HR ist Dienstleister, so der Stehsatz. Ist es nicht! Eine Widerrede.

HR ist definitiv kein Dienstleister.

Sie glauben mir nicht? Dann folgen Sie mir bitte kurz.

Dienst-Leister leisten Dienst. Am Kunden. Und da fängt die Geschichte schon mal an:

HR – wer ist Dein Kunde?

Das Management, na klar. Oder doch der Mitarbeiter? Die Führungskraft? Der Betriebsrat? Bewerber? Unternehmenskunden?

Dienstleister können viele Kunden haben. Kennen wir.

Aber viele Kunden GLEICHZEITIG bei EINER Dienstleistung? Das wird schwierig. Ist es auch. Denn egal was Sie in HR machen, Sie haben immer gleich mehrere Gruppen zu „bedienen“. Also, für wen genau sind Sie jetzt Dienstleister?

Eben. Apropos bedienen…

HR – was ist Dein Produkt?

Hat HR konkrete Produkte, die HR entwickelt und dann (standardisiert) anbietet? Produkte, die der Kunde (welcher denn?) kauft?

Natürlich haben wir unsere Instrumente. Aber diese müssen im konkreten Einzelfall – je nach Situation und Zielsetzung – adaptiert und kombiniert werden. Sonst haben sie wenig Wirkung.

Außerdem: Produkte haben Preise. Preise, die der Markt rechtfertigt. Was wäre denn der konkrete Preis der „Leistung“? Und wo genau ist der Markt, der diesen Preis rechtfertigen würde?

Schwierig. Ach ja, Leistung …

HR – was ist Deine Leistung?

Der Erfolg hat immer viele Väter. Der Misserfolg nur wenige.

Egal, was rauskommt, was genau war Deine Leistung, HR?

Ja, Sie können erzählen, wie viele Stellen Sie besetzt und wie viele Trainingstage Sie organisiert haben. Gut, sie können sicher auch noch sagen, ob Besetzung erfolgreich war. Aber warum der vielversprechendste Kandidat letztlich wirklich abgesagt hat, werden Sie kaum erfahren. Also, was genau war IHRE Leistung?

Wir können unseren Aufwand gut und rasch beziffern, das was wir tun oder getan haben. Die Leistung, das Ergebnis ist von vielen Faktoren abhängig, der konkrete Anteil nur schwer festzustellen.

Anders denken: Personalarbeit ist immer und überall!

Gute Personalarbeit ist nicht nur eine Frage von HR – da arbeiten viele dran mit.

Gute Personalarbeit ist eine Teamleistung von vielen Protagonisten im Unternehmen. Mal sind diese mehr, mal weniger abgestimmt. Das Ergebnis ist aber unteilbar.

Die Kunst für HR ist es, all die Anspruchsgruppen als solche (und nicht als Kunden) zu sehen. Die Leistung ensteht dazwischen. Idealerweise verfolgen Sie in der Leistungserstellung ein gemeinsames Bild einer guten Zukunft. So ein Bild gibt es nicht? Dann schaffen Sie doch eines!

HR – was bist Du dann?

Damit ist klar: HR kein Dienstleister.

Sondern Partner – des Managements, der Mitarbeiter, des Betriebsrats, des Bewerbers und so weiter. Partner, der gemeinsam Seite an Seite in die Zukunft arbeitet.

  • Da heißt es, ran an das Geschäft! Das Business verstehen, den Markt sehen und die Potenziale erkennen.
  • Da heißt es ran an die Mitarbeiter! Nur wer die Bedürfnisse, Hoffnungen und Ängste kennt, kann diesen begegnen
  • Da heißt es auch ran an den Arbeitsmarkt! Wer den Kandidatenmarkt nicht kennt, muss alle Wünsche der Führungskräfte entgegennehmen und darf sich wundern, diese Personen nicht zu finden.

Und auch Koordinator zwischen allen Anspruchsgruppen – der die unterschiedlichen Bedürfnisse kennt und für eine ausgewogene Balance sorgt.

  • Da heißt es raus aus der Selbstzufriedenheit! Schauen Sie selbstkritisch in den Spiegel und hören Sie die Erwartungen der anderen. Arbeiten Sie dran, bauen Sie Expertise auf und bleiben Sie aufmerksam gegenüber Trends und Entwicklung.
  • Da heißt es raus aus der Gewohnheit! Dinge ändern sich, also ändern Sie sich mit. Stellen Sie Ihre Prozesse in Frage. Machen Sie Dinge anders, wenn sie nicht mehr funktionieren. Es geht ums Geschäft, um die Mitarbeiter und den Markt – nicht um HR!
  • Da heißt es raus aus der Zuständigkeitsdiskussion! HR ist ein Team-Job. Da haben Zuständigkeitsdiskussionen oder Verantwortlichkeitsgerangel keinen Platz. Klären Sie rasch, wer was macht und los geht´s!

Also, liebes HR, gute Personalarbeit ist Transformation, und das

  • machst Du nicht alleine!
  • kannst Du nicht planen und stabil abwickeln!
  • ist nie fertig!

Genau. HR ist keine Dienstleistung. HR ist ein ein Teamjob.

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4 KOMMENTARE

  1. HR ist in einer Partnerrolle, idealerweise auf Managementebene, das kann ich unterschreiben. Jedoch sind die wenigsten HRler in dieser Rolle. Und das führt dazu, dass HRl immer stärker in Bedrängnis kommt. Die Digitialisierung übernimmt langfristig die administrativen und standardisierte Tätigkeiten, die jetzt (zum Großteil) von HR-Mitarbeitern erledigt worden sind. Wohin also mit den HRlern, die sich noch wenig bis gar nicht in eine Managementrolle eingefunden haben? Ich konnte selbst beobachten, wie in zwei Fällen HR Mitarbeiter (mit hoher Kompetenz) lieber in der administrativen Rolle statt in die Management Rolle gewechselt sind. Woran das genau liegt, ist mir unklar. Iste es Unsicherheit? Vielleicht liegt es an der über die Jahre entstandenen Geringschätzung von HR-Arbeit, die jetzt Raketenstartförmig in eine Verantwortung gehen soll, wo sich beide, nämlich Top Management und HR-Management, fragen, was hier gerade los ist. Zum Thema Dienstleistung und Kosten kann zumindest im Bereich der Personalbeschaffung die Branche der Personaldienstleister leicht gegenübergestellt werden. Top Personaldienstleister findet man auf http://www.perdino.com. lg Florian von PERDINO

    • Hallo Florian,

      danke für die Ergänzung – und besonders möchte ich das unterstreichen, was Du so treffend auf den Punkt gebracht hast: „…wo sich beide, nämlich Top Management und HR-Management, fragen, was hier gerade los ist“. Deshalb ist eine Rollenklarheit für alle Beteiligten auch so wichtig.

      Liebe Grüße
      Herwig

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