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Unter dem Motto “It´s all About People” veranstaltet die Akademie der Deutschen Medien am 17. März 2020 in München einen Praxistag HR und Personal, bei dem es um Leadership, digitale Skillsets und Recruiting gehen wird.

Das Programm dieses Tages ist eine bunte Mischung zwischen Visionärem, Fallbeispielen und umsetzbaren Hands On Impulsen. Und wer möchte, kann die vielfältige Agenda um einen Seminartag “Talent Management als Treiber der digitalen Transformation” noch erweitern.

Bereits im Vorfeld des Praxistags konnte ich mit Prof. Nico Rose über Selbststeuerung und Führung der Zukunft sprechen. Er wird dort eine Strategie-Keynote über den Zusammenhang von Führungsqualität, Recruiting und Retention halten.

Prof. Dr. Nico Rose (Bild: René Golz, Hamm)

Lieber Herr Professor Rose, stellen Sie sich bitte kurz vor.

Ich lebe in Hamm/Westfalen, in der Nähe von Dortmund – zusammen mit meiner Frau, zwei Kindern und zwei Katzen. Wenn ich nicht arbeite, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, mich irgendwo auf einem Heavy Metal-Konzert zu treffen.

Seit 2019 bin ich Professor für Wirtschaftspsychologie an der International School of Management (ISM) in Dortmund. Von 2010 bis 2018 habe ich im Vorstandsstab Personal der Bertelsmann-Gruppe gearbeitet, zuletzt als Vice President Employer Branding & Talent Acquisition.

Ich schreibe recht viel, bin mittlerweile bei drei Büchern, mehr als 80 Fachartikeln oder Buchkapiteln und unzähligen Online-Beiträgen angelangt.

In Ihrer Keynote wird´s um “Positive Leadership” gehen. Was verstehen Sie darunter und was macht sie zur “besseren Führung”?

Ich selbst benutze den Begriff eigentlich gar nicht so gerne, weil er nach meiner Erfahrung zu viele Missverständnisse weckt.

Kim Cameron, ein Professor an der University of Michigan, der den Begriff geprägt hat, spricht in diesem Zusammenhang davon, dass Führungskräfte mehr auf positive Devianz, also auf das achten sollten, was bereits „abnorm gut“ an und in einer Organisation ist.

Normalerweise passiert regelmäßig das Gegenteil. Alles, was nicht funktioniert, was fehlerhaft ist, was unterhalb bestimmter Normwerte liegt, zieht besondere Aufmerksamkeit auf sich.

Zeit und Aufmerksamkeit sind jedoch begrenzt. Wenn man als Führungskraft unachtsam agiert, hat man auf einmal den ganzen Tag Brände gelöscht. Das ist bisweilen notwendig, aber strenggenommen auch eine Perspektive, die sich auf die Vergangenheit und das Bekämpfen von Symptomen richtet.

Positive Führung fokussiert stärker auf die Zukunft – und auf die bewusste Mehrung dessen, was bereits vorzüglich und zukunftsträchtig ist an der Organisation.

In Zeiten von Agilität, Selbststeuerung und Co. – brauchen wir überhaupt noch Führung oder werden wir uns nicht ohnehin alle selbst führen?

Ich denke, hier sollten wir zunächst zwischen der Relevanz von Selbststeuerung & Co. in den (sozialen) Medien und im richtigen Leben unterscheiden.

Das Thema wird gerade sehr gehyped von einer schier unendlichen Zahl an Beratern. Gleichzeitig spielt es im Leben von geschätzten 98% aller Arbeitnehmer überhaupt noch keine Rolle. Ich beobachte das Treiben seit rund acht Jahren mit großem Interesse, aber auch kritischer Distanz.

Eins ist klar: Selbststeuerung & Co. funktionieren vor allem dann, wenn Menschen bereit sind, sich einem strengen Regelwerk zu unterwerfen.

Prof. Dr. Nico Rose

Die unterliegenden Motive, also Menschen wieder zu mehr Autonomie, Teilhabe und Sinnerleben zu verhelfen: Da bin ich voll dabei.

Gleichzeitig beobachte in der Szene eine gewisse Methodengläubigkeit. Eins ist klar: Selbststeuerung & Co. funktionieren vor allem dann, wenn Menschen bereit sind, sich einem strengen Regelwerk zu unterwerfen. Man gibt sozusagen eigene Autonomie an „das System“ ab.

Ob das langfristig so viel attraktiver ist, als sich anderen Menschen unterzuordnen, wird sich erst noch zeigen müssen.

Was empfehlen Sie Führungskräften, die in Zeiten von Command & Control sozialisiert wurden und deshalb weiter auf Effizienz und Defizitbeseitigung setzen?

Ich bin ein großer Fan einer Haltung, die „Job Crafting“ genannt wird. Man könnte sagen: Das ist Selbstorganisation light.

Mitarbeiter arbeiten in diesem Rahmen kontinuierlich daran, aus dem Jobprofil, welches sie aktuell haben, jenes zu machen, dass sie eigentlich haben wollen – vorrangig, indem Aufgaben angepasst, neu hinzugenommen oder auch weggelassen werden. Intuitiv entwickeln sich Arbeitnehmer derart in Richtung von mehr Arbeitsfreude, Sinnerleben und Stärkenorientierung.

Wichtig: Menschen machen das in der Regel sowieso: Sie erledigen Dinge auf dem kleinen Dienstweg, bauen Workarounds, verlegen Themen von der Vorder- auf die Hinterbühne usw.

Im Rahmen von Job Crafting ermutigen Vorgesetzte ihre Mitarbeiter ganz bewusst zu solchen Anpassungen. Derart geben sie ihnen einerseits mehr Autonomie, können die Veränderungen andererseits jedoch besser beobachten und konsolidieren.

Wie kommen nun Unternehmen zu einer Unternehmenskultur, die ein solches Job Crafting und damit auch mehr Arbeitsfreude und Exzellenzstreben aller ermöglicht?

Darauf eine kurze und passende Antwort zu geben, ist schwierig, weil unterschiedliche Organisationen naturgemäß unterschiedliche Baustellen haben.

Ganz grundsätzlich denke ich aber, dass vielerorts einfach noch sehr falsche Vorstellungen davon herrschen, was Menschen wirklich motiviert. Leistungsbezogene Boni – das ist die Forschungslage eindeutig – bringen z.B. nichts, insbesondere nicht im Bereich höherer Management-Aufgaben. Trotzdem sind sie fast allgegenwärtig.

Leistungsbezogene Boni – das ist die Forschungslage eindeutig – bringen nichts.

Prof. Dr. Nico Rose

Allgemein gesprochen finden sich im Management auch heute noch viele Denkweisen und Techniken, die einmal zur Steuerung von Maschinen entwickelt wurden – und die dann mit der Zeit unreflektiert auf die Steuerung von Menschen übertragen wurden.

Das wirkt sich dann oft auch auf die Führungskräfteentwicklung aus. Es werden mit schöner Regelmäßigkeit jene Menschen befördert, die die besten administrativen Fähigkeiten haben, nicht zwingend jene, denen andere Menschen am liebsten folgen würden.

Danke für das Gespräch, Herr Rose!

Und wer Nico Rose gerne live erleben möchte, hat am Praxistag HR und Personal, eine gute Gelegenheit. Tickets gibt es bis 6.2.2020 im Lazy Bird-Tarif noch vergünstigt.

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