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Manchmal sind es eben die einfachen, unscheinbaren ZufÀlle, die eine positive Wirkung entfallen können.

So ein Zufall hat mich unlĂ€ngst mit Martina Dopfer zusammengefĂŒhrt. Wir haben ein sehr inspirierendes GesprĂ€ch ĂŒber Innovationen und die Zukunft der Arbeit gefĂŒhrt.

Als Wissenschafterin hat sie sich mit Digitaler Innovation, als GrĂŒndercoach mit Startups in Deutschland und USA und privat mit Yoga beschĂ€ftigt. All diese Themen hat sie nun zusammen mit neurowissenschaftlichen Aspekten in ein wissenschaftliches Kognitionsmodell fĂŒr die Gestaltung von VerĂ€nderungsprozessen zusammengefasst.

Dr. Martina Dopfer

Martina ist Autorin von “Achtsamkeit und Innovation in integrierten Organisationen”, Speakerin und GrĂŒnderin von myndway. myndway bringt ihren ganzheitlichen Transformationsansatz in achtsamen Entwicklungskonzepten fĂŒr Mitarbeiter, FĂŒhrungskrĂ€fte und Teams zusammen.

Liebe Martina, danke fĂŒr unser GesprĂ€ch. Vielleicht stellst Du Dich kurz selbst vor.

Lieber Herwig, vielen Dank fĂŒr das Interview. Ich freue mich hier zu sein und stelle mich gerne kurz vor.

Ich komme aus dem schönen AllgĂ€u und lebe nun seit ĂŒber 10 Jahre in Berlin. Nach meinem Studium habe ich berufliche Stationen bei der Deutschen Telekom und in Berliner Startups eingelegt. Das war eine tolle Zeit zwischen Innovation, Digitalisierung und Startup-Buzz, in der ich viel erlebt habe. Meine Promotion in Berlin, St. Gallen und in Berkeley ĂŒber digitale GeschĂ€ftsmodell-Innovationen hat mir die Chance gegeben, all das zu reflektieren. WĂ€hrend der Promotionszeit habe ich viel Innovationsberatung gemacht und dabei immer wieder festgestellt: Echte VerĂ€nderung steht und fĂ€llt mit den Menschen im Unternehmen. Oft aber bedeutet VerĂ€nderung die Überwindung von Ängsten und Unsicherheit. Das fĂ€llt uns Menschen nicht unbedingt leicht.

Gegen Ende meiner Promotion habe ich in San Francisco eine Yogalehrerausbildung gemacht und bin dabei fasziniert ĂŒber die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse zur Achtsamkeit gestoßen. Ich habe diese Effekte zunĂ€chst an mir selbst gemerkt: Ich war voller Energie, fokussierter und bin geplatzt vor Ideen. Das war fĂŒr mich ein Aha-Effekt, den ich mit vielen Menschen teilen wollte.

Durch Achtsamkeit, Menschlichkeit und Miteinander
entsteht eine nötige Kraft im Unternehmen,
den aktuellen Wandel aktiv zu gestalten.

Dr. Martina Dopfer

Wieder in Deutschland habe ich begonnen, Achtsamkeit, Innovation und Entrepreneurship theoretisch und praktisch immer mehr zu verschmelzen. Daraus ist mein Buch und unser Unternehmen mynd:way entstanden.

Was mich heute treibt, ist der tiefe Wunsch, Unternehmen menschlicher zu machen und dabei auch aufzuzeigen: Durch Achtsamkeit, Menschlichkeit und Miteinander entsteht eine nötige Kraft im Unternehmen, den aktuellen Wandel aktiv zu gestalten.

Achtsamkeit wird manchmal leichtfertig ins esoterische Eck gestellt. Warum ist Achtsamkeit fĂŒr Innovation und Neue Arbeitsformen so wichtig?

Ich definiere Achtsamkeit als “PrĂ€senz ĂŒber Handlungen, Ziele und Potentiale, die den Menschen befĂ€higen, Verantwortung mutig zu ĂŒbernehmen und VerĂ€nderung in Verbundenheit mit Herz und Verstand zu gestalten – wertungsfrei, empathisch, bewusst.”

Dabei mache ich gerne deutlich, dass ich hier von einer neuen Achtsamkeit spreche. Die Achtsamkeit ist ĂŒber Jahrhunderte gewachsen und darum haben sich Praktiken wie Meditation und Yoga entwickelt, welche die Menschen in Kontakt mit ihrem Körper und ihren Geist bringen. FĂŒr mich ist das nicht esoterisch, sondern ein natĂŒrlicher Zustand von PrĂ€senz, den viele von uns vergessen haben.

Innovation und die sog. Neue Arbeit stehen fĂŒr Wandel und VerĂ€nderung. Auch die stetige VerĂ€nderung ist Teil unseres Lebens. Man denke bspw. an die Jahreszeiten! Allerdings ist es auch menschlich, an Routinen und Gewohntem festzuhalten. Das macht die Welt berechenbar und gibt uns Sicherheit.

Die Neurowissenschaft zeigt uns heute: Unser Gehirn ist plastisch. Es kann sich verÀndern. Wir können bis ins hohe Alter neue graue Zellen und neue Vernetzungen im Gehirn entwickeln.

Studien zeigen ebenfalls, dass eine achtsame Praxis wie z.B. die Konzentration auf den Atem hilft, uns zu fokussieren und Stress abzubauen. Die MitgefĂŒhlsmeditation, in welcher wir in Gedanken bspw. einem Menschen “Danke” sagen, fördert die Empathie. Die offene Gewahrsamsmeditation, in der man versucht, die Gedanken kommen zu lassen, ohne sie zu bewerten, unterstĂŒtzt Offenheit und KreativitĂ€t.

Der Umgang mit Stress und Druck, die aktive Kollaboration und die Offenheit fĂŒr Neues, sind fĂŒr mich zentrale FĂ€higkeiten in einem Zeitalter von Innovation und neuen Arbeitsformen.

In Deinem Buch sprichst Du von „innerer FĂŒhrung“ – was meinst Du genau damit?

Wir sprechen manchmal von Achtsamkeit als Zustand oder Achtsamkeit als Praxis. FĂŒr mich ist ein achtsamer Zustand ein Zustand der Verbundenheit mit dem, was ist. Ich bin mir ĂŒber meine FĂ€higkeiten und Ziele bewusst. Ebenso kann ich Grenzen aufzeigen. Der achtsame Mensch zeigt WertschĂ€tzung und lebt BefĂ€higung (auch: Empowerment). Er weiß, wann er Verantwortung ĂŒbernimmt und sich erlaubt, um Hilfe zu bitten bzw. Verantwortung abzugeben. FĂŒr mich sind das ganz wichtige FĂŒhrungsfĂ€higkeiten. Dazu kommt, dass durch Achtsamkeit oft ein Empfinden von Sinn entsteht oder die Sehnsucht, etwas zu tun, was Sinn gibt.

Durch Achtsamkeit entsteht ein Empfinden von Sinn oder
die Sehnsucht, etwas zu tun, was Sinn gibt.

Dr. Martina Dopfer

So entsteht eine Klarheit von Innen heraus, die wichtig ist, wenn wir ĂŒber eine komplexe, sich schnell verĂ€ndernde Welt sprechen. Diese innere FĂŒhrung treibt und motiviert. Sie setzt aber auch Ankerpunkte fĂŒr das eigene Handeln. Das hilft sich im digitalen Chaos nicht zu verlieren. Gleichzeitig unterstĂŒtzt sie aber auch Resilienz im Umgang mit Druck. Innere FĂŒhrung ist so auch ein wichtiger Baustein von Selbstorganisation und AgilitĂ€t.

Eine kleine Übung dazu: Das Envisioning:
Schließen Sie die Augen und kommen Sie erst einmal zu sich. Dann stellen Sie sich glĂŒcklich und zufrieden in 3 Jahren vor.
Wo sehen Sie sich? Wer ist bei Ihnen? Welche Rolle haben Sie inne? Wie fĂŒhlen Sie sich dabei? Was empfinden Sie noch?
Danach schreiben Sie einfach 3-5 Minuten auf, welche Ziele Sie aus der kurzen Übung ableiten.

Im Buch habe ich den Satz gefunden: „Das Wachstum der leistungsorientierten Organisation steht fast schon kontrĂ€r zu Kollaboration, Innovation und Unternehmergeist.“ – was bedeutet das konkret fĂŒr Organisationsentwicklung und gerade vielseits gestarteten Transformationsprogrammen?

Im Buch leite ich ĂŒber den integrierten Mitarbeitenden und ĂŒber integrierte Teams die integrierte Organisation ab. Dabei ist mir wichtig zu betonen: Die integrierte Organisation ist achtsam. Sie steht aber ebenfalls fĂŒr Wachstum. Nur eben nicht fĂŒr Wachstum um jeden Preis.

In der integrierten Organisation entsteht das Wachstum von Innen und beginnt beim Einzelnen. Entsprechende Transformationsprozesse gehen auf die Potentiale und FĂ€higkeiten von Mitarbeitern und FĂŒhrungskrĂ€ften ein. Sie befĂ€higen diese, ihre optimale Rolle zu definieren. Gleichzeitig wird den Mitarbeitenden auch bewusst: Das AusfĂŒllen dieser Rolle steht in ihrer Verantwortung. Das Organisationssystem unterstĂŒtzt darin. Es gibt aber auch die FlexibilitĂ€t, die Rolle weiter auszugestalten. Durch die Achtsamkeit entsteht Klarheit ĂŒber Ziele und Visionen.

Wichtig ist in derartigen Programmen die Arbeit an Werten und ihrem Effekt auf die Handlung, sowie Sinnorientierung und Kommunikation.

Wir sehen in unseren mynd:way Trainings: Es sollte nie bei der reinen Theorie bleiben. Je mehr der Teilnehmende erfahren kann, desto praxisnÀher sind die Inhalte.

Eine Übung hierzu ist das achtsame Zuhören:
Fragen Sie einen Kollegen wie es ihm bzw. ihr geht und hören Sie einfach nur zu. Geben Sie keine RatschlÀge und unterbrechen Sie nicht. Vielleicht achten Sie noch auf Ihre eigenen Körperempfindungen beim Zuhören. So machen Sie Ihrem Kollegen ein wunderbares Geschenk von Aufmerksamkeit und PrÀsenz.

Ich sehe viele Transformationsprogramme, die Methoden der AgilitÀt entwickeln. Nur selten wird den Teilnehmern aber bewusst gemacht, wie sehr die AgilitÀt mit der eigenen Haltung steht und fÀllt.

Nur selten wird bewusst,
wie sehr AgilitÀt mit der eigenen Haltung steht und fÀllt.

Dr. Martina Dopfer

Noch seltener wird in den Transformationsprogrammen ĂŒber Unsicherheiten und VerĂ€nderungsbarrieren gesprochen. All das entsteht in achtsamen Entwicklungsprogrammen automatisch. So erwĂ€chst Verbindung, Freude am gemeinsamen Lernen und eine BefĂ€higung agiler Systeme, die transparent und flexibel Neues treiben.

Wann arbeitet eine Organisation oder auch ein Team integriert und wie wird man zu einer integrierten Organisation?

Die Arbeitswelt verĂ€ndert sich: Wir mĂŒssen immer schneller komplexe Informationen verarbeiten und agil miteinander arbeiten. Kollaboration wird wichtiger. Silodenken verliert an Bedeutung. Das gilt fĂŒr Unternehmen intern, aber auch extern. Man denke nur an die Kooperationspotentiale, die durch vernetzte GeschĂ€ftsmodelle heute, z.B. im Automobilsektor, entstehen.

In einer integrierten Organisation finden sich
Teams und Arbeitsgruppen flexibel und nach Bedarf
und arbeiten entsprechend eines gemeinsamen Ziels.

Dr. Martina Dopfer

Wann arbeitet also die Organisation integriert: Wenn sich Teams und Arbeitsgruppen flexibel und nach Bedarf finden und entsprechend eines gemeinsamen Ziels arbeiten. Diese Teams orientierten sich am höheren Sinn des gesamten Unternehmens. Sie handeln aber auch entsprechend ihres persönlichen und ihres Team-Purpose. Im Team ĂŒbernimmt jeder eine Rolle auf Basis seiner FĂ€higkeiten und individuellen Ziele. Das kann mal eine FĂŒhrungs- und mal eine Expertenrolle sein, in manchen Phasen auch beides.

In der integrierten Organisationen spielt Egozentriertheit und Hierarchie weniger eine Rolle. Denn allen ist klar: Um schnell und agil zu handeln, braucht es viele, kluge Köpfe, die gut miteinander arbeiten.

Wie kommt man nun dort hin: Durch offene Kommunikation und WertschÀtzung; durch geteilte und gelebte Werte; durch sinnorientiertes Handeln und durch das Erlauben von Fehlern.

Eine kleiner Denkanstoß dazu:
Sagen Sie Ihren Kollegen Danke fĂŒr kleine Taten, die eigentlich selbstverstĂ€ndlich erscheinen.

Danke, Martina, fĂŒrs GesprĂ€ch!

Ihr Buch „Achtsamkeit und Innovation in integrierten Organisationen“ versteht Martina Dopfer als Leitfaden fĂŒr digitale Pioniere und bewusste Zukunftsgestalter. Indem sie die wissenschaftliche Forschung zu Achtsamkeit und Innovation in Verbindung zu ĂŒber 1.000 Jahre alten Methoden bringt, verbindet die Autorin zwei Welten.

Sie macht deutlich, warum achtsame FĂŒhrung von morgen mehr beinhaltet als Methoden wie Scrum, Lean Management und Kanban einzufĂŒhren.

Das Buch zeigt auf, wie FĂŒhlen und FĂŒhren in Prozessen der Transformation zusammen kommen und wie eine nachhaltige Wirkung aus dem Inneren des Unternehmens heraus entsteht.

Übungen fĂŒr mehr Achtsamkeit, die leicht in den (Arbeits-)Alltag einzubauen sind und Tests zur Selbstreflexion machen das Buch zu einem wertvollen Leitfaden fĂŒr Personalentwickler, FĂŒhrungskrĂ€fte und Unternehmer, sowie fĂŒr jeden, der persönlich und beruflich wachsen möchte. 

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