Persönlichkeiten im Unternehmen. Kultur ist eher das, was zwischen diesen Menschen durch und über deren Kommunikation entsteht. Sie wurde auch nicht von Menschen definiert, sondern entsteht in der Interaktion, ganz nebenbei, und wirkt damit auf alles was folgt.

Konkreter wird’s mit Kultur wohl nicht mehr. Kein Bild, keine Definition, keine Beispiele.

Zu schwammig?

Na, dann stellen sie Kultur ruhig mal ins esoterische Eck. Halten Sie sich einfach nicht auf mit ihr! Konzentrieren Sie sich auf die echte, nachvollziehbare und messbare Personalarbeit. Halten wir Sie sich gerne an den Grundsatz: „If You Can’t Measure It, You Can’t Manage It“

Sie wären allerdings nicht der oder die Erste, die möglicherweise erkennen muss: Das beste HR-Instrument, die beste Veränderungsinitiative wirkt nicht, wenn es der Kultur nicht gefällt.

By-the-way: Managen, im klassischen Sinne, lässt sich Kultur ohnehin nicht.

… oder wie Wasser?

Das alles gilt aber nicht nur für HR-Vorhaben. Kultur ist die Basis fürs Gelingen des Geschäfts – und das ist mehr als das Erreichen der Jahresziele.

Sie bildet die Basis für Wahrnehmung, Bewertung, Entscheidungen und Verhalten im Unternehmen. So springt sie z.B. überall dort verhaltenssteuernd ein, wo explizite Regeln oder Klarheiten fehlen oder es darum geht, diese Regeln zum Leben zu erwecken. In dynamischen, kaum vorhersagbaren Zeiten kann das schon mal nützlich sein.

Aber wie kann man etwas Unsichtbares, Ungreifbares für sich nutzen und gestalten?

Leider gibt es sie nicht, die „Schrauben, an denen man drehen kann“. Aber überlegen Sie mal, wie viele Regeln und Vorgaben Sie als HR fürs Unternehmen definieren. Und wie werden diese dann in Wirklichkeit gelebt – als wirklich, wirklich (auch dann, wenn Sie nicht hinsehen)?

Vielleicht ist Kultur damit wie Wasser: Über die Zeit sehr kraftvoll, aber nicht festzunageln. Sie fließt Ihnen durch die Finger und ist nicht zu fassen. Und egal, was man mit ihr versucht anzustellen: Sie sucht sich immer ihren Weg.

Wer also Kultur für die eigenen Aufgaben nutzen will, muss am Rahmen und den Bahnen arbeiten, in denen sich Kultur vollzieht.

Culture Hacking als subversive Kunst der  Personalarbeit

Wenn man Kultur als „Betriebssystem“ betrachtet, als unsichtbarer Quellcode hinter den Mustern des Alltags, so kann man zwar nicht direkt eingreifen, aber sehr wohl damit steuern.

Versuchen Sie es mal mit Culture Hacking!

Ähnlich dem Computer Hacking gilt es die richtigen (Einfalls-)Tore zu finden und durch kleine Veränderungen große Wirkungen zu erzeugen. Nur im besten Sinne, versteht sich! Dazu müssen Sie Ihr „Betriebssystem“ schon gut verstehen, um so einen positiven, kreativen Virus einzupflanzen.

Computer Hacking ist selten Selbstzweck, sondern will Aufmerksamkeit, will Diskussion, ist kreativ zerstörerisch, überraschend und oft auch eine Mischung zwischen Ernst und Spiel.

Genau das ist Culture Hacking auch – in kleine Gewohnheiten einbrechen, bewusst unbewusste Regeln außer Kraft setzen und mit Tradiertem überraschend brechen. Das bringt Bewegung und (Kultur-)Entwicklung.

So zum Beispiel: Ändern Sie gewohnte Verhaltensweisen und lassen Sie sich dabei gerne „erwischen“ – räumen Sie ab heute immer ihre Kaffeetassen in den Geschirrspüler und lassen Sie andere gerne genau deshalb kurz warten. Oder: Verwenden Sie andere, neue Begrifflichkeiten für Bekanntes und geben diesem damit Altbekannten neue Bedeutungen.

Ein Culture Hack ist eine kleine Aktion, die einen Unterschied im Umgang miteinander macht.

Machen Sie das öfters! Sie leben damit eine iterative, agile Vorgehensweise, Kultur zu pflegen und sich in gewünschte Richtungen entwickeln zu lassen.

Sie wollen, dass Ihre HR Initiativen gelingen? Sie möchten Veränderungen im Unternehmen unterstützen? Vielleicht sogar die digitale Transformation?

Culture Hacking hat nicht die zerstörerische Umgestaltung der Kultur im Sinn, sondern möchte im Alltag positive Alternativen aufzeigen, neue Lesarten anbieten oder Tabus erkennbar machen.

Cultural Hacking can be understood as infiltration into systems and the changing of their coding. It is a critical, often even subversive game with cultural codes, messages and values.
(Johannes M. Hedinger)

Unternehmen und Kultur gestalten: weniger tun, mehr lassen!

Wenn wir Veränderungen anvisieren und damit Kultur (be-)arbeiten wollen, brauchen wir keine großen Ziele und detaillierte Pläne, die wir verbissen weitertreiben. Schon gar kein Projektmanagement mit klaren Projektzielen und Umsetzungs- und Ausrollungsplänen. Mit der Brechstange, per Verordnung oder vielen gutgemeinten Gestaltungsinitiativen werden Sie in Unternehmen kaum etwas nachhaltig bewegen.

Kultur wächst und re-produziert sich immer wieder neu. Genau darin liegt die Gestaltungskraft: Lassen. Sehen und achten, was da ist und sich darauf einlassen. Dinge zulassen und Gewünschtes verstärken. Altes belassen und Neues veranlassen.

Sie haben Lust, das Thema zu vertiefen und Umsetzungsmöglichkeiten erkennen? Dann besuchen Sie mich doch bei meiner Session „Riding the Beast: Wenn HR Unternehmenskultur entwickelt…“ beim kommenden HR Inside Summit von 09.-10. Oktober in der Wiener Hofburg.

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Corporate Learning: Wer befreit das Lernen? #clc19ko

Die Richtung ist grundsätzlich klar, aber die Zügel los zu lassen fällt noch schwer.  Ein subjektiver Rückblick  10. CorporateLearningCamp in Koblenz.

Wenn sich 300 Menschen selbstorganisiert über Lernen und Entwickeln austauschen, vernetzen und gemeinsam lernen, dann ist wieder CorporateLearningCamp.

Es ist ja mittlerweile DAS Lern-Event für Lernmacher und Lernbegleiter. Und es zeigt, wie Lernen funktionierten kann: freiwillig, selbstgesteuert, motivierend.

Das #clc19ko ist Experimentierlabor und hochwertiger Austausch – und bietet weit mehr Lernchancen als ein Einzelner kurzfristig verdauen kann.
Man kennt sich, freut sich auf ein Wiedersehen und begrüßt auch neue Gesichter offen und vertrauensvoll.
Das diesjährige Motto wurde in der Community von Lernexperten ganz offen gelebt: Lernen braucht Netzwerke.

#clc19ko Lernen braucht Netzwerke

Und Netzwerke gab es viele: persönliche wie auch virtuelle. So wurden z.B. gleich zwei Sessions online angeboten, d.h. es waren auch Teilgeber eingebunden, die gar nicht vor Ort sein konnten.

Für die Vernetzung der Anwesenden vor Ort sorgte erstmals eine eigens eingerichtete Telegram-Gruppe, in der sich rund die Hälfte der Teilgeber einloggten und schon vor und auch nach dem Camp reger Austausch stattfand.
Mit einer Nebenwirkung: nämlich dass Kommunikation mittels Text, Fotos und teils sogar Videos intensiv über die Telegram Gruppe erfolgte.
Twitter hingegen blieb damit erstaunlich wenig genutzt: nur 1258 Tweets an beiden Tagen (wie uns Oliver Ewinger über die Telegram Gruppe verriet), ist sicher nicht rekordverdächtig.

Bekanntes und Neues: Collaborative Event-Dokumentation und #clc-Sticker

Ebenfalls neu: die Dokumentation erfolgte nicht wie in den letzten Jahren über verschiedene Etherpads, sondern ein gemeinsames Google-Doc, an dem alle gemeinsam arbeiteten. Darin findet sich der Session-Plan genauso wie die Dokumentation der Sessions. Eine echt tolle Idee, die bestens funktionierte.

Und weil wir schon bei den Neuigkeiten sind: Es gab auch #clc19ko-Sticker und #clc19ko-Armbänder sowie nach dem Camp einen virtuellen Badge für die Teilnahme. Eine nette und freudige Überraschung, mit der ich allerdings (noch?) wenig anzufangen weiß.

Gleichgeblieben ist das Format: die fast 100 Sessions an den beiden Tagen waren wieder rasch gefüllt – zwar nicht immer in passend konfektionierten Räumen.
Doch auch da wusste man sich zu helfen: wenn gar nichts (mehr) ging, fand man die eine oder andere Session auch am Gang…

Was ist heiß im Corporate Learning?

Welche Themen auf den Sessionplan kommen, sagt auch viel über die Lage der Corporate Learning-Nation.

Neben den Klassikern, z.B. Video@Home von Hans-Martin oder Karlheinz´ legendäre Session „Twitter als Lernbooster“, fand sich die komplette Bandbreite wieder:

  • Methoden (z.B. „Liberating Structures“),
  • Tools (z.B. „Learning Eco System Design“),
  • Kochrezepte (z.B. „Blended Learning richtig implementieren“), aber auch
  • tiefgehende Erörterungen (z.B. „was es wirklich braucht, damit Lernen gelingt“).

Eines der Hauptthemen über die beiden Tage:

Wie bringen wir Lernen in den Alltag?

Nicht nur in der Session „Ich wollte Lernen, doch dann kam der Alltag dazwischen“ wurde in den Diskussionen klar: Lernen ist ein Alltagsgeschehen und kein gesonderter abgegrenzter Prozess.
Aber: Das Lernen einfach aus den Trainings und eLearnings zu befreien und in den Alltag entlassen, gelingt noch kaum. Die größte Herausforderung: das Management selbst, denn das möchte schließlich wissen, was am Ende herausgekommen ist. Ein liberalisiertes Lernen ist schließlich schwer(er) messbar.

Besonders eindrucksvoll zeigte sich dieser Spagat in den Diskussionen rund um den Einsatz von Office365 als Lernort, das auffallend oft thematisiert wurde.
„Damit können wir die Inhalte nicht an die Lerner bringen“, so die eine Seite, „es gibt in MS Teams ja leider keine Zugriffszahlen“.
Die Entgegnung der anderen: „Aber damit wären wir genau dort, wo Arbeit ohnehin stattfindet. Die Akademie von Josh Bersin ist dazu ein erstes Beispiel.“
„Nein, wir brauchen weiterhin e-Learning – denn nur Wissen frei zur Verfügung zu stellen und darauf hoffen, dass Leute es lesen ist zu wenig. Wir brauchen Systeme, die automatisiert erkennen, wann es etwas zu lernen gilt und Content zur Verfügung stellen.“

Wo sich aber alle einig sind: Wir brauchen wieder „Bock auf´s Lernen“, und benötigen dafür Begeisterung und Energie. Mit all diesen Techniken übersehen wir aber leicht, dass dabei Essentielles fehlt, nämlich das „Warum„.
Wenn wir das Verhalten anderer verändern möchten, dann wollten wir jedenfalls das Warum klären – unser eigenes Warum ebenso wie auch das Warum der Lernenden.
Genau dort liegt die Energie, die wir so dringend brauchen und häufig vermissen.

Lernen braucht Relation(en)

Fürs Lernen selbst braucht es dann nicht mehr viel – außer Interesse, greifbare Möglichkeiten und eine motivierende Community.

Lernvielfalt braucht Rahmenvielfalt„, das ist die Zusammenfassung der Session, d.h. One-Size-Fits-All hat jedenfalls ausgedient.
Manchmal, so die Essenz der Diskussion, braucht es auch einen Impuls zur rechten Zeit, denn das, was Leute interessiert und lernen möchten, ist nicht immer das, was sie – aus Sicht der Organisation – brauchen.

Und immer öfter geht es ums Vergessen, darum Altes loszulassen – ein mitunter schmerzhafter Prozess. Nicht nur immer oben drauf packen, sondern auch mal ausmisten und klären. Schließlich können Menschen wie Organisationen ohne Vergessen nicht wachsen.

Free Learning! Illusion oder Wirklichkeit

All diese Einsichten auf einer „global-galaktischen“ Ebene (mein Lieblingsbegriff vom #clc19ko), bringt uns im Unternehmen nicht all zuviel, solange wir sie nicht in den Alltag bringen.

Dazu müssen wir allerdings das Lernmonopol in Form von Trainings und eLearnings wohl aufgeben: Raus aus dem klassischem Korsett, bei dem Arbeit stört. Rein in eine Arbeit, bei der Lernen eben nicht mehr stört.
Mit Effizienz und Kontrolle würgen wir diese Integrations-Bestrebungen bereits im Ansatz ab. Stattdessen brauchen wir Vertrauen und Effektivität, die sich schwer(er) in klassischen KPIs messen lassen.

Die Liberalisierung des Lernens geht zwar auf Kosten der Kontrolle und Effizienz. Wenn wir genau hinsehen, war diese Kontrollierbarkeit nur eine Illusion.

Was wir gewinnen, ist Relation, Energie und Vertrauen. Das bringt uns nicht nur in VUCA-Zeiten weiter, denn „Kein New Work ohne New Learning„, wie es Jan Foelsing formuliert. Dadurch dass z.B. klassische Rollen wie „Lehrende“ und „Lernende“ verschwimmen, entstehen soziale Energien.

Und diese konnte man (wieder einmal) am CorporateLearningCamp #clc19ko so eindrucksvoll erleben.

Bild: (c) Charlotte Venema

Selbststeuerung – die stille Revolution des Lernens

Die Personalentwicklung 4.0 ist selbstgesteuert, schreibt Sandra Nowak in ihrer Masterarbeit. Im Interview berichtet sie von ihren Forschungsergebnissen aus neun Unternehmen.

Agilität! Und was kommt danach?

Warum Resilienz die Zukunft gehört, aber auch das richtig und falsch zugleich sein kann. Meine Rückschau auf das Gedankenfeuerwerk des ersten Ambuzzador Breakfast. #speakingdigitalfuture

HR-Software: „Wie schafft HR das bloß?“

HR und Software – ein schwieriges Verhältnis. Ein Gespräch mit Florian Walzer, von rexx systems über Gegenwart und Zukunft von Software und HR.

Die Zukunft der PE: Online? Offline? Oder ganz anders? #PEp2018

Wie machen wir in Zukunft Personalentwicklung? Die #PEp18 versuchte darauf Antworten zu finden.

Die verdrängte Frage: Wer braucht noch Personalentwicklung?

Auf der #ZPAustria stellte ich Personalern die Frage: „Wer braucht in New Work noch Personalentwicklung?“ – ein persönlicher Rückblick auf die Diskussion.

MENSCH IN ARBEIT

Mensch in Arbeit ist das Motto meiner Beiträge: Gute Personalarbeit geht besser! Kommentare, Ergänzungen oder Widerspruch sind mir herzlich willkommen.

HERWIG KUMMER bloggt ...

Seit über 2 Jahrzehnten arbeite und lerne ich im HR-Umfeld und engagiere mich für wirkungsvolle Personalarbeit. Hier blogge ich über meine aktuellen Ideen und höchstpersönlichen Sichtweisen.

WEIL ES MIR WICHTIG IST ...

Formulierungen und Bezeichnungen sind teils weiblich, teils männlich verfasst. In jedem Fall meine ich immer gleichberechtigt alle Geschlechter!