Ein Dokumentarfilm über die Arbeitswelt von morgen läuft derzeit auch in Wiener Kinos. Eine Replik.

Es war wie in einem schlechtem Film. Obwohl er doch gut war: Perfekte Bilder, tolle Einstellungen und anregend über volle 90 Minuten. Und er hatte eine klare Aussage: Der Mensch ist Mittel. Punkt.

Carmen Losmann erzählt eine Geschichte ganz unkommentiert nur mit realen Bildern aus Unternehmen, die sie gezielt ausgewählt und gekonnt geschnitten hat. Eine Geschichte über ein Arbeitsleben im heute und im morgen. Es geht um die Entgrenzung von Arbeit, wie sie selbst sagt, um die Auflösung der getrennten Bereiche Arbeit und Freizeit. Mit ihren Aufnahmen erzählt sie ausgewählte Realitäten, die sie mit großen Namen sichtbar hinterlegt: Unilever, Microsoft, Accenture, Kienbaum, um nur einige zu nennen. Es sind aber einseitig ausgewählte Realitäten, im Dienste der klaren Aussage.

Da gibt ein strukturiertes, kaltes Bewerbungsgespräch den Rahmen für den Film. Die Recruiterin reduziert sich auf eine Fragemaschine, bei der Interpretation der Anworten strauchelt sie.
Man erlebt Ausschnitte eines Kienbaum-Assessments, das mit zweifelhafter Fragtechnik zu noch zweifelhafteren Ergebnissen kommt. Gespickt mit Suggestivfragen und den zarten Versuchen situativer Fragtechnik.
Der Zuseher ist bei einem Outdoor-Training dabei, das methodisch nach Strickmustern des letzten Jahrhunderts gestrickt ist. Echt harte Schule, aber bitte mit welchem Ziel?
Und man ist bei einem Change-Meeting der Deutschen Post dabei, das von leeren Wort-Hüllen geprägt ist. Ratschlag der Beraterin zum Umgang mit Widerständen: “Falls gar nichts geht, Leidensdruck erhöhen”. Es ist auch die Beraterin, die eine Direkt-Schnittstelle in die DNA der Mitarbeiter fordert, um endlich Veränderungen voranzubringen. Man könnte fast zum Schluss kommen, dass es nur überforderte Personalisten in Unternehmen und Berater mit wirren Ideen gibt.

Ja, die gibt es tatsächlich. Aber da gibt es noch andere Realitäten in den Unternehmen von heute. Es gibt auch gute, reflektierte Personalisten und hervorragende Berater. Doch die spielen hier leider nicht mit. Schade.

 

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