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Ich liebe ja Barcamps.

Sie sind eine konzentrierte Auszeit zu einem ganz bestimmtes Thema. Sie sind ein soziales Event und bieten jede Menge Austausch, Inspiration und Vernetzung. Bei jedem Camp habe ich viel gelernt und und war voll von Ideen zur Umsetzung.

In Zeiten wie diesen sind Präsenz-BarCamps nicht möglich. Im letzten Jahr war ich bei einigen Online-BarCamps dabei. Um ehrlich zu sein: so ein echter BarCamp Spirit ist online bei mir nicht entstanden.

Kleiner Spoiler: das soll sich 2021 mit den Corporate LearningDays ändern (mehr dazu dann am Ende dieses Posts)

Online BarCamp – geht das auch anders?

Zwei Tage online komplett am Rechner zu sein, ist nicht nur anstrengend. Es erfordert Disziplin.

Die Ablenkungen des Tagesgeschäfts sind einfach (zu) groß. Und so passierte es mir immer wieder, dass ich nur bei einzelnen Session dabei war. Den Austausch zwischen den Sessions und die Vernetzung mit anderen konnte ich nur bedingt erleben. Das Tagesgeschäft schummelte sich immer wieder vor.

Auch wenn dies vielleicht in meiner mangelnden Disziplin begründet liegt, so stelle ich mir die Frage: Können Online-BarCamps nicht auch anders? Ich meine ein Online-BarCamp, das leichter in das Tagesgeschäft integrierbar ist. Wo ich auch mittendrin sein kann, wenn es gerade gut bei mir passt. Und dennoch ein Online-BarCamp, das vertrauensvollen Austausch und interessante Anknüpfungspunkte mit anderen Teilgebern bietet.

Also, eine echte Alternative (sicher kein Ersatz!) zu einem BarCamp in Präsenz. Und diese Frage stellte sich auch das OrgaTeam des Wiener Corporate Learning Camps #CLC21.

Kein #CLC21Wien in Präsenz, was nun?

Mittlerweile ist ja klar, dass das #CLC20Wien #CLC21Wien heuer nicht in Präsenz stattfinden wird können. Was nun? Gehen wir online? Ja, sicher. Doch das Camp einfach 1:1 ins Web transferieren? Nein, das wollten wir nicht.

Und so beschloss das Team kurzerhand, ein das Format BarCamp konsequent digital zu denken. Digital, das heißt mit vielen asynchronen Elementen, Transparenz und virtueller Vernetzung. Aber auch BarCamp, das heißt ein gemeinsamer Spirit und viel gestaltende Energie.

Einfach gesagt: keine digitale Präsenz-Kopie, sondern die Vorteile der Online-Welt nutzen und damit das Beste aus beiden Welten nutzen. Mit diesem, (zumindest für uns im OrgaTeam der #clca) neuen Format wollen wir – gemeinsam mit der gesamten Corporate Learning Community – experimentieren.

Und hier kommt eine erste Skizze, wie ein Online-BarCamp auch laufen könnte:

Online first!

Online bietet viele Vorteile, wie Jörg Hafer in seinem Blog zusammenfasst. Aber online ist anders. Online kann auch selbstgesteuert, braucht aber einen guten (Orientierungs-)Rahmen.

Die Kernidee: Ein Online-BarCamp muss nicht notwendigerweise komplett synchron ablaufen wie seine Präsenz-Geschwister. Das heißt, es findet nicht an einem oder zwei Tagen statt, wo alle zeitgleich online sind. Ein solches Camp kann über weite Strecken asynchron laufen, auch über einen längere Zeitspanne, z.B. eine ganze Woche, wo sich die Teilgeber dann engagieren, wenn gerade (synchron) Spannendes passiert oder es (asynchron) gerade bei ihnen gut passt.

Ein solches Online-Event soll wie herkömmliche Barcamps den thematischen und organisatorischen Rahmen bieten, in dem angemeldete Teilgeber ihre eigenen Themen gemeinsam mit anderen bearbeiten können. Gleichzeitig muss ein solches Event auch den gemeinschaftlichen Spirit eines persönlichen Zusammentreffens bieten.

Zentrale BarCamp-Elemente…

Es sind nur wenige Zutaten, die den Rahmen eines Barcamp ausmachen. Ein Barcamp lebt

  • von seinen Teilgebenden, die aktiv dabei sind, sich einbringen und das Camp erst zu dem machen, was es dann geworden ist. Teilgebende sind vorab angemeldet und sind am Camp einander bekannt (oder zumindest sichtbar und ansprechbar).
  • vom Raum und seinen Möglichkeiten. Dieser ist offen für alle Teilgebenden und bietet mehrere Räume und Freiflächen. Allein dass sich alle Teilgeber an einem physischen Ort befinden macht viel möglich, auch spontan und zufällig. Gerade die Freiflächen für informellen Austausch verschaffen Barcamps den Ruf, die größten Kaffeepause der Welt zu sein.
  • von der Begrenztheit der Zeit – es hat einen definitiven Beginn und ein Ende. Auch wenn nicht alle Teilgeber die gesamte Zeit vor Ort sind, so gibt es einen definitiven Beginn und ein definitives Ende.
  • der gemeinsam erstellten Agenda. Alle können zum Sessionplan beitragen, ein Thema vorschlagen und Mitstreiter dafür finden.
  • den Sessions, die alle im Sinne einer Agenda getaktet sind. Sie werden von einem Sessiongeber gehostet und gestaltet. Und alle anderen Barcamper haben dann die Qual der Wahl – denn die Sessions finden meist parallel statt. Hilfreich ist sowohl vor Ort als auch im Nachgang, eine Dokumentation, um daran anknüpfen zu können.

… online neu gedacht.

Umgelegt in eine digitale, vorwiegend asynchrone Welt könnte ein solches Online-Event so gestaltet sein, dass

  • es einen Online-Raum (z.B. ein gemeinsames BarCamp-Portal) gibt, in dem die Teilgebenden nach Anmeldung füreinander sichtbar und ansprechbar sind. Für den Rest der Welt bleibt die Dokumentation und Social Media Nachrichten mit dem Event-Hashtag.
  • Als Freiflächen kämen synchron z.B. wonder.me, gather.town o.a. Tools oder Online-Treffpunkte in Frage. Für asynchrones Aufeinandertreffen braucht es asynchrone Kontaktmöglichkeiten unter den Teilgebenden.
  • Dieser Online-Raum wird nur begrenzte Zeit von allen bespielt, allerdings deutlich länger als zwei Tage, um asynchrone Zusammenarbeit möglich zu machen. Mit Abschluss des Camps (eventuell mit etwas Verzögerung) wird der Raum geschlossen. Die Dokumentation aus den Sessions bleibt aber weiterhin aufrufbar.
  • Die Teilgebenden bringen ihre Sessionvorschläge bereits vor dem Barcamp online ein – als kurze Beschreibung oder als kurzer Videopitch. Da es online keine Raumlimits gibt, braucht es auch kein Voting.
  • Die Dauer der Sessions können frei gewählt werden, sollten sich aber den bekannten 45-60 Minuten Slots orientieren. Sessiongeber hosten deren Sessions und stellen auch den (Online-)Raum mittels Link zur Verfügung. Die Sessions sind klassische Videomeetings und bleiben als einziges Element synchron.
  • Aus allen so angebotenen Sessions ergibt sich dann automatisch eine Agenda über den gesamten Zeitraum, die jederzeit im Portal einsehbar ist und zu den Online-Meeting-Räumen verlinkt.

Kurzer Praxis-Check: Kann das funktionieren?

Präsenz-FormatOnline-Format
Start: Kurzvorstellung aller Teilgebendenfunktioniert auch mit einem kurzen Portrait online (Text oder kurzes Video); Hashtags können im Profil hinterlegt werden
Session-Pitch: Sessions einbringen und aufs Grid votenVorschläge können schon vorab online (per Text oder kurzem Video) gestellt werden, andere können online kommentieren oder Feedback abgeben; Session Grid kann alle Sessions aufnehmen
SessionsSessions können auch online (synchron) stattfinden, Sessiongeber kann seinen Raum als Link gleich mitbringen; die Dauer ist grundsätzlich nicht begrenzt (auch wenn es empfehlenswert ist)
Session-DokumentationSessions können gleich am Portal oder via Social Media unter dem gemeinsamen Hashtag dokumentiert (Text, Bild, Videos) werden
Pausen/GesprächeDafür braucht es spezielle Online-Angebote, z.B. Blind Dates oder kurze, vereinbarte Online-Treffen

Eine Herausforderung in diesem Format ist sicher, ein Community-Gefühl zu erreichen, wie ich das von Barcamps kenne. Es braucht dazu ein konkretes Rahmenangebot, das (auch zufälliges) Kennenlernen möglich macht und die Vernetzung und das Ins-Gespräch-Kommen in der Barcamp-Zeit bestmöglich unterstützt.

Neu Gemacht! Lasst es uns einfach versuchen!

Wir im OrgaTeam der #clca, wollen nicht nur darüber nachdenken. Wir werden dies auch für und mit der Community so umsetzen. Wir nennen das Format Learningdays.

Corporate LearningDays 21 #CLD21

Vieles ist noch in Diskussion und wird gerade mit der CorporateLearningCommunity Österreich #clca vorbereitet. Doch eines ist schon mal fix: die LearningDays werden von 9. bis 16. April 2021 online stattfinden.

Unser Motto für dieses Event:

Lernen – neu gedacht, neu gemacht.

Passend zum Experiment mit diesem neu geschaffenen Format wollen wir in diesen Tagen gemeinsam erkunden, was online so alles möglich ist. Wir wollen das nutzen, was online gut leisten kann und uns vielleicht offline vielleicht gar nicht so gut gelingt.

Mit den LearningDays schaffen wir einen Rahmen, in dem sich alle Teilgebenden austauschen und voneinander lernen können. Das passt ja hervorragend zum Jahresmotto 2021 der internationalen CorporateLearningCommunity: “Wissen teilen”.

Die LearningDays werden 100% online ablaufen und sollten sich gut in den eigenen Arbeitsalltag integrieren lassen. Die Online-Tage folgen einer gemeinsamen Struktur als Orientierungsrahmen und werden ein kuratiertes Tages-Thema in den Mittelpunkt stellen.

Die Anmeldung zu den LearningDays startet Mitte Februar 2021. Alle angemeldeten Teilgeber erhalten dann spätestens im März Zugang zum Portal. Dort können sie ihr persönliches Profil einrichten, sich mit anderen vernetzen und auch schon ihre Sessionvorschläge (und -termine) einbringen. Damit haben wir zum Online-Kick-Off am Freitag, 9. April 2021, schon ein Sessiongrid und einen konkreten Zeitplan für unsere Online-BarCamp-Woche.

Noch Ideen?

Wie klingt das für Euch? Was sollten wir jedenfalls noch (mit)bedenken oder dürfen wir keinesfalls übersehen? Habt Ihr noch weitere Ideen oder Hinweise?

Also, liebe Corporate Learning Expertinnen, gestaltet die Premiere dieses Online-Formats gerne mit und blockt Euch schon mal Eure Termin-Slots für diese “andere” Barcamp-Woche. Weitere Details folgen demnächst.

Das OrgaTeam der #clca freut sich auf Euch.

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