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Vor genau 4 Monaten habe ich mein Ziel formuliert:

Ich möchte ein persönliches, digitales Second Brain schaffen, dessen Pflege und Erweiterung sich leicht in den Alltag integrieren lässt.

#MeinZiel22

Ein digitaler, alltagstauglicher “Wissens- und Ideen-Garten” sollte es werden, in dem meine Gedanken zu und aus gelesenen, gehörten Inhalten Platz bekommen und aus deren Verbindungen Neues weiterentwickelt wird. Und: Ich habe – gemeinsam mit meinen Reisebegleitern – mein persönliches Ziel erreicht, auch wenn es erst der erste Frühling in meinem neuen Garten ist.

Insgesamt habe ich drei Blogposts dazu geschrieben, die Feuertaufe war die Vorbereitung meiner KeyNote “Culture Hacking” für die Change Revolution Days kommende Woche in Berlin. Der Plot ist direkt in meinem Garten entstanden und ist mir in Summe sehr leicht von der Hand gegangen.

Hier beschreibe ich die meine gefundene Lösung und das aktuelle Setup, die für mich am Besten passt. Ich freue mich, wenn diese Beschreibung hilfreich, inspirierend oder ermutigend ist.

Das Tool

Aus gemachten Erfahrungen (Lotus Notes) war für mich klar, dass es eine der Open Source Angebote sein sollte, die auf einfache, lokal abgelegten Markdown-Dateien setzt. Markdown ist eine einfache Formatierungssprache für einfache Texte und somit von vielen Standard-Texteditoren les- und editierbar.

Weiters wollte ich auf eine Lösung setzen, die bidirektionale Links ermöglicht. Einfache Hyperlinks, die man aus dem Web kennt, sind unidirektional. Das bedeutet: wenn jemand in Inhalt A einen Link auf Inhalt B setzt, dann gibt es einen Link von A nach B, aber nicht von B nach A. Bei bidirektionalen Links sind diese von “beiden Seiten” (also von A und von B) als solche erkennbar. Das hilft sehr bei der Vernetzung (und damit der passenden Auffindbarkeit) von Inhalten und Gedanken. Mein bislang genutztes OneNote kann nur Hyperlinks und schied daher für diese Aufgabe schon mal aus.

So konnte ich über einige Wochen mit meinen beiden Favoriten Obsidian und Logseq parallel arbeiten. Durch die Arbeit mit Markdown-Dateien konnte ich beide Programme sogar mit der gleichen Datenbasis (i.e. kleine Markdown-Dateien) betreiben. Für meinen Garten habe ich mich dann letztlich für Logseq entscheiden.

Ich verwende Logseq auf verschiedenen Geräten, deshalb liegen meine Markdown-Dateien auf OneDrive und bleiben so immer synchron. Für jedes Thema gibt es eine Seite (= eigene Datei), die einzelnen Inhalte und Notizen sind darin als “Blöcke” (als Zettel nach der Zettelkastenmethode) gespeichert und überall in meinem Garten auch wiederverwend- und einbindbar.

Der Workflow

Einmal wöchentlich ist Gartenzeit.

In etwa 90 Minuten (meist Freitag nachmittags) schaue ich alle meine Bookmarks sowie meine RSS-Feeds der letzten Woche durch. Alles Interessante und Relevante kommt zunächst in mein Tages-Journal. So muss ich mir bei der Themensammlung nicht schon einen Kopf über Ablagestrukturen machen, sondern einfach all das in meinen Garten holen, was ich für wertvoll halte. Dabei kopiere ich die Inhalte nicht einfach, sondern fasse selbst zusammen und mache mir auch gleich meine Gedanken dazu, die ich gleich mitschreibe.

Zusätzlich nehme ich mir alle zwei Wochen zwei weitere Stunden (meist am Wochenende), um die so erfassten Themen und Ideen nochmals zu überarbeiten, zu ergänzen und in meinen Garten integrieren: ich kopiere, verlinke und – das musste ich erst lernen – lösche und streiche.

Virtuelles Ideen-Gärtnern:
ich kopiere, verlinke, lösche und streiche.

Bislang war diese Zeit eher knapp bemessen, manchmal wars auch weniger, selten bin ich wirklich fertig geworden. Tja, ein Garten macht sich schließlich nicht von selbst 😉 Dennoch glaube ich mittelfristig an die Alltagstauglichkeit: Neue Gärten brauchen eben mehr Pflege – so habe ich die realistische Hoffnung, schneller voranzukommen, je dichter mein Garten wird.

Diese Arbeit geschieht vor zwei Bildschirmen, um ausreichend Platz für mehrere Dokumente und Browser zur Recherche zu haben. Die mobilen Apps für iOS und Android von Logseq gehen mir daher (noch?) nicht wirklich ab. Für das schnelle erfassen von Gedanken oder Ideen wäre aber die mobile App dennoch hilfreich.

Die Ernte

Aus meinem Garten kommen bereits die ersten Früchte.

Blogposts entstehen bereits in meinem Garten, genauso wie Event oder Session-Vorbereitungen. Da ist noch viel Luft nach oben, v.a. da Markdown noch viel Potenzial hat, automatisiert weiterverarbeitet zu werden, z.B. zu PowerPoint. Diesen Aspekt habe ich bislang noch ausgespart. Schön wäre auch, einige Seiten für andere online verfügbar zu machen, das geht derzeit mit Logseq noch nicht, scheint aber schon auf deren Roadmap auf.

Noch zu erledigen

Mit der Arbeit mit Bildern bin ich noch nicht zufrieden. Zwar versuche ich konsequent bei Text zu bleiben, aber manche Skizzen oder Darstellung sind für manchmal Unverzichtbar. Das Einfügen von Bildern z.B. per Copy-Paste oder sogar Drag-and-Drop geht prinzipiell sehr einfach. Die Bilder werden aber im Dateisystem mit unmöglichen Dateinamen abgelegt und sind ohne Logseq dort eigentlich nicht mehr zuordenbar.

Interessant ist auch der Einsatz von Mermaid, um aus Markdown Texten Diagramme und Übersichten dazustellen.

Die Möglichkeit, direkt Abfragen über alle Notizen zu erstellen, um z.B. Leselisten oder andere Informationen als dynamische Tabelle zusammenzutragen, habe ich auch noch nicht produktiv erschlossen.

Offen ist auch noch, meine bisherigen Notizen und Inhalte aus OneNote, MilaNote und anderen Quellen zu überarbeiten und einzupflegen. Vielleicht eine Aufgabe für kalte Wintertage? Mal sehen…

Essenzen aus meiner Lernreise

Anfangs hatte ich den Fokus darauf, wie ich rasch und gut interessante Inhalte in meinen Garten bekomme. Doch darum geht es eigentlich gar nicht!

Es geht ums Gärtnern, also die intensive Beschäftigung mit den Ideen, deren Ergänzung und Verknüpfung.

Es geht ums Gärtnern, also die intensive Beschäftigung mit den Ideen, deren Ergänzung und Verknüpfung. Der Input neuer Gedanken ist wichtig, aber nicht so essentiell. Es geht darum, die Inhalte zur Blüte zu bringen und nicht jede Woche mit einer Scheibtruhe voller neuer Pflänzchen anzukommen.

Wer die Natur im Garten genießen will, sollte nicht zu verkopft an die Arbeit gehen. Natürlich kann man auf ausgeklügelte Strukturen und Inhaltspläne setzen und sich einen Barockgarten anlegen. Ich genieße es, mich komplett auf die Inhalte zu konzentrieren und mir eben keine Gedanken über die Ablagestrukturen zu machen. Durch die Verlinkungen und die Darstellung als Graph, entstehen Strukturen und Muster ganz von selbst. Für die erste optische Strukturierung helfen wir kleine Emojis, also werden z.B. Personen mit 🧑 gekennzeichnet, Bücher mit 📕 und Blogposts mit 🖐️vor dem Titel gekennzeichnet.

Grafische Darstellung (Graph) meines Digitalen Garten mit Seiten und Querverbindungen

In den letzten Wochen habe ich den Wert von strukturierten Notizen erkannt und sehr schätzen gelernt. Auf sie möchte ich nicht mehr verzichten, sie helfen mir den Überblick zu behalten und die verschiedenen Themen permanent weiterzuentwickeln. Derzeit umfasst mein Garten 1.006 Seiten in 6.547 Blocks und rund 1.200 Verknüpfungen.

Dankbar bin ich für meine Lernbegleiterinnen auf dieser Reise – es war mir eine Freude!

Linktipp: Einen weiteren Bericht über diese Lernreise findest Du bei Torben Mau, Carina Ebli, Gerald Petersen oder Axel Wolpert.

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