Im Rahmen ihres Lehrmodul “Blog to grow” an der Donauuniversität Krems fragt Isabell Grundschober nach der Rolle von Sozialen Netzwerken und Blogging im HR.

Sie ruft dazu zur Blogparade auf, an der ich mich gerne beteilige.

Wozu HR Soziale Netzwerke und Blogs braucht…

Es gibt wahrscheinlich unzählige Gründe, warum sich HR mit sozialen Netzwerken und Blogging auseinandersetzen sollte:

Mittlerweile breit anerkannt ist der Nutzen fürs Recruiting und Employer Branding, also Reichweite erzeugen, Kontakte knüpfen und Geschichten aus dem Alltag posten. Soziale Netzwerke lassen die Organisation als attraktiven Arbeitgeber sichtbar werden und bieten damit Anknüpfungspunkte zum weiteren Gespräch.

Weitaus umstrittener ist da schon der produktive Einsatz von Blogs und sozialen Netzwerken fürs Lernen. Mit der inhaltlichen Angebotsfülle, der sozialen Dynamik von Netzzwerken und der damit verbundenen mangelnden Kontrollierbarkeit gehören soziale Netzwerke und Blogs wahrscheinlich noch lange nicht zum Standard-Repertoire der Personalentwicklung. Allerdings kommen gerade selbstgesteuerte Lernprozesse ohne solche Netzwerke und Blogs als Impulsgeber kaum aus. Für solche Lerner daher unbezahlbar: die eigenen Themen mit Online-Medien in all seinen Facetten erfassen und damit Anknüpfungspunkte für weitere Gespräche finden.

Letztlich kaum beleuchtet wird die Rolle von sozialen Netzwerken und Blogs für die eigene Profession: nämlich das eigene Denken und Tun als Personaler transparent(er) zu machen und sich untereinander zu vernetzen. Der Effekt: Als Inhouse-Personaler sichtbar und ansprechbar sein und auf andere leicht zugehen zu können.
Was Berater und HR-Dienstleister perfekt nutzen, haben Personalisten erst sehr vereinzelt für sich entdeckt. Die meisten HR-Blogs werden von Dienstleistern, meist aus Geschäftsinteressen, nur die wenigsten von HR-Praktikern fürs eigene Lernen geführt.

Gerade auf letzten Punkt möchte ich heute sehr persönlich eingehen:

Warum blogge ich eigentlich?

Ich blogge nun seit gut 6 Jahren, mehr oder weniger regelmäßig – einen richtigen Beginn kann ich eigentlich gar nicht festmachen. Zunächst waren es einige (Text-)Experimente, dann der eigene Blog. Alles ohne großes Aufsehen. So sind über die Jahre rund 150 Beiträge entstanden.

Gerade in den letzten Monaten habe ich mich intensiv mit dieser Frage auseinandergesetzt: Lohnt sich das Bloggen (noch)? Möchte ich die dafür nötige Zeit zwischen spannenden Beruf und geschätzter Familienzeit (noch) investieren?

Das Ergebnis: Ja, will ich! Denn ich blogge in erster Linie für mich selbst – mein Blog ist mein Lerninstrument.  Als HR-Profi begegnen mir ständig Themen im Alltag, die neu sind oder durch bekannte HR-Routinen nicht (mehr) und falls doch, nicht gut zu lösen sind.

Der Blick durch die Blogger-Brille ist da sehr hilfreich: diese Brille stellt Distanz zum aktuellen Problem her, lenkt den Blick auf Grundsätzliches und eröffnet damit neue Perspektiven.

Umso besser, wenn durch meinen Blog andere auf meine Ideen aufsetzen können und durch die Posts wertvolle Impulse erhalten. Und noch besser, wenn sich aus den Beiträgen inhaltliche Diskurse ergeben.

… weil Bloggen (er)klärt – meine persönlichen Sichtweise.

Glücklicherweise kann ich auf umfangreiche HR-Ausbildungen zurückgreifen. Doch nicht immer finde ich dort passende Antworten auf meine beruflichen Fragestellungen.

Immer öfter werde ich aber in meinem (sozialen) Netzwerk fündig – online, meist auf twitter oder LinkedIn, bei Kolleginnen und Kollegen, die sich mit ähnlichen Fragen beschäftigen oder auch schon eigene Erfahrungen gemacht haben.

Deren Inputs sind vielfältig, bunt und auch nicht immer homogen. Das sind die besten Ansatzpunkte für einen eigenen Blogbeitrag.

Anlässe und Themen für solche Posts gäbe es viel mehr, als ich die Zeit für die Verarbeitung in Blog-Beiträge aufbringen könnte. Leider! Denn Bloggen bedeutet für mich immer ein Nach-, manchmal ein Über-, auch mal ein Um- und immer öfter ein Vor-Denken für mich aktueller HR-Fragen.

Da werden dann Argumente abgewogen, hinterfragt, (nach-)recherchiert und als Konzept zu einem neuen Ganzen gemacht: Habe ich (endlich) meine Sichtweise dazu gefunden, muss es ja „nur noch“ geschrieben werden.

… und Bloggen kostet Zeit: meine Freizeit.

Denken kostet Zeit, ist aber zwischendurch gut möglich – beim Spazieren, im Auto, unter der Dusche oder wo sonst noch der Kopf keine Ruhe geben möchte.  Fürs Recherchieren und Nachfragen braucht da schon mehr Fokus, das funktioniert nicht mehr nebenbei.

Am aufwändigsten ist es allerdings, diese Gedanken dann in Pixel zu bringen: (aus)sortieren, strukturieren, formulieren, kürzen und publikumstauglich machen. Bild suchen, Titel finden und (endlich) veröffentlichen. Insgesamt kostet das schon – je nach Thema – ein paar Stunden.

Diese Zeit ist im Arbeitsalltag nicht zu integrieren, sondern muss abseits gefunden werden: in der sogenannten Freizeit.

Und sind die Texte dann online, kommt deren Bewerbung in sozialen Medien aus eben diesen zeitlichen Gründen manchmal zu kurz.

… weil bloggen verpflichtet – mich selbst

Es ist zwar aufwändig, die gefundene Sichtweise zu formulieren. Aber letztlich dann doch sehr einfach. Viel, viel schwieriger – und manchmal unbequemer – ist es, den Einsichten zu folgen und im Alltag ein- und umzusetzen. Man könnte es sich ja so einfach machen, doch Klarheit verpflichtet.

Das schafft neue Erfahrungen und diese bringen wiederum jede Menge Stoff für neue Betrachtungen und neue Posts – so ferne ich eben die Zeit dafür finde.

Und mit diesem Kreislauf ist mein Lernen wohl nie zu Ende. Gottseidank. Denn jede beantwortete Frage wirft wieder neue auf. Jeder Versuch und jeder Schritt nach vorne bringt neue Erkenntnisse und liefert den Ansatzpunkt für weitere Schritte.

Gut, dass ich all das mit einem breiten Netzwerk im Rücken und einer Fülle von Möglichkeiten vor Augen machen kann. Deshalb blogge ich.

Lust, es selbst auszuprobieren?

Wer jetzt Lust hat, es selbst auszuprobieren und sich zu HR Themen zu positionieren, kann sich gerne bei mir melden.

Ein Gastbeitrag hier im Personaleum ist immer willkommen!

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