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Es sind sehr viele Knöpfe und Schalter im Simulator, der das Cockpit eines Airbus 320 realitätsnah abbildet. Davor zwei Plätze für Pilot und Co-Pilot mit drei Riesenbildschirmen. Es ist Sommer. Wir sind in Wien 23. und gleichzeitig auf der Startbahn in Wien Schwechat, bereit zum Abfliegen.

Flugkapitän Hans Härting erklärt uns Teilnehmern in erstaunlich kurzer Zeit alles, was wir wissen müssen, um den imaginären Vogel in die Lüfte zu bringen. Doch in Wahrheit dreht sich heute alles um wirksame Führung.

Der erfahrene Flugprofi ist Sicherheitsberater, Unternehmer und Trainer und weiß, wie die Fliegerei trotz des menschliches Faktors sicher bleibt. Das kann auch direkt auf die Führung in Organisationen umgelegt werden. Genau deshalb betreibt er seinen Flugsimulator, um Führungskräfte u.a. zu Kommunikation und Entscheidungsfindung zu trainieren.

Das Airbus-Cockpit als Trainingsinstrument

Wir Teilnehmer dürfen auch schon starten und sind auf eine Flugschleife über unsere Wohnorte eingeladen.

Ich vertraue voll meiner (schon ein wenig flugerfahrenen) Pilotin und konzentriere mich – gemäß der eben gelernten Start-Routine – auf die Instrumente. Der Airbus stiegt steil in die Lüfte. Auch ohne aktiviertem Autopilot ist der Computer allgegenwärtig und bewahrt vor Fehlentscheidungen.

Der Tower versorgt uns mit wichtigen Informationen und Anweisungen. Auf einmal greifen wir beide zur Steuerung – unabgestimmt und gleichzeitig.

Verbindliche Routinen und klare Zuständigkeiten

Unser erster Fehler: Im Flugzeug gibt es klare Aufgabentrennung, der Pilot ist in charge. Außer er – oder in meinem Fall sie – übergibt die Führung des Fliegers an den Co-Piloten:

You´re in control„.

Ich antworte „I´m in control“ – eine wichtige Kommunikationsschleife, um unnötigen Missverständnisse vorzubeugen. Jeder Handgriff und jedes Manöver wird gegenseitig gecheckt. Zur Sicherheit.

Wir landen sicher wieder in Wien Schwechat. Schon wartet die nächste Aufgabe auf uns: Linienflug von Wien nach Zürich. Der Flieger hebt wieder sanft ab.

FORDEC hilft bei Entscheidungen

Diesmal dürfen (oder müssen) wir uns mit verhaltensauffälligen Passagieren und sonderbaren Warnmeldungen am Cockpit beschäftigen. Laufend sind Entscheidungen zu treffen. Durch einen Fehler bei der Flugsicherung donnern wir fast in den Schneeberg.

Dann müssen wir sogar Zwischenlanden, wegen Rauchs auf der Toilette: Graz, Linz oder Salzburg, wir haben die Wahl.

Es gilt rasch eine Entscheidungen zu treffen und diese auch weiter zu kommunizieren, an den Tower, an die Crew und auch an die Passagiere. In jeder Sekunde ist mittlerweile klar, wer in welcher Situation das Sagen hast. Das bedeutet nicht, dass wir nicht alle Sichtweisen einholen und alle Optionen diskutieren, die Letzt-Entscheidung trifft immer meine Chefin.

Ein Routine-Prozess namens FORDEC macht Entscheidungen auch unter Druck und Stress (relativ) einfach und nachvollziehbar.

  • Facts: Was wissen wir konkret, was sind die Fakten und was müssen wir noch in Erfahrung bringen?
  • Options: Welche Möglichkeiten bieten uns, welche Handlungsalternativen wären jetzt grundsätzlich denkbar?
  • Risks & Benefits: Welche Risken gehen wir bei den Alternativen ein, welche Chancen bieten uns?
  • Decision: Wer trifft die Entscheidung und wie lautet sie konkret?
  • Execution: Wer setzt diese um?
  • Check: Wird und wurde die Entscheidung korrekt und konsequent umgesetzt?

Was anfänglich sehr umständlich und „over-organized“ wirkt, hilft gerade in stressigen Situationen umso mehr. Wir lernen in nur einer knappen Flugstunde, wie (überlebens-)wichtig klare Kommunikation, klare Aufgabenteilung und klare Entscheidungsprozesse sind.

Und wir erleben hautnah, wie wir ohne diese Grundlagen Offensichtliches übersehen oder ausblenden.

Mein Learning: Organisationen verzeihen sehr viel – gottseidank

Es ist so wie im echten (Berufs-)Leben: unklare Zuständigkeiten, Missverständnisse durch unklare Kommunikation und aufwändige Abstimmungen bei Entscheidungen. Ganz zu schweigen von der inkonsequenten Umsetzung einmal getroffener Entscheidungen. Im Cockpit kann das zu vermeidbaren Notsituationen oder im Extremfall zum Absturz führen. Durch einfache Verhaltens- und Kommunikationsprinzipien können viele dieser Fallen vermieden werden.

Auch wenn die Fliegerei nicht immer 1:1 auf die Businesswelt übertragen werden kann, so habe ich an diesem Kurztraining wertvolle Impulse für meinen Führungsalltag erhalten. Manchmal habe ich mich in meiner Alltagsrealität wiedergefunden im Cockpit des A320, wo Klarheit und Konsequenz so wichtig waren.

Nur weil man an den Schalthebeln sitzt, bedeutet das noch lange nicht, dass man immer alles unter Kontrolle hat. Danke, Hans, für die Lehre!

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