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2023 – Nicht besser, sondern anders!

Merkt Ihr es schon? Heute haben wir 2% des Jahres schon geschafft.
Und, wie geht´s Euren Neujahrsvorsätzen?

Es hat ja schon Tradition: Sekt, Feuerwerk, Neujahrskonzert und alles ist neu und anders. Zumindest die Jahreszahl. Und doch ist es wieder

„the same procedure as every year“.

Hoffentlich, so hörte ich vielerorts, wird 2023 besser als das vergangene Jahr…

Besser? Nein!

Mit dem Mantra mehr oder besser kommen wir nicht (mehr) weit, nicht in Unternehmen, schon gar nicht im Personalmanagement. Wir sollten den ändernden Rahmenbedingungen Rechnung tragen, und endlich beginnen, die Dinge „anders“ anzugehen. Schließlich reden wir ja schon seit (vielen) Jahren davon, höchste Zeit für die konkrete Umsetzung! Nehmen wir nur zwei Beispiele:

Anders im Recruiting

Im Recruiting müssen nicht nur die Wiener Linien besser werden. Wer erfolgreich sein will, sollte mehr als bisher machen.

Dazu brauchen wir bessere Jobinserate, bessere Algorithmen und bessere (v.a. schnellere) Software, so die Annahme. Tatsächlich nahmen die Anzeigenschaltungen in den letzten Monaten um fast 10% zu. Die Resonanz darauf verhält sich – sagen wir mal – bescheiden: drei Viertel aller Anzeigen bekommen nicht mehr als 9 Bewerbungen, ein Fünftel überhaupt keine.

Nein, das müssen wir ganz anders angehen. Denn nur 5% der Berufstätigen sind aktiv auf der Suche und direkt empfänglich für Inserate. Weitere 35% wären grundsätzlich für einen Wechsel offen, wenn sich die Gelegenheit böte – und damit sind keine Inserate gemeint ;-).

Dazu kommt: potenzielle Kandidat:innen wollen zuallererst mal reden, nicht CVs und Motivationsbriefe verschicken. Bessere Inserate und schnellere Software lösen also nichts – wir müssen Kontakte knüpfen, Beziehungen aufbauen und Interesse schüren.

Damit wird die Arbeit im Recruiting ganz anders. Wie wir das skalierbar und dennoch authentisch hinbekommen? Das müssen wir erst herausfinden. Der Weg entsteht, indem man ihn geht, oder?

Anders im Corporate Learning

Die EU hat dieses Jahr als „Jahr der Kompetenzen“ ausgerufen, weil Qualifizierung ein wesentlicher Lösungsbeitrag zum anhaltenden Fachkräftemangel ist, sich aber nur 37% der Erwachsenen regelmäßig weiterbilden. Das wird nicht reichen, da brauchen wir mehr.

Mehr von den bekannten, tradierten Trainings und Schulungen? Oder einfach bessere Trainingsmethoden oder Schulungsformate? Damit lösen wir nichts. Schließlich sind wir jetzt schon damit „chronisch verspätet“ und am Ende kommt kaum mehr als ein Transferproblem des Gelernten im Alltag raus.

Nein, das muss anders laufen: Time-to-Competence wird die neue Kennzahl – wer schneller und flexibler ausbildet, hat die nötigen Fachkräfte früher einsetzbar. Vielleicht helfen wachsende Learning Ecosystems, die neugierig machen, Interesse anfachen und vielfältige Möglichkeiten bieten, sich selbst gemeinsam mit Kolleg:innen Wissen und Kompetenzen anzueignen. Mitmachen fühlt sich nicht an wie Lernen, ist dafür aber umso wirksamer. Jedenfalls braucht es ganz andere Rollen, Slikks und Tätigkeiten von Corporate Learning Profis.

Anders – ganz generell

In den letzten Monaten hörte ich immer wieder:

„Ich möchte irgendetwas mit und für Menschen machen,
also mache ich Personalarbeit“.

Das halte ich für ein großes Missverständnis.

Im Personalmanagement bauen und pflegen wir organisatorische Infrastruktur, dort liegt der größte Nutzen für alle Stakeholder. Dafür haben wir mit vielen Menschen Kontakt, aber an einzelnen Menschen direkt arbeiten wir nur punktuell. Das Kunststück dabei: diese Infrastruktur muss dem Organisationszeck UND allen Mitarbeitenden dienen. Ein permanenter Balanceakt.

Dafür gibt es auch nicht mehr DIE eine Lösung als einfache Blaupause, wie es das Ulrich-Modell viele Jahre war. Eine passende Lösung zu finden, erfordert Ziel- und Rollenklarheit und stellt rasch die aktuelle HR-Organisation (das meint McKinsey dazu) – oder das HR Business Modell gleich insgesamt – in Frage.

Anders! Gleich jetzt!

Wir sollten endlich beginnen, die Dinge anders zu machen. Aber nicht des „Andersmachen-willens“ wegen.

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird, aber soviel kann ich sagen: Es muss anders werden, wenn es besser werden soll.
(Georg Christoph Lichtenberg)

Wer Dinge sinnvoll anders angehen oder lösen möchte, muss zuerst die echten, wirklichen Problemfelder entdecken. Und dafür dann Lösungen erarbeiten, ausprobieren und verbessern.
Einfach schillernde Tools oder neue Methoden einzusetzen, weil es alle so machen oder weil es die schnelle Lösung verspricht, ist besonders dann gefährlich, wenn wir vom „wofür“ und den erwünschten Wirkungen nicht die leiseste Ahnung hat.

Das ist Arbeiten auf „Tütensuppen-Niveau“, wie Gunter Dueck die erste Stufe des japanischen ShuHaRi-Konzepts beschreibt. Für Instant-Ergebnisse mit ausreichend Geschmacksverstärker nur einfache Anleitungen ausführen bringt nicht mal Mittelmaß hervor. Malen nach Zahlen lassen keinen Kunstgenuss erwarten. Mit Packerlsuppen reicht es nicht mal für „Gut-bürgerliche Küche“.

Und verlasst Euch bitte nicht auf Technik oder andere Innovationen, wie z.B. künstliche Intelligenz (ChatGPT als eine der freien Angebote). Keine Frage, KI vollbringt schon heute ganz erstaunliche Dinge – und da kommt noch mehr. Angeblich sind ja schon unsere Jobs bedroht. 😉

Probiert es einfach selbst aus (wie z.B. Nele Hirsch); Ohne klarem Auftrag oder präzise Fragestellung bleiben die Rückmeldungen mau. Nur wer über breites, fachliches (Konzept-)Wissen verfügt, kann sich die Arbeit durch KI erleichtern. Es ist wie mit anderen Technologien auch: Wer von Mathematik wenig Ahnung hat, dem hilft auch kein Taschenrechner 😉

Also weiterhin beobachten, reflektieren, experimentieren etc., um Dinge anders iSv von passender, wirkungsvoller, flexibler, … anzugehen.

Neue, wirksame Lösungen finden!

Dinge anders zu machen, neue, wirksame Wege finden – ja, das ist aufwändig und riskant. Es kostet Energie, Zeit und manchmal auch Geld – und das alles ohne klarem Ausgang. Es könnte ja auch Nichts dabei rauskommen, oder am Ende gar scheitern. Schade um den Aufwand? Nein, selbst ein Scheitern bietet hervorragende Lernchancen.

Und außerdem, was wäre die Alternative? Alles, wie bisher – bei komplett geänderten Rahmenbedingungen – zu tun, scheitert früher oder später ziemlich sicher. Ein hoher Preis für bekannte Gewohnheiten und ein wenig Bequemlichkeit, oder?

Also raus aus der Bequemlichkeit, rein in die Transformation – oder, wie ich vor geraumer Zeit geschrieben habe: raus aus der Traditionstracht, rein in die Funktionswäsche.

Die Trendfarbe des Jahres 2023

Die Farbe des Jahres 2023 erscheint dabei eine günstige Begleiterin zu sein. Viva Magenta vibriert vor Elan und Kraft. Sie steht für Stärke, Lebendigkeit und Kreativität. Das Farbinstitut Pantone beschreibt die Trendfarbe als pulsierend, mutig und furchtlos. Sie hilft somit, einen neuen Narrativ zu (be)schreiben.
Quelle: Pantone Deutschland

Also wenn das kein gutes Omen ist – packen wir´s an, gemeinsam!

Oder seht ihr das anders? Dann freue ich mich über einen Hinweis in den Kommentaren.

Ein frohes, gesundes und gelingendes Jahr 2023 wünsche ich Euch allen!

Der Unterschied zwischen Lehr- und Lernprozessen

Anfang Oktober darf ich auf der diesjährigen Personalentwicklung Pur (PEp) einen eine Round Table betreuen.

Mein Thema: „Human Learning und das Chinesische Zimmer – Warum uns EdTech in Organisationen nicht (mehr) weiterhilft.“ Der – zugegeben – provokant formulierte Titel soll zu einem regen Austausch einladen und zu hilfreichen Erkenntnissen für die eigenen Angebote im Unternehmen verhelfen.

In einem Interview mit den Veranstaltern habe ich meine ersten Gedanken dazu verraten, die ich gerne auch hier veröffentliche. Ich hoffe, dass ich viele Interessierte bei der PEp treffe.

Sehr geehrter Herr Kummer, der Titel ihres Vortrags auf der PEp ist sehr provokant formuliert, können Sie uns näher beschreiben, was das Chinesische Zimmer mit EdTech zu tun hat?
Als „Chinesisches Zimmer“ wird ein Gedankenexperiment aus den Computerwissenschaften der 1980er Jahre bezeichnet. Es stellt die Frage, ob Computer z.B. mittels künstlicher Intelligenz selbstständig denken und entscheiden können – oder sie es uns einfach nur glauben machen. Umgelegt auf Lernprozesse, können wir uns die Frage stellen, ob wir mithilfe von Software nachhaltige Lernprozesse und damit Kompetenzentwicklung bei unseren Mitarbeiter:innen anstoßen und fördern können. Vieles spricht dafür, dass wir auch hier einer Illusion aufsitzen. In meiner Session möchte ich beleuchten, welche Voraussetzungen es für echte, nachhaltige Entwicklung wirklich braucht.

Welche Probleme entstehen zurzeit im Zuge von Lehrprozessen in Organisationen?

Wir verwechseln sehr gerne Lehr- und Lernprozesse oder verwenden die Begriffe sogar synonym. Lehren und Lernen haben weniger miteinander zu tun, als wir glauben. 
In Organisationen optimieren wir häufig ausschließlich Lehrprozesse, sowohl in Präsenz wie auch online. Die Hoffnung, damit individuelle Lernprozesse positiv zu beeinflussen, erfüllt sich damit aber kaum, da hilft auch modernste Technik nicht.
Wir sollten viel mehr von den Lernenden her denken und agieren, um individuelle Entwicklung zu ermöglichen.

Auf was kommt es jetzt bei der Etablierung von Ed Tech Tools in Organisationen an?

Wer weiß, wie Lernprozesse funktionieren, kann diese auch bestmöglich unterstützen. Klare (Entwicklungs-)Ziele und die konsequente Einbindung von Lernenden sind dafür grundlegend. EdTech-Angebote können uns bei dieser Zielerreichung helfen, v.a. wenn es darum geht, die Lernunterstützung rasch zu skalieren und breitflächig im Unternehmen anzubieten. Die Kunst von uns Personalentwickler:innen ist es, zieldienliche Angebote zu identifizieren und sinnvoll einzusetzen.

Der Mangel an Arbeitskräften zieht sich quer durch alle Branchen. Ist es wichtig, zukünftigen Mitarbeitern individuelles Lernen im Zuge ihrer Arbeit zu ermöglichen?

Lernen und Arbeiten sind immer weniger voneinander zu trennen und damit zwei Seiten einer Medaille. Einerseits erfordert die Marktdynamik kontinuierliche Weiterentwicklung, und gleichzeitig ist individuelle Weiterentwicklung eines der menschlichen Grundbedürfnisse. Wenn also Organisationen Lernen ermöglichen, so ist es eine win-win Situation.
Auch wenn es uns nicht immer bewusst ist, so lernen wir Menschen sowieso permanent, wir können biologisch gar nicht anders.

https://businesscircle.at/human-resources/konferenz/pep-personal-entwicklung-pur/

HR als Übermorgenstalter?

Sie hat es wieder getan – Bestseller-Autorin und Keynote-Speaker Anne M. Schüller präsentiert ihr neues Buch „Bahn frei für Übermorgengestalter! Genug geredet. Jetzt wird gehandelt.„, in dem sie 25 Initiativen und über 100 Aktionsbeispiele beschreibt.

Damit wir endlich in die Gestaltung einer besseren Zukunft zu kommen, sollten wir in drei Bereichen aktiv werden: Menschen stärken (Future Skills), das Zusammenarbeiten besser machen (Future Working) und die Innovationskraft im Unternehmen vergrößern (Future Fitness).

Also habe ich sie angerufen und mal nachgefragt, was sie damit genau meint, und wie wir denn endlich ins Tun kommen können.

Anne M. Schüller

Liebe Anne, Du schreibst von Übermorgengestalter, Innovatoren und Zukunftsversteher – wer ist das und wo sind diese gerade?

Sie sind bereits da, sie sind auch schon in den Unternehmen, vorwiegend in den fortschrittlicheren, weniger in den industriell oder behördlich geprägten Strukturen.

Sie sind zukunftsorientierte Generalisten, Um-die-Ecke-Denker und Über-den-Tellerrand-Schauer, die Unkonventionelles ersinnen und Bekanntes innovativ kombinieren, um so zu ganz neuen Ansätzen zu kommen. Damit sie wirksam werden können, brauchen sie aber spezielle Bedingungen, die heute leider noch nicht überall selbstverständlich sind.

Generell werden Übernmorgengestalterinnen gerade von solchen Organisationen angezogen, wo es Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten für Einzelne gibt.

Was bedeutet für Dich „Freiräume“ ganz konkret? Was sollten Organisationen dahingehend bieten?

Freiräume schaffen bedeutet, dass wir im Unternehmen empfänglich sind für die Hinweise und Ideen der Übermorgengestalter – und Ressourcen bereitstellen, um diese dann zu entwickeln.

Denn was heute gut läuft, wird übermorgen nicht mehr laufen

Übermorgengestalter wollen mitgestalten gemeinsam mit divers-perspektivischen, aber wertemäßig doch ähnlich ausgerichteten Menschen. Das brauchen wir, um auch in der Zukunft noch handlungsfähig zu sein. Denn was heute gut läuft, wird übermorgen nicht mehr laufen, weil es dann was anderes oder besseres gibt.

Es ist ja gerade das Tagesgeschäft, das uns heute erfolgreich und es damit gleichzeitig schwierig macht, solche Freiräume zu schaffen, oder?

Ja, das sehe ich auch oft, viel zu oft. Es ist wie auf einer Glockenkurve, wo wir so lange das bewährte Modell fahren, bis der Peak überschritten ist. Doch dann geht es rasch bergab, dann ist es schon zu spät, sich mit Neuem zu beschäftigten.

Wir sollten uns daher mindestens 10% der Ressourcen an Zeit und Energie in Organisationen vorhalten, um stetig an der Zukunft des Unternehmens zu bauen. Das klingt sehr viel, gerade in einer klassischen Controlling-Logik, ist aber nötig.

Was meinst Du mit Controlling-Logik?

Controlling möchte planen und (vor-)kalkulieren, da geht es rasch um erwartete ROIs und andere Kennzahlen. Doch so funktioniert Zukunft nicht. Zukunft kann man nicht zählen und messen, denn sie ist noch gar nicht passiert.

Wenn wir 10 Initiativen starten, so werden vielleicht 8 scheitern und nur 1 oder 2 können wirklich funktionieren und voll durchstarten. Das ist eine andere Herangehensweise an die Themen der Zukunft. In klassische Organisationen darf man nicht scheitern, deshalb wird so wenig wirklich Neues ausprobiert. Doch gerade dieses Scheitern halte ich für wesentlich, denn dort liegt eine enorme Lernerfahrung und damit wertvolles Zukunftspotenzial.

Was bedeutet das alles für Führung in Organisationen?

Wir werden auch in Zukunft Führung brauchen, doch in einem erweiterten Verständnis: Führung sorgt dafür, dass Entfaltungsräume für Handlungsoptionen entstehen.

Die Menschen können und wollen v.a. in operativen Belangen selbstorganisiert arbeiten. Damit meine ich nicht die Pseudo-Möglichkeiten, die am Schluss dann doch nur kostümierte Vorgaben, Ziele und Prozesse sind. Für die strategische Ausrichtung brauchen wir mehr denn ja gute Führung, für das Operative aber Selbstwirksamkeit.

Ich erkläre das gerne mit einem Fußball-Vergleich: es gibt eine enorm große Spielfläche für die Spieler und nur wenige Regeln. Das Team muss gut vorbereitet sein – und dafür sorgt die Führungskraft. Im Spiel schreit sie zwar manchmal rein, aber spielen müssen die Leute dann selbst. Nicht der Trainer verwandelt den Elfmeter, sondern der beste Schütze.

Dein Buch ist ja ein Plädoyer, endlich ins Tun zu kommen. Was ist Deine Empfehlung, wie kommen wir ins Tun?

Wir brauchen mutige Spieler in Unternehmen, die ihre Vorstöße aus der Mitte des Unternehmens heraus starten. Die wirklich großen Veränderungen sind zwar an der Spitze offiziell gewollt und werden auch gerne beklatscht. Doch in Wahrheit ist dieser Wandel für die Spitze oft gefährlich, denn es steht für sie persönlich zu viel auf dem Spiel. Daher sind von dort die prägenden Initiativen eher nicht zu erwarten. Böse formuliert könnte man von verbaler Aufgeschlossenheit bei anhaltender Verhaltensstarre sprechen.

Böse formuliert könnte man von verbaler Aufgeschlossenheit bei anhaltender Verhaltensstarre sprechen.

Gerade die Initiativen von Menschen aus der Mitte der Organisation, die sich aus persönlicher Betroffenheit auf den Weg machen, haben die besten Chancen. Diese Menschen können den kleinen vorhandenen Gestaltungsraum nutzen, um Veränderungen anzustoßen. Das beginnt mit kleinen Tests des Andersmachens, diese sind ungefährlich. Daraus können quick wins entstehen, also Erfolgsgeschichten, die Lust machen auf mehr machen. Im Buch habe ich ein 10 Punkte Programm vorgeschlagen, damit das gut gelingen kann.

Alles in allem brauchen wir mehr Mut – einfach mal Wagemutiges oder Kühnes tun, auch und gerade mit dem Risiko des Scheiterns. Das gilt im Übrigen ganz besonders für HR.

Welchen Beitrag können oder sollen Personaler im Unternehmen dafür leisten?

Wer nicht mutig ist, verliert die Fähigkeit mutig zu sein. Das betrifft viele Bereiche im Unternehmen, die gerne aus Mangel an Mut stark beim Etablierten bleiben. HR ist da keine Ausnahme, ganz im Gegenteil.

Wer niemals mutig ist, verliert die Fähigkeit mutig zu sein.

Vor allem zu den drei größten Megatrends Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Kundenzentrierung erkenne ich insgesamt zu wenige Initiativen. Dabei liegt so viel Potenzial in der HR-Entwicklungsarbeit, einen geeigneten Rahmen für Innovatoren und Zukunftsversteher zu erschaffen. Gerade HR hat es in der Hand, die Future Fitness im Unternehmen voranzutreiben, Dinge mal anders zu tun, Zukunftsgestalter gezielt ins Unternehmen zu holen und mutige Innovationen zu unterstützen. Damit würde HR zum ersten Übermorgengestalter, wäre das nicht großartig?

Danke, liebe Anne, für das Gespräch.

Das Buch zum Thema

Anne M. Schüller
Bahn frei für Übermorgen­gestalter!https://blog.anneschueller.de/produkt/bahn-frei-fuer-uebermorgengestalter/
25 Quick Wins für Innovatoren und Zukunftsversteher

Gabal Verlag 2022, 216 Seiten,

24,90 Euro
ISBN: 978-3967390933

#MeinZiel22 geschafft! Erster Frühling im digitalen Wissens- und Ideen-Garten

Vor genau 4 Monaten habe ich mein Ziel formuliert:

Ich möchte ein persönliches, digitales Second Brain schaffen, dessen Pflege und Erweiterung sich leicht in den Alltag integrieren lässt.

#MeinZiel22

Ein digitaler, alltagstauglicher „Wissens- und Ideen-Garten“ sollte es werden, in dem meine Gedanken zu und aus gelesenen, gehörten Inhalten Platz bekommen und aus deren Verbindungen Neues weiterentwickelt wird. Und: Ich habe – gemeinsam mit meinen Reisebegleitern – mein persönliches Ziel erreicht, auch wenn es erst der erste Frühling in meinem neuen Garten ist.

Insgesamt habe ich drei Blogposts dazu geschrieben, die Feuertaufe war die Vorbereitung meiner KeyNote „Culture Hacking“ für die Change Revolution Days kommende Woche in Berlin. Der Plot ist direkt in meinem Garten entstanden und ist mir in Summe sehr leicht von der Hand gegangen.

Hier beschreibe ich die meine gefundene Lösung und das aktuelle Setup, die für mich am Besten passt. Ich freue mich, wenn diese Beschreibung hilfreich, inspirierend oder ermutigend ist.

Das Tool

Aus gemachten Erfahrungen (Lotus Notes) war für mich klar, dass es eine der Open Source Angebote sein sollte, die auf einfache, lokal abgelegten Markdown-Dateien setzt. Markdown ist eine einfache Formatierungssprache für einfache Texte und somit von vielen Standard-Texteditoren les- und editierbar.

Weiters wollte ich auf eine Lösung setzen, die bidirektionale Links ermöglicht. Einfache Hyperlinks, die man aus dem Web kennt, sind unidirektional. Das bedeutet: wenn jemand in Inhalt A einen Link auf Inhalt B setzt, dann gibt es einen Link von A nach B, aber nicht von B nach A. Bei bidirektionalen Links sind diese von „beiden Seiten“ (also von A und von B) als solche erkennbar. Das hilft sehr bei der Vernetzung (und damit der passenden Auffindbarkeit) von Inhalten und Gedanken. Mein bislang genutztes OneNote kann nur Hyperlinks und schied daher für diese Aufgabe schon mal aus.

So konnte ich über einige Wochen mit meinen beiden Favoriten Obsidian und Logseq parallel arbeiten. Durch die Arbeit mit Markdown-Dateien konnte ich beide Programme sogar mit der gleichen Datenbasis (i.e. kleine Markdown-Dateien) betreiben. Für meinen Garten habe ich mich dann letztlich für Logseq entscheiden.

Ich verwende Logseq auf verschiedenen Geräten, deshalb liegen meine Markdown-Dateien auf OneDrive und bleiben so immer synchron. Für jedes Thema gibt es eine Seite (= eigene Datei), die einzelnen Inhalte und Notizen sind darin als „Blöcke“ (als Zettel nach der Zettelkastenmethode) gespeichert und überall in meinem Garten auch wiederverwend- und einbindbar.

Der Workflow

Einmal wöchentlich ist Gartenzeit.

In etwa 90 Minuten (meist Freitag nachmittags) schaue ich alle meine Bookmarks sowie meine RSS-Feeds der letzten Woche durch. Alles Interessante und Relevante kommt zunächst in mein Tages-Journal. So muss ich mir bei der Themensammlung nicht schon einen Kopf über Ablagestrukturen machen, sondern einfach all das in meinen Garten holen, was ich für wertvoll halte. Dabei kopiere ich die Inhalte nicht einfach, sondern fasse selbst zusammen und mache mir auch gleich meine Gedanken dazu, die ich gleich mitschreibe.

Zusätzlich nehme ich mir alle zwei Wochen zwei weitere Stunden (meist am Wochenende), um die so erfassten Themen und Ideen nochmals zu überarbeiten, zu ergänzen und in meinen Garten integrieren: ich kopiere, verlinke und – das musste ich erst lernen – lösche und streiche.

Virtuelles Ideen-Gärtnern:
ich kopiere, verlinke, lösche und streiche.

Bislang war diese Zeit eher knapp bemessen, manchmal wars auch weniger, selten bin ich wirklich fertig geworden. Tja, ein Garten macht sich schließlich nicht von selbst 😉 Dennoch glaube ich mittelfristig an die Alltagstauglichkeit: Neue Gärten brauchen eben mehr Pflege – so habe ich die realistische Hoffnung, schneller voranzukommen, je dichter mein Garten wird.

Diese Arbeit geschieht vor zwei Bildschirmen, um ausreichend Platz für mehrere Dokumente und Browser zur Recherche zu haben. Die mobilen Apps für iOS und Android von Logseq gehen mir daher (noch?) nicht wirklich ab. Für das schnelle erfassen von Gedanken oder Ideen wäre aber die mobile App dennoch hilfreich.

Die Ernte

Aus meinem Garten kommen bereits die ersten Früchte.

Blogposts entstehen bereits in meinem Garten, genauso wie Event oder Session-Vorbereitungen. Da ist noch viel Luft nach oben, v.a. da Markdown noch viel Potenzial hat, automatisiert weiterverarbeitet zu werden, z.B. zu PowerPoint. Diesen Aspekt habe ich bislang noch ausgespart. Schön wäre auch, einige Seiten für andere online verfügbar zu machen, das geht derzeit mit Logseq noch nicht, scheint aber schon auf deren Roadmap auf.

Noch zu erledigen

Mit der Arbeit mit Bildern bin ich noch nicht zufrieden. Zwar versuche ich konsequent bei Text zu bleiben, aber manche Skizzen oder Darstellung sind für manchmal Unverzichtbar. Das Einfügen von Bildern z.B. per Copy-Paste oder sogar Drag-and-Drop geht prinzipiell sehr einfach. Die Bilder werden aber im Dateisystem mit unmöglichen Dateinamen abgelegt und sind ohne Logseq dort eigentlich nicht mehr zuordenbar.

Interessant ist auch der Einsatz von Mermaid, um aus Markdown Texten Diagramme und Übersichten dazustellen.

Die Möglichkeit, direkt Abfragen über alle Notizen zu erstellen, um z.B. Leselisten oder andere Informationen als dynamische Tabelle zusammenzutragen, habe ich auch noch nicht produktiv erschlossen.

Offen ist auch noch, meine bisherigen Notizen und Inhalte aus OneNote, MilaNote und anderen Quellen zu überarbeiten und einzupflegen. Vielleicht eine Aufgabe für kalte Wintertage? Mal sehen…

Essenzen aus meiner Lernreise

Anfangs hatte ich den Fokus darauf, wie ich rasch und gut interessante Inhalte in meinen Garten bekomme. Doch darum geht es eigentlich gar nicht!

Es geht ums Gärtnern, also die intensive Beschäftigung mit den Ideen, deren Ergänzung und Verknüpfung.

Es geht ums Gärtnern, also die intensive Beschäftigung mit den Ideen, deren Ergänzung und Verknüpfung. Der Input neuer Gedanken ist wichtig, aber nicht so essentiell. Es geht darum, die Inhalte zur Blüte zu bringen und nicht jede Woche mit einer Scheibtruhe voller neuer Pflänzchen anzukommen.

Wer die Natur im Garten genießen will, sollte nicht zu verkopft an die Arbeit gehen. Natürlich kann man auf ausgeklügelte Strukturen und Inhaltspläne setzen und sich einen Barockgarten anlegen. Ich genieße es, mich komplett auf die Inhalte zu konzentrieren und mir eben keine Gedanken über die Ablagestrukturen zu machen. Durch die Verlinkungen und die Darstellung als Graph, entstehen Strukturen und Muster ganz von selbst. Für die erste optische Strukturierung helfen wir kleine Emojis, also werden z.B. Personen mit 🧑 gekennzeichnet, Bücher mit 📕 und Blogposts mit 🖐️vor dem Titel gekennzeichnet.

Grafische Darstellung (Graph) meines Digitalen Garten mit Seiten und Querverbindungen

In den letzten Wochen habe ich den Wert von strukturierten Notizen erkannt und sehr schätzen gelernt. Auf sie möchte ich nicht mehr verzichten, sie helfen mir den Überblick zu behalten und die verschiedenen Themen permanent weiterzuentwickeln. Derzeit umfasst mein Garten 1.006 Seiten in 6.547 Blocks und rund 1.200 Verknüpfungen.

Dankbar bin ich für meine Lernbegleiterinnen auf dieser Reise – es war mir eine Freude!

Linktipp: Einen weiteren Bericht über diese Lernreise findest Du bei Torben Mau, Carina Ebli, Gerald Petersen oder Axel Wolpert.

Feeting: Digitale Kommunikation – mal ganz anders!

Raus aus den vielen Video-Meetings,

fordert Lucia Burtscher.

Die Österreicherin, die mit ihrem St. Galler StartUp in der Vergangenheit die Pausen-App CoffeeCall entwickelt hat, kommt gerade mit einem neuen Angebot: die Feeting-App – eine digitale Kommunikationsmöglichkeit, die ausschließlich auf Audio und gleichzeitig körperliche Bewegung setzt.

Da musste ich sie fragen, was da auf uns zukommt, was sie damit vor hat und wie man denn da von Beginn ab dabei sein kann.

Update April 2023: Die App und das Service werden 2023 eingestellt und nicht weitergeführt. Schade.

Liebe Lucia, wir haben Teams, Zoom & Co.
Wer braucht noch eine zusätzliche Kommunikations-App?

Lucia Burtscher (Bild: Talent Maps)

Alle (lacht.) Wenn wir ehrlich sind, können wir doch unsere Videocalls schon gar nicht mehr ausstehen.

Es geht um Abwechslung, durch andere Settings auch mal andere Perspektiven zu erkennen. Und uns selbst in Bewegung bringen – gerade jetzt, wo es draußen wieder viel schöner wird. Das ist nicht nur gesund, sondern auch entspannend – man bekommt gleich einen viel klareren Blick auf die Dinge.
Feeting hat eine sehr gute Noise Cancellation Technology, d.h. man bekommt von Umgebungsgeräuschen wie Wind oder Straßenverkehr kaum was mit.

Meine Erfahrung ist, dass man gerade bei kritischen, problembehafteten Meetings mit Feetings viel besser vorankommt: weil wir uns nicht vom Bild ablenken lassen, uns allein auf Stimme konzentrieren können. Das verliert keine Emotionen, ist aber weniger konfrontativ.

Okay, aber nur Ton? Das könnten die bestehenden Apps doch auch? Wozu also Feeting?

Wir kennen das ja alles schon vom Telefon – aber wir denken das aber noch weiter: Wer zu einem Feeting einlädt, muss nicht lange erklären, dass er dabei geht oder gar läuft – allein durch das Format sind die Rahmenbedingungen klar, dass ich mein Video nicht anmache. Aus unserer Testgruppe wissen wir, dass sich 30% aller Meetings leicht als Feeting bewältigen lassen würden.

Außerdem hat Storytelling ein jahrtausendalte Tradition und bleibt oft viel besser im Gedächtnis haften als Video-Calls mit allen Sinnen. Die Bilder entstehen im Kopf und nicht am Screen.

Wir haben bereits das erste Killerfeature im Test: Transcription Notes. Die App hört zu und schreibt Relevantes gleich mit. Mittels AI erkennt die App getroffene Entscheidungen, vereinbarte Todos, etc. und schreibt dies mit und sendet es Dir danach per Mail.

Und wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

Unser Angebot ist schon in der Basis GDPR konform. Zusätzlich bieten wir auch Unternehmenslösungen, die noch höhere Sicherheit möglich machen.

Feeting.app (Bild Talent Maps)

Ein geplantes Feature hast Du schon angesprochen, Was habt ihr noch vor?

Die Private Beta Phase ist bereits abgeschlossen, die Public Beta kommt demnächst.

Wir haben große Visionen, denn das Arbeiten wird in Zukunft noch viel mobiler werden. Da wird Feeting ganz neue Möglichkeiten bieten: ich gehe jetzt los, ich bewege mich, und ich habe mein Büro dabei.

Derzeit arbeiten wir an der Verknüpfung von Feeting mit anderen Tools, z.B. der Einbindung von MS Teams oder anderen Produktivitätsapps. Daraus ergeben sich unendlich viele Möglichkeiten, immer hands-free, d.h. alle Befehle sind per Stimme möglich. Nur zwei der vielen Ideen: Feet with your Mailbox oder Feet with your Diary.

Was kommen wird, entscheiden wir nicht alleine. Da hören wir ganz klar auf unsere User.

Wie kommt man zur App? Wie kann man dabei sein?

Man kann sich jetzt schon auf die Warteliste listen.

Die ersten 500 bekommen 2022 kostenlos. Wir planen Anfang Juni voll loszulegen. Damit hast Du schon Deinen persönlicher Raum, also für Dich feetwith.me/herwig. In diesem Raum kannst Du alle direkt per Mail einladen. Das geht sehr einfach, auch über den Webbrowser ohne weitere Installation.

Danke, Lucia, und viel Erfolg!

So wird Corporate Learning business-relevant!

Dort wo Mönche vor 200 Jahren ihre Suppe zu sich nahmen, gönnten sich 16 Teilgebende 24 Stunden Auszeit, um eine erste konkrete Vorstellung zu entwickeln, wie Lernen in Organisationen künftig gestaltet sein kann.

Das Schloss Röthelstein hoch auf dem Klosterkogel über dem steirischen Admont war uns Herberge und Inspirationsquelle zugleich. Da war der weite Blick aus den Fenstern über das Ennstal und ins Gesäuse, auch das Deckenbild mit den Heiligen Benedikt und Blasius, den Patronen der Lehrer und Schüler sowie der (Atem-)Gesundheit, war ständig über uns.

Endlich ins Tun kommen!

Seit vielen Jahren reden und reden und reden und reden wir über die Zukunft des Lernens.

Was ursprünglich visionär klang, ist heute schon drängender Imperativ für die Praxis. Und dennoch lehren wir in Unternehmen weiter so, wir vor 10/20/30/40/.. Jahren.

Da kann man sich schon die Frage stellen: was soll sich denn nun ganz konkret in Organisationen ändern? Was können wir JETZT schon anders machen, damit es (auch) in der Zukunft mit dem Lernen in Organisationen klappt? Was braucht es, um Lernen bei Personen und Organisationen anzuregen und gut zu begleiten?

Das wollten wir in der Corporate Learning Community Austria auf Basis der CL-Vision 2025 konkretisieren und haben zum 24-Stunden-Hackathon unter dem Titel „Sendeschluss im Corporate Learning! Und jetzt?“ eingeladen.

24 Stunden fürs Lernen in Organisationen

Kurz nach Mittag starteten wir das Intro und legten einander unsere Sichtweisen zu Lernen und Annahmen über die Zukunft des Lernens in Organisationen offen. Die Heterogenität der Gruppe mit Personen aus Personal, Beratung, Forschung und Geschäftsführung lieferte schon in der ersten Session wirklich spannende, inspirierende Ergebnisse.

In 2-Stunden-Sessions bearbeiteten wir unsere Themen, reflektierten gemeinsam und legten die nächsten Schritte fest. Die Grundlagen für die künftigen Herausforderungen und möglicher Lösungen erarbeiteten wir unter anderem mit vorbereiteten Unternehmas. Analog zu Personas, die Kundengruppen in Form konkreter bildlicher Beschreibung von fiktiven Personen ausdrücken, nutzten wir solche konkreten, aber fiktiven Unternehmensbeschreibungen für „Aha-Erlebnisse“.

Undenkbar – aber vorstellbar!

Immer wieder ertappte ich mich (und andere 😉), das diskutierte Ideen auf den ersten Blick „undenkbar“ scheinen. Zyklisches Lernen in kurzen, sozialen Einheiten? Lernkonzepte ohne vorherige Analyse und Detailplanung? Neben Wissen auch noch Haltung und Fähigkeit als Lerndimension? Auf den zweiten Blick und im Gespräch wurden diese Ideen aber immer konkreter vorstellbar.

Dazu kommt: Bei den Gesprächen stolperten wir immer wieder über „schwammige“ Begriffe wie „Training“, „Kompetenzen“ und viele mehr, die für jede:n mit unterschiedlichen Bedeutungen belegt sind. Ein Phänomen, das wir auch aus dem Alltag gut kennen.

Lehren ist NICHT Lernen

So sprechen wir vom „Neuen Lernen„, das es eigentlich gar nicht gibt. Denn das menschliche Lernen hat sich grundlegend nicht verändert und wird es in den nächsten Jahren wohl auch nicht tun.

Wir meinen wohl „Neues Lehren„, wenn wir von Neuem, Digitalen o.ä. Lernen sprechen. Indem wir Lehren mit Lernen verwechseln, übersehen wir leicht, was menschliches Lernen ist und braucht. Dabei findet Lernen IMMER statt, frei nach Watzlawick „Man kann nicht NICHT-Lernen“.

Doch dieses Lernen ist nicht (durch-)planbar, das ändert die klassische Wirkungslogik des Businesses (hier Input, dort Output). Für Corporate Learning bedeutet dies, einzusehen, dass wir Lernprozesse gar nicht planen können, sondern bestenfalls ermöglichen oder unterstützen – mitunter vielleicht lenken – können.

Die Lernenden sind also an der Macht – und nicht (mehr) die Mächtigen in der Organisation: Machtausübung macht Lernen unwahrscheinlich. Die Grund-DNA in Organisation „Ich sage, du machst“ muss ersetzt werden z.B. mit „finden wir es gemeinsam raus“. Das ist motivierend, und positive Emotionen und intrinsische Motivation sind fast Garant für gelingendes Lernen.

Für Corporate Learning bedeutet das, sich auf das erwünschte (Lern)Ergebnis zu fokussieren, anstatt nicht planbare Lernprozesse designen zu wollen. Zuversicht statt Sicherheit, ist mir öfter in Gesprächen zu Ohren gekommen.

Lernen ist Business, Business ist Lernen

Bei den vielen Gesprächen waren wir uns einig: Lernen ist aus der Organisation und dem Business eigentlich nicht sinnvoll heraus zu schälen. Organisationsentwicklung und Personalentwicklung sind zwei Seiten einer Medaille, Business und Lernen gehören untrennbar zusammen – da greift der Gedanke, dass „Lernen Arbeiten und Arbeiten Lernen ist“ fast schon zu kurz.

Erfolgreiches, adaptives Lernen entlang der Anforderungen des Business funktioniert dann gut, wenn Business und Corporate Learning sich ihrer (guten) Beziehung bewusst sind und diese auch so pflegen und leben. Also raus aus der professionellen Arroganz: „Du verstehst das Business nicht“ – „Du hast von Lernen doch keine Ahnung“ – und rein in eine integrierte Sichtweise und Begleitung: eine Lernabschnittspartnerschaft, also.

Die Vision 2025 ist weiterhin aktuell

Ein kritischer Blick auf die Vision 2025 der Corporate Learning Community aus den Jahr 2017 hat nichts an Aktualität eingebüßt. Ganz im Gegenteil. Die technische Unterstützung in Lernprozessen wird weiter zunehmen – da kann die Pädagogik derzeit gar nicht mithalten. Die Silos haben – im Business wie im Lernen – ausgedient und sind eher hinderlich geworden: die Vernetzung von Disziplinen, Konzepten, Aufgaben und Menschen und damit deren Interoperabiltität wird zunehmen – Stand Alone Lösungen werden zur Ausnahme.

Immer stärker werden wir erkennen, dass Lernen ein emotionaler, sozialer und kontinuierlicher, arbeitsbegleitender Prozess mit offenen Ergebnis ist.

Das Admonter Veränderungsrad

Viele dieser Gedanken haben wir strukturiert und in ein Gesamtkonstrukt gestellt. Dieses können und werden wir noch weiter be- und überarbeiten.

Ich nenne es mal das Admonter Veränderungsrad (das ist meine persönliche Bezeichnung). Es zeigt den möglichen Rahmen für Lernunterstützung auf und macht deutlich, dass erfolgreiches Lernen im Business liegt und nicht in der Personalentwicklung versteckt werden kann. Und es ist ein Orientierungsrahmen, mit dem wir JETZT schon arbeiten können.

Nämlich, wenn wir einsteigen, einfach mal die Richtung ändern: Nicht gleich in die Methoden und Tools reinkippen (ja, da schöpfen wir aus dem Vollen), die wir dann nur ausrollen und hoffen, dass individuelles Lernen passiert. Denn damit sind wir als Geisterfahrer direkt in eine Sackgasse unterwegs.

Nein, sondern den anderen Weg zu nehmen und sich den Kontext klarmachen, die Vorhaben in eine Geschichte packen und so lebendig(er) machen. Und erst wenn wir die organisationalen Möglichkeiten klar haben, über das intendierte Lernen in das Lehren mit all den vielfältigen Methoden und Konzepten zu kommen. Damit wird auch klar, dass klassische Lernkonzepte haben auch weiterhin ihren Platz, nur halt nicht mehr alleine.

Warum haben wir das noch nicht gemacht? Warum ändert sich so wenig?

Auch da waren wir uns rasch einig: Neues ist zu aufwändig, bekannte Seminarorganisation von „Beschwichtigungstrainings“ sind da einfacher und von uns ja auch vielerorts erwartet. Es entspricht auch der klassischen Rolle, den Erwartungen unserer Lernenden und stört das Business nicht wirklich.

Dass wir damit wenig Wirkung bei Menschen und Organisation erzeugen, ahnen wir zumindest. Die Gründe dafür sind vielfältig: Wir planen das Unplanbare, negieren den Kontext und trainieren an Führung und Tagesgeschäft vorbei. Wir nehmen dem Lernen die nötige Luft, und Effizienz ist Gift fürs Lernen, Macht(verlust) übrigens aus.

Wir machen weiter!

Die 24 Stunden sind vergangen wie im Flug. Was wir hier im Speisesaal, der Rauchkuchl oder im Schlosshof erarbeitet haben, war ein voller, bunter Blumenstrauß an Inspirationen, Ideen, Erkenntnissen, die nur darauf warten, näher betrachtet zu werden.

„Es fügt sich zu einem Ganzen, macht vieles Verständlicher“, oder „voll erwischt – was ich alles nicht am Radar hatte“, waren nur zwei der Statements aus der Schlussrunde.

Die Corporate Learning Community wird weiter daran arbeiten, die Dinge weiter erforschen und konkretisieren. Und lädt Interessierte gerne ein, sich anzuschließen. Einige Themen hätten wir schon entdeckt, die gut bei einem der nächsten CL-Camps zu bearbeiten wären (#Tiefenbohrungen). Vielleicht auch im Herbst in Wien?

Jedenfalls findet ihr demnächst mehr zum Hackathon sowie eine Detailbeschreibung des Admonter Veränderungsrads.

Warum echtes New Work gar nicht gelingen kann

Mein Beitrag zur Blogparade NewWorkNow: Die kopernikanische Wende?

Nach fast 5 Jahren rufen Marc Wagner und Winfried Felser erneut zur Blogparade #newworknow aus. Mein Resümee für jetzt: New Work kann (noch) gar nicht funktionieren.

Lasst mich bitte ein wenig ausholen, dann erzähle ich hier, wie ich zu diesem Schluss komme.

New Work – was soll denn das eigentlich sein?

NewWork ist in vieler Munde, und damit schon bis zur Unkenntlich zerkaut.

Theoretische Definitionen bleiben dezent im Hintergrund, falls es sie überhaupt gibt. Und was New Work in der Praxis bedeutet, darüber gibt es keine gemeinsame Klarheit. Es fehlt an Beispielen, von denen wir anleihen nehmen könnten – ausgenommen sind die wenigen Experimentier-Organisationen. Sie erfreuen (?) sich eines Sensationstourismus und werden bestaunt wie einst Kuriositäten-Kabinette im Wiener Prater.

Und wer tiefer forscht und einen Blick hinter dem schillernden Buzz-Wort-Kulissen wagt, erkennt rasch, dass die in New Work mutmaßlich vereinten Konzepte schon ein paar Jahr(zehnt)e alt sind. Somit könnte man mit Recht hinterfragen:

„Was ist eigentlich so neu am Begriff New Work?“

Nach über einem Jahrhundert tayloristisch geprägter „Wachstumsökonomie“ mit teils enormen Produktivitätsgewinnen wäre auch die Frage erlaubt:

„New Work, wozu soll das gut sein?“

Wir wiegen und in falscher Sicherheit

Es wäre ja schon ein erster Erfolg, würden diese Fragen in den erfolgsverwöhnten Management-Etagen mit ihren gut eingespielten Machtstrukturen tatsächlich ernsthaft gestellt.

Denn vor unseren Unternehmenstüren braut sich gerade was zusammen: Das Wetter wird rauher, schlägt gerne rasch um und überrascht mit Extremen. Damit meine ich nicht (nur) den heißdiskutierten Klimawandel. Die Dynamik am x-Markt nimmt zu! (ersetze x durch Arbeits-, Produkt-, Welt-, oder eigene Begriffe).

Wenn sich Kundenbedürfnisse spontan ändern, sich ganze Arbeitsmärkte verschieben, wenn Stimmungen und Moden unprognostizierbar umschlagen und immer wieder neue Krisen in alle Ritzen der Organisation gespült werden, dann heißt es: bekannte Best Practises sind mehr hinderlich als zielführend.

Ich könnte noch lange über die Auswirkungen des VUCA-Akronyms schreiben, aber machen wirs kurz: die Komplexitäten steigen und werden durch Gleichzeitigkeit, Spontanereignissen und Dilemmas bereits heute in den Führungsetagen spürbar.

Versuchen wir´s mal mit Optimierung!

Wir ahnen es schon, die Lösung könnte wohl dieses New Work sein: also, her mit Mobilem Arbeiten, Vier-Tage-Woche, einem Wuzler und Gratis-Kaffee für alle – und gut ist es. Doch mit diesen (zu) einfachen Instant-Lösungen mit klarer Wenn-Dann-Logik, erschaffen wir nur einen neuen Cargo Kult.

Es greift zu kurz, nach alter, tayloristischer Manier alles zu sezieren und sich dann in Einzelteilen zu bearbeiten. Die Dinge hängen alle irgendwie zusammen, die Bearbeitung eines Einzelteils ändern das Spiel als Gesamtes. Das nennt man Komplexität.

Bitte eine Etage tiefer!

Die grundlegenden Ideen von New Work stellen die Menschen in den Fokus, mit ihren Wünschen, Ideen, Motivationen und Idealen.

Organisationen bieten aktuell dafür kaum Platz – sie sind eingespielt, liefern (mehr oder weniger) verlässliche Ergebnisse. Für Menschen sind ganz konkrete Aufgaben-Fenster definiert, die sie bestmöglich ausfüllen sollen. Der Rahmen ist gesetzt, der Mensch richtet sich danach.

In einem Bewerbermarkt ändert sich das Spiel, viele Menschen möchten mehr. Entgegen mancher Thesen über Generation Z, alpha wie sie alle benannt werden, wollen Menschen (noch immer) arbeiten. Aber eben nicht so, wie wir es kennen. Das bedeutet für Organisationen, abseits eigener definierter Rahmen die Stärken, Talente, Motivationen, Haltungen und Beziehungen zu erkennen und diese für und in der Organisation bestmöglich einzusetzen.

Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn damit ändern sich so ziemlich alle bekannten Organisationsprämissen: Planbarkeit, Mitsprache, Stabilität und Kontinuität, Standardisierung, Fällen von Entscheidungen u.v.m.

Deshalb bleiben die bekannten Aspekte von New Work, wie

  • örtliche und zeitliche Flexibilisierung von Arbeit,
  • agile und projektbasierte Organisationsformen,
  • Wertebasierung von und Sinnstiftung durch Arbeit sowie
  • veränderte Führungsstrukturen und neue Machtverteilung durch Enthierarchisierung,
  • partizipative Entscheidungsmechanismen und
  • Selbstorganisation

weitgehend unbeachtet. Das zeigt auch der aktuelle Hays-Report: Ja nach New Work Aspekt schaffen Organisationen in diesen Aspekten derzeit nur 50% Umsetzung. Im klassischen Schulnoten würde es dafür ein „Nicht-Genügend“ setzen.

Herausforderung für Organisation und Menschen

Aber irgendwie müssen wir doch mit dieser Komplexität umgehen können, oder?

Das beste „Komplexitätsinstrument“ ist ja ohnehin schon da: der Mensch. Das können wir gut nutzen, indem Menschen nicht mehr auf Fensterrahmen und durchgetaktete Prozesse reduziert werden. Das Ergebnis ist im gemeinsamen Fokus, die Prozesse entstehen unterwegs MIT den Menschen.

Das ist für alle Beteiligten ungewohnt, „nicht normal“ und überfordernd – sowohl für Organisationen als auch für die meisten Menschen.

Menschen brauchen Orientierung. Diese verlieren sie aber, sobald es die organisationsgegebenen „Fensterrahmen“ nicht mehr gibt. Orientierung aus dem Innen heraus wäre eine gute Alternative, fällt aber schwer, wenn Vision, Mission und strategische Vorhaben (noch) nicht klar (genug) sind. Für Orientierung braucht es Selbstklärung, die nur außerhalb des Gewohnten entsteht.

Organisationen suchen Stabilität. Genau diese verlieren sie, wenn sie sich die ohnehin schon fordernde Dynamik des Außen jetzt auch noch ins Innere holen. Es fehlt Stabilität und Planbarkeit, wenn Arbeitsteilung nicht mehr (allein) dem definierten Produktionsprozess folgt, sondern sich nach den vorhandenen Talenten, Stärken und Netzwerken der Menschen richtet. Noch dazu haben Organisationen für diese Talente kaum noch Sensorium, mal von wenigen guten Beispielen abgesehen.

Mit anderen Worten: wir erkennen vielleicht das mögliche Potenzial von New Work Ideen in einer dynamisierten Umwelt. Allein der Gedanke an eine Umsetzung zwingt uns in eine angsterfüllte Planlosigkeit.

Wieder zurück, oder doch nach vorne?

Wenn wir den Blick nach außen richten, merken wir: alles bleibt anders. Wir stolpern von einer Krise und die nächste, kaum haben wir uns an geänderte Rahmenbedingungen gewöhnt, ist schon wieder alles anders. Auch wenn viele gerne wieder ins alte „Normal“ zurückkehren möchten, merken wir, dass wir nicht mal mehr wissen, wo denn das sei. Geordneter Rückzug ausgeschlossen.

Und so stehen wir da, können nicht mehr zurück, und können (noch) nicht nach vorne. Also, wohin? Diese Antwort zu geben ist klassische Aufgabe der Führung. Verständlich daher die Erwartung an die Führungskräfte

„Die sollen sagen, wo es lang geht!“

Doch auch hier stehen wir vor einer Überforderung. Je bewegter die Dynamik, desto weniger kann Führung diese Steuerungsarbeit noch leisten. Beim besten Willen nicht. Zu breit sind die Rahmen geworden, zu schnell die Veränderungen und damit die Anzahl der möglichen Optionen.

Wir sind an einem Punkt, an dem wir nur gemeinsam gute Lösungen finden und unterwegs immer wieder anpassen können. Aber noch haben wir dafür kein Instrumentarium.

Und genau da stockt es …

Wer nicht vor oder zurück kann, bleibt also da und macht nichts. Das zeigt z.B. die gerade aktualisierte Studie Soziale Gesundheit in Österreichs Betrieben:

  • 81% der Arbeit wird so erledigt, wie sie vereinbart wurde, das ergibt die Note 1,8 in Sachen Pflichterfüllung.
  • Offene Kommunikation wird vermieden, wo es geht.
  • Schließlich sind Ängste und Konflikte ein Kostenfaktor und daher zu vermeiden. (Dabei sind diese Ängste allgegenwärtig, denn nur 34% haben KEINE Angst vor Verlust von Wertschätzung und Anerkennung!)

Zugespitzt zusammengefasst:

Sagt uns, was wir tun sollen und wir setzen fleißig um!

Doch Fleiß alleine wird künftig nicht mehr für ersehnte Anerkennung und Wertschätzung reichen. Wenn diese Hoffnung platzt, werden Ängste zunehmen und Orientierung weiter abnehmen. Eine gefährliche Spirale!

Bewegt Euch!

Bitte etwas mehr Mut: Mit Konformisten kommt man nicht weit!, schreibt Anne Schüller in ihrem Beitrag zur Blogparade. Wir müssen also in Bewegung kommen, egal ob vorne, links, rechts oder ganz anders – einfach mal machen. Ausprobieren, miteinander reden, machen. Der Weg entsteht im Gehen. Wir werden rasch erkennen: Bewegung sorgt für Stabilität, das kennen wir vom Radfahren. Das ergibt wieder Zuversicht – nicht nur den Menschen.

Organisationen mögen sich dadurch bedroht sehen, doch auch sie brauchen Ideen, Flexibilität und Wendigkeit, denn sie müssen neue Strukturen und Vorgehensweisen simultan zu den Bestehendem finden. Wenn wir alle in Bewegung kommen, können wir Schritt für Schritt neue Organisationsprinzipien etablieren. So, wie sie für das jeweilige Umfeld passen.

Und dass es nicht nur EIN New Work gibt, sondern ziemlich viele, daran erinnert uns Alexander Kluge.

Ist Kommunikation die Lösung?

Einen Aspekt habe ich noch nicht angesprochen: Die Kraft liegt gar nicht nicht bei einzelnen Menschen (allein), sondern in deren Begegnung und Interaktionen. Die Knotenpunkte machen die Stärke von Zusammenarbeit und damit von Organisationen aus. Diese Knoten entstehen und stärken sich durch offene, regelmäßige Kommunikation.

Ganz nebenbei bemerkt, rückt damit Organisationskultur von einer „netten Begleiterscheinung des Alltags“ damit ins Zentrum der Betrachtungen. Und auch hier versagt Steuerung, denn Kultur ist nicht (direkt) steuerbar und in vielen Aspekten „unentscheidbar“.

Für New Work werden wir das Pradigma der „Steuerung und Kontrolle“ zurücklassen müssen – „Loslassen“ wie es CEO Carl Lievens im jüngsten #Initate-Talk unlängst formuliert hat. Auf den Weg machen, attraktive Zielpunkte, „Leuchttürme“, finden, die an die intrinsische Motivation der Leute anschlussfähig ist. Die Voraussetzung für ein Gelingen: ständig im Gespräch zu bleiben.

„Wenn Beschleunigung das Problem ist, dann ist Resonanz vielleicht die Lösung.

Hartmut Rosa

Emotion spielt nun auch im Business eine bedeutendere Rolle – diese wird ebenfalls durch Kommunikation genährt.

Arbeit ist schließlich mehr als ein ökonomischer Austausch zwischen Zeit und Geld, es ist Teil der eigenen Identität. Der oft rational adressierte „Sinn“ ist sinnlos, wenn dieser nicht emotional verhaftet ist.

Eigentlich haben wir ja keine Wahl mehr, oder?

Umdenken ist erst der Anfang, in New Work werden auch anders handeln – vor allem weniger rational und kontrolliert. Energien und Emotionen werden wesentliche Player. Wie oft sind Change-Initiativen im Sand erstickt, weil die Umsetzung sachlogischer Konzepte an „falschen“ Einstellungen oder emotionalen Widerstand der Mitarbeiter gescheitert ist?

Möglicherweise liefert New Work Ideen für ein neues menschenorientiertes Arbeitsumfeld, in das sich noch niemand reintraut. Dabei wäre es ein würdiges Umfeld für Menschen, die mit-denken, mit-arbeiten und Lust an der Zusammenarbeit haben; die geschaffene Silos überbrücken und Schnittstellen zu Nahtstellen machen; die überzeugt sind, Wichtiges zu leisten, also etwas Sinnvolles zu leisten. Die sich durch (Über-)Organisation nicht ausbremsen lassen und im Team, rasch und unkompliziert echte Lösungen für Kundenprobleme schaffen.

Doch wer vor die eigene Haustür blickt, weiß: Wir werden über kurz oder lang keine andere Wahl haben, als uns aufzumachen und Bekanntes tabulos in Frage zu stellen. Das erfordert Mut, Geduld und Vertrauen, und unterwegs viel, viel offene Kommunikation über alle Ebenen und Silos hinweg: Diskussionen, Feedback, Reflexionen, Austausch, aber auch Konflikt- und Klärungs-Gespräche.

Und spätestens jetzt wird klar, dass New Work aktuell nicht mehr als reine Utopie ist. Denn schließlich sind wir zum Arbeiten da und nicht zum Plaudern.

So läuft es in meinem Knowledge Garden

Im Jänner definierte ich im Rahmen #CLC-„Massive Open Lernreise“ (meine Begriffsschöpfung 😉) mein aktuelles Lernziel: ein persönliches, digitales Personal Learning Framework aufbauen.

Und ich blieb nicht alleine mit meinem Ziel. Anfang Februar startete unsere Lerngruppe mit Carina Ebli, Claudia Kesche, Stefan Fersterer, Claus Vormann, Axel Wolpert und mir.

Heute stelle ich meinen Garten in der aktuellen Fassung vor und fasse meine persönlichen Learnings zusammen.

Mein konkretisiertes Ziel

Wofür baue ich eigentlich an meinem persönlichen Knowledge Garden, auch Mind Garden? Meine Antwort: um bestehendes und entstehendes Wissen verfügbar zu halten, zu pflegen und daraus neue Einsichten in Form von Blogposts, Praxiskonzepten oder auch Sketches auszuarbeiten.

Ich möchte (flüchtige) Gedanken, die „mietfrei im Kopf leben“, aus dem Alltag aufsammeln können und diese danach aktiv in dieses Wissensnetzwerk „einflechten“ können. Biologische Gehirne sind schließlich gut im Verarbeiten, nicht im (Detail)Merken. Also baue ich mir ein verlässliches, digitales Second Brain zur Unterstützung („mindful statt mind full“).

Schnell habe ich erkannt, dass es gar nicht so sehr um das Sammeln von Informationen, sondern um die (Weiter)Verarbeitung der eigenen Gedanken und geht. Mind Gardening ist eine proaktive Art, Wissen, Ideen und Denken zu kultivieren.

Meine Werkzeuge

Die Basis meine digitalen Gehirns bilden Markdown Dateien (synchronisiert via OneDrive), die ich mit Obsidian und Logseq bearbeite.

Beide Open Source Programme bieten bidirektionale Links für einfache, zweiseitige Verknüpfungen sowie eine Graph-Darstellung mit der das Wissensnetzwerk auch grafisch dargestellt und bearbeitbar ist. Beide Applikationen haben unterschiedliche Funktionalitäten, können aber parallel auf die selben Dateien zugreifen und bearbeiten. Derzeit verwende ich beide, langfristig werde ich mich wohl für eine der beiden entscheiden.

Interessante Inhalte sammle ich per RSS (Feedly) bzw. per Bookmarks in Sozialen Netzwerke (vorwiegend Twitter und LinkedIn). Inhalte aus Büchern erfasse ich in Readwise (das funktioniert auch perfekt mit „echten“ Papier-Büchern).

Online-Videos annotiere ich (derzeit noch) mit Annotate.tv. Podcasts höre ich seit Kurzen mit der Momento-App am Handy, mit der ich interessante Stellen per einfachen Klick markieren und als Transkript nach Readwise exportieren kann. Readwise ist direkt per Schnittstelle sowohl an Obsidian wie auch Logseq verbunden.

Spontane Gedanken erfasse ich direkt auf der Tagesseite in Logseq (seltener in Obsidian). Zusätzlich experimentiere ich gerade mit Voiceliner auf meinem Handy, die meine Sprachnotizen transkribiert und als Markdown exportierbar macht.

Mein (aktueller) Workflow

Angelehnt an das Seek-Sense-Share-Framework von Harold Jarche habe ich drei Aktivitätsfelder: Sammeln und Einbringen (seek), Organisieren (sense) und Ernten (share).

Sammeln und Einbringen (seek)

Während der Woche setze ich Bookmarks, notiere Gedanken. Für mich hilfreich ist, dass ich mich dabei nicht um Strukturen, Ordner oder Ablageorte kümmern muss. Ist es für mich interessant, dann wird es behalten.

Einmal wöchentlich, meist Freitag nachmittags, arbeite ich die gesammelten Inhalte durch. Ist es für mich (noch immer) relevant, so wird es aufgenommen. Ich bleibe mit allen Notizen soweit es geht in ganz flachen Hierarchien und arbeite nur über Tags und Links. Allein dadurch entsteht eine flache Netzstruktur, in der ich via Links, Graph und Suche leicht meine Inhalte wiederfinde.

Am Beginn meiner Lernreise hatte ich besonders diese Phase im Fokus. Doch habe ich schnell erkennt, darum geht es nur in zweiter Linie; Viel wichtiger ist die folgende Phase, nämlich das Pflegen und Organisieren.

Organisieren (sense)

Hier geschieht die eigentliche Arbeit, die auch nie wirklich beendet sein wird. Das digitale Gehirn ist ein lebendes System. Derzeit beschäftige ich mich recht intensiv mit diesem Prozess, um passende Routinen zu finden.

Alles beginnt mit einer Menge (relevanter) Fleeting Notes aus der Vorphase, dem Sammeln. Das ist eine Reihe unbearbeiteter Inhalte auf meinen Notizseiten. Das können Buch-, Podcast-, oder Video-Notizen sein, aber auch kleinere Notizen mit flüchtigen Gedanken.

Es sind also die Sämlinge in meinen Garten, die noch Pflege und Aufzucht benötigen – vielleicht überleben sie diese Phase nicht, oder aus ihnen wird dann doch „Größeres“. Über die Seiten-Eigenschaften der Notizen („Properties“) finde ich diese rasch wieder für die weitere Bearbeitung.

Aus manchen werden Atom Notes oder auch meine „Zettel“ (nach der Zettelkasten-Methode von Niklas Luhmann). Sie sind kurze Beschreibungen einzelner Gedanken, Konzepte, Personen oder Inhalte. Ihre Kraft liegt in der Vernetzung mit anderen Zettel, die sich mit bidirektionalen Links leicht herstellen lassen. Über diese Verlinkung entstehen manchmal schon neue Ideen, die ich gleich wieder (als eigene Zettel) notiere. Oft ist es auch nur eine direkt auf der Notiz erfasste Aufgabe, die mich an eine spätere Recherche erinnert.

Aus einigen dieser Notiz-Zettel sind bereits erste Evergreen-Notes in meinen Garten entstanden, also eigenständige Aussagen aus verdichteten Inhalte mit vielen Links zu Atom Notes. Solche Notizen sollen in Zukunft persönliche Grundgedanken oder theoretische Grundkonzepte beinhalten. Hier bin ich schon gespannt, was hier so alles entstehen wird.

Einiges gelesen habe ich über Map of Content (MOC) Notizen, die schnell einen Überblick über ein Thema geben und eine Art Dashboard mit vielen Links sind. Derzeit habe ich noch keinen Bedarf an solchen Seiten. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

Mittlerweile habe ich erkannt, dass diese „Gartenarbeiten“ (m)eine Vision oder Ziel brauchen, also eine grobe Idee, wofür ich das alles mache. Sehr schnell ist man „Lost in Links“, auch das merkte ich sehr schnell. Und ohne Zukunftsvorstellung ist es fast nicht möglich, sich von (doch nicht so relevanten) Inhalten auch wieder zu verabschieden. Ich möchte einen Garten und keinen Dschungel.

Mit meinem Garten möchte ich Klarheit rund um Organisation, Lernen und Arbeiten und damit Ordnung in meinem Kopf schaffen, um damit produktiv (weiter)arbeiten zu können. Diese Klarheit hilft mir, zu ordnen, zu sortieren, zu erkennen. Und sie hilft mir, den möglichen Output im Blick zu behalten, also z.B. Blogposts, praktische Umsetzungskonzepte oder erklärende Sketches und Skizzen.

Ernten (share)

Die Ernste sollte direkt aus meinen Second Brain möglich sein, also Texte und Bilder direkt daraus entstehen. Hier hat Obsidian klar den die Nase vorn, denn damit kann ich Fließtexte einfacher und schöner bearbeiten als in Logseq. Vielleicht kann ich Zukunft einige Aktivitäten sogar automatisieren. Holger Gelhausen tweetet regelmäßig über Automatisierungmöglichigkeiten von Markdown-Dateien, z.B. direkte Erstellung von PowerPoint- oder Video-Dateien.

Dazu fehlen mir aber noch Ideen und Ansatzpunkte, wie diese „Obsternte“ in meinem Garten aussehen wird. Aber eines habe ich schon umgesetzt, nämlich eine grafische Übersicht über diesen Workflow erstellt:

Und jetzt?

Ich konnte meine bisherigen Inhalte meines Gartens schon gut verwenden und merke auch, dass eine mehrfache Bearbeitung der Gedanken keine Zeitverschwendung, sondern gut investierte Zeit ist.

Somit bin ich sehr zufrieden mit diesen Fortschritt und freue mich auf das nächste Treffen in unserer Lerngruppe. Und die weiteren Erfahrungen, die ich in den kommenden Wochen machen werde.

P.S. Mein Lernbegleiter Torben Mau hat seinen Bericht unserer Lernreise und seines Wissensgartens hier zusammengefasst.

#MeinZiel22 Mein Personal Learning Framework aufbauen

Die CorporateLearningCommunity #clc startet mit einer gemeinsamen Lernreise ins neue Jahr, einer „Massive Open Lernreise“, wie ich sie nenne: #MeinZiel22

Da bin ich natürlich gerne dabei und beschreibe hier mein Lernvorhaben und Lernziel, das ich bis Ende Mai erreicht haben möchte. Wer immer sich meiner Lernreise anschließen möchte, ist herzlich willkommen, uns gemeinsam auf die Entwicklungsreise zu machen.

Mein Ziel: Ich will ein persönliches, digitales Personal Learning Framework aufbauen #DigitalGardening

Ich möchte ein persönliches, digitales „Second Brain“ schaffen, dessen Pflege und Erweiterung sich leicht in den Alltag integrieren lässt. Meine Gedanken, meine Ideen aus gelesenen, gehörten Inhalten oder deren Verbindungen, aus Büchern, aus Zitaten heraus, sollen dort gesammelt, gepflegt und zu Neuem weiterentwickelt werden.

Dazu möchte ich passende Tools auswählen und lernen, diese in der Bedienung und Vernetzung untereinander sinnvoll und einfach einzusetzen.

Wofür?

Mit diesem Framework möchte ich nicht nur mein persönliches Lernen zu erleichtern: Neue Wissens- oder Content-Nuggets rasch und einfach per möglichst automatisierten Workflow dort abgelegen und mit bestehenden Informationen vernetzen. Ich möchte daraus leicht und einfach neue Erkenntnisse, z.B. rund ums Lernen oder Corporate Learning, erlangen. Diese Erkenntnisse helfen mir in der täglichen Arbeit und sollen auch in meinem Blog aufgegriffen und zu interessanten Posts verarbeitet werden.

Die Zielerreichung messe ich daran, dass

  • mein persönliches, digitales Second Brain mit einem oder mehreren geeigneten Tool(s) umgesetzt und bereits mit Inhalten laufend befüllt wird. Bonusziel: Idealerweise als mein #DigitalGarden (zumindest in Teilen) online verfügbar ist.
  • ein Workflow zur (möglichst automatisierten) Erweiterung mit Content-Nuggets für Text, Video, Audio definiert, produktiv umgesetzt und zeitlich wie organisatorisch gut in meinen Alltag integriert ist.
  • Aus den gewonnenen inhaltlichen Erkenntnissen zu Corporate Learning bis Ende Mai mindestens zwei neue Blogposts oder zwei neue, konkrete, praktische Umsetzungskonzepte entstanden sind.
  • Zusätzlich soll meine (oder unsere) Lernreise ebenfalls in einem oder mehreren Blogpost(s) dokumentiert werden.

Wie ich dazu komme…

Neugierig wie ich bin, lese, höre und schaue ich viel und mag das auch recht gerne. Eines meiner Interessensgebiete: Lernen generell und Corporate Learning im Speziellen.

Im Alltag bleibt oft nicht die Zeit, interessante Gedanken irgendwo dauerhaft festzuhalten. Meist bleibt dann nur der Bookmark für später oder kommt direkt in OneNote. Dort befindet sich mittlerweile ein unüberschaubarer Daten-Friedhof ohne Chance, diese Informationen jemals wieder sinnvoll verwerten zu können.

Oder, das passiert mir auch immer wieder: ich habe eine Erinnerung an ein Video, einen Post oder ein Paper, kann aber die Originalquelle dann nicht mehr finden (ich suche z.B. seit längerem ein Video, wo der Leiter einer Spezial-Einsatztruppe über seine Sicht der Führung spricht und wie wichtig Vertrauen auch in einer Einsatzorganisation ist). Schade!

Ich möchte daher künftig interessante Gedanken aus Online-Text, -Bild und -Ton einfach sammeln, vernetzten und im Gesamtkontext verarbeiten können, Quellen leicht auffinden und neue, hilfreiche Gedanken daraus generieren. Und das ganze #alltagstauglich, bitte.

Was bringe ich mit?

Ich arbeite tagtäglich viel mit OneNote und habe bereits (weniger glücklich) mit Zotero oder MilaNote experimentiert. Und ich konnte erste, vielversprechende Experimente mit RoamResearch, Obsidian und logseq, also Markdown-basierten Tools, machen. Hier bin ich u.a. von den Vernetzungsmöglichkeiten begeistert.

Komplett fehlen würde mir noch ein einfacher Workflow, um Content-Häppchen leicht und einfach zusammenzutragen. Und mit „digitaler Gartenarbeit“ in meinem Second Brain habe ich noch gar keine Erfahrungen.

Wer möchte sich anschließen?

Die besten Erfahrungen macht man immer zusammen. Also, wer aus meiner geplanten Lernreise eine gemeinsame machen möchte, meldet sich hier an und spricht mich einfach an.

Willkommen 2022, mit Dojos und Kudos!

Eines gleich vorweg: dies wird eine C***D-freie Begrüßung des neuen Jahres.

Obwohl… – habt ihr euch schon mal überlegt: Das Jahr 2022 hat eine 2 mit einer Doppel-2. Der 22.2. ist ein Dienstag, also der 2. Tag der Woche. Ab kommender Woche gilt in Österreich wieder 2 Meter Abstand, die 2G Regel im öffentlichen Leben, sowie in weiten Teilen FFP2-Maskenpflicht.
Und jetzt kommt´s: aus der Numerologie wissen wir, dass die 2 u.a. für Zwielicht, Widersprüchlichkeit und Spaltung steht. Das kann kein Zufall sein, erkennt ihr die Hinweise?. Kurz: wenn wir nicht aufpassen, steht das Neue Jahr unter keinem guten Stern – aber das wäre ja dann schon Astrologie 😉. (Disclaimer: Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern ein simples Aufzeigen von nachprüfbaren Tatsachen)

Ganz im Ernst:

2022 wird ein aufregendes Jahr – ganz besonders für HR.

Denn kaum etwas wird bleiben, wie es ist – jedenfalls nicht in HR.

Die letzten beiden Jahre haben Weichen gestellt – das „new normal“ ist längst da, das „good old normal“ wird nicht wieder kommen. Wie HR mit den sich weiter ändernden Rahmenbedingungen umgehen wird können, entscheidet über dessen Leben oder mittelfristigen Tod.

So klar muss man das sagen: Wenn sich Prämissen ändern, müssen sich auch die Angebote, Instrumente und Tools ändern. Das bedeutet: Der Nutzen von dem, was HR in den letzten Jahrzehnten entwickelt und in Routinen gebracht hat, schmilzt dahin wie Schnee in der Frühlingssonne. Es hilft einfach nicht (mehr).

Brandthemen: Recruiting, Lernen, Organisation

Seit Jahren reden wir darüber, erstmals spüren ihn wirklich – den Fachkräftemangel. Auch wenn dieser noch immer als Ausrede für die eigene Ideenlosigkeit oder die Bewerberfeindlichkeit im Recruiting gebraucht wird, so ist mittlerweile auch nachweisbar: Fachkräfte gibt es zu wenige.

Der Arbeitsmarkt hat sich gewandelt: Fachkräfte sind mobiler geworden und wechseln leicht zwischen Branchen und Berufen. Und stellen klare Ansprüche: z.B. abwechslungsreiche Aufgaben, bequeme Arbeitswege und flexible Dienstzeiten – Home-Office ist ohnehin schon Standard (wo es der Job denn erlaubt). Willkommen am Bewerbermarkt!

Mehr noch: Werte haben sich verschoben, Lebenszeit ist wichtiger geworden. Denn vielen wird klar, dass die alte, langgediente Aufteilung „zuerst Arbeit, dann Pension“ so nicht mehr gilt. „Bildung – Arbeit – Freizeit“ passiert gleichzeitig und ist laufend im Lebensstrom unter einen Hut zu bringen. Employee Experience und Lebensphasenorientiertes Personalmanagement beispielsweise sind damit kein Nischenthema mehr, sondern echte Anforderungen.

Apropos Bildung – auch der Bedarf an Lernen erhöht sich rasant. Die alten Präsenztrainings kommen nicht nur aufgrund immer neuen Verordnungen immer weniger zum Zug. Es fehlt an Zeit und manchmal auch an Lust, an vorgefertigten Schulungen teilzunehmen. Neue Formate, neue Räume und neue Möglichkeiten fehlen uns aber noch im Corporate Learning.

Also, warum nicht mal den Schulungsraum gegen Dojos, einen Ort für gemeinsame Übungen, tauschen?

Raus aus den Gewohnheiten!

Das alles erfordert vor allem eines: raus aus dem Bekannten!

Organisationen müssen adaptiv werden, um neue Mitarbeiter zu finden und bestehende zu halten. Organisationen müssen neue Wege in der Kommunikation und Zusammenarbeit finden, weiterentwickeln und laufend pflegen. Die Organisationskultur ist hier ganz wesentlich und zeigt, wie fit Organisationen für diese Herausforderungen sind. New Work ante portas.

HR wird an all diesen Stellen anpacken müssen, kreativ sein, Gewohntes in Frage stellen und Vieles ganz neu entwickeln. Darüber reden wir schon seit Jahren, jetzt wird es ernst (weil not-wendig).

Die Themen sind so vielfältig, dass sich HR damit leicht überfordern kann. Daher gilt: Je inhaltlich verzahnter und vernetzter dieser Umbau im laufenden Betrieb erfolgt, desto erfolgsversprechender. Also keine Programme FÜR Mitarbeiterinnen, sondern MIT Mitarbeiterinnen umsetzen.

Um uns dabei nicht zu verzetteln brauchen wir eine kräftige HR-Vision und klare HR-Strategie sowie eine disziplinierte Fokussierung auf jene Themen mit der höchsten Wirkung.

HR, take the chance!

HR-Vordenker Dave Ulrich ruft zu Mut und Beweglichkeit auf:

„We (HR) cannot miss this opportunity for impact“

Was er meint damit:

  • Schauen wir nach Vorne, nicht zurück. Also, nicht das Gewesene optimieren, digitalisieren, sondern zukunftsorientiert (neu, anders, weiter, …) denken und Schritt für Schritt umsetzen.
  • Achten wir auf Muster, und nicht so sehr auf Ereignisse. Muster wiederholen sich und sind der Schlüssel zur Veränderung.
  • Fokussieren wir konkrete Ergebnisse und ruhen uns nicht auf den gesetzten Aktivitäten aus – Outcome statt Output.
  • Und HR sollte alle Daten und Informationen nutzen, um das vorhandene Wissen produktiv zu machen.

Na, wenn das nicht wie gute Neujahrsvorsätze klingt. Es sagt schreibt sich leicht, ist aber eine Mammutaufgabe. Ich möchte 2022 immer wieder auf diese vier Punkte im Blog, aber auch im täglichen Tun referenzieren. Mal sehen, wie gut das gelingt und wohin es führt.

Passend zu diesen Vorsätzen gibt es auch heuer wieder eine Pantone-Trendfarbe (mittlerweile ja eine Tradition in meinen Neujahrsbetrachtungen):

Very Peri“ (PANTONE 17-3938) ist eine „aufregende Mischung aus Blau und Violett“ und wurde erstmals speziell als „Pantone Color of the Year“ entwickelt. Ich verbinde damit ja die Farbe nach stumpfen Verletzungen. Die erklärte Bedeutung von „Veri Peri“ ist eine andere: Sie soll für 2022 die Sehnsucht nach etwas Neuem widerspiegeln und steht für „mutige Präsenz und persönlichen Erfindungsreichtum.

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass die 2 auch folgende Bedeutungen hat: Entfaltung von Wissen, Intellekt, Vernunft, Diplomatie, Bewusstseinsentwicklung und Zweifel. Glaubt mir, das ist alles kein Zufall 😉

Danke, 2021!

2021 war anstrengend.

Vielleicht ist das ja der Grund, warum PANTONE 2021 gleich zwei Trendfarben verpasste, nämlich „Illuminating Yellow“ und „Ultimate Grey“. Oder aber auch, weil neben den infektionellen (versprochen ist versprochen 😇) Sonderthemen auch noch jede Menge „normale“ HR-Arbeit zu erledigen war.

Trotz aller Wellen und Auf und Abs, war es dennoch ein erfolgreiches Jahr, hier nur ein paar persönliche Highlights:

Also lag das Farben-Jahres-Horoskop des Pantone-Instituts 2021 mit „Illuminating Yellow“ und „Ultimate Grey“ nicht ganz daneben: „Es ist eine Kombination, die für die Widerstandsfähigkeit, den Optimismus, die Hoffnung und Positivität spricht, die wir brauchen, wenn wir zurücksetzen, erneuern, neu denken und neu erfinden“. Stimmt irgendwie noch immer.

Kudos to you all!

Ich danke Euch für den gemeinsamen Weg 2021, auf welcher Art auch immer – Kudos an die treuen Personaleum-Leserinnen, an mein großartiges HR-Team, an die erwähnten wie auch unerwähnten Kolleginnen für die Umsetzung toller Projekte, an die Corporate Learning Community generell, an alle Gesprächspartnerinnen und Mit-Denker, Gegenredner und Ideenstifterinnen für die Sichtweisen und Impulse. Kudos to you!

Ich wünsche allen einen guten Start ins Neue Jahr, viel Mut zum Neues auszuprobieren und viel Geduld und Konsequenz, damit das Neue auch in der Welt bleiben darf.

Prosit 2022!

MENSCH IN ARBEIT

Mensch in Arbeit ist das Motto meiner Beiträge: Gute Personalarbeit geht besser! Kommentare, Ergänzungen oder Widerspruch sind mir herzlich willkommen.

HERWIG KUMMER bloggt ...

Seit über 2 Jahrzehnten arbeite und lerne ich im HR-Umfeld und engagiere mich für wirkungsvolle Personalarbeit. Hier blogge ich über meine aktuellen Ideen und höchstpersönlichen Sichtweisen.

WEIL ES MIR WICHTIG IST ...

Formulierungen und Bezeichnungen sind teils weiblich, teils männlich verfasst. In jedem Fall meine ich immer gleichberechtigt alle Geschlechter!