Expedition Führung: Was Führungskräfte-Entwicklung mit Stadtbesichtungen zu tun hat

Führungskräfte-Seminare gibt es viele, manche auch von Instituten mit wohlklingenden Namen. Doch kann man Führung wirklich in kurzen Modulen in schönen Seminarhotels lernen?

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Führungskräfte-Seminare gibt es viele, manche auch von Instituten mit wohlklingenden Namen. Doch kann man Führung wirklich in kurzen Modulen in schönen Seminarhotels lernen?

Über den Versuch, Führungskräfte-Entwicklung mal anders anzugehen.

Wirkungsvolle und nachhaltige Führungskräfte-Entwicklung ist ein mühevolles Unterfangen. Zumindest wenn sie auf den Reißbrettern von Trainern oder Personalentwicklern entsteht. Da helfen auch die besten Bildungscontrolling-Tools oder regelmäßigen Transfersicherungsmaßnahmen wenig, wenn die Inhalte nur allgemeinen Bezug zum erlebten Führungsalltag haben.

Dennoch bleiben viele Führungskräfte beim Alt-Bekannten: 71% der Führungskräfte planen heuer eine Weiterbildungsmaßnahme, fand unlängst das Hernstein-Institut heraus. 63% der wollen dies in einem klassischen Seminar tun. Die Top-Themen auf der Wunschliste österreichischer Führungskräfte: Kommunikation (29%), Organisationsentwicklung/Change (25%) sowie Leadership und Management (23%).

Ein breites Feld, das viel Gestaltungsspielraum zulässt. Und ein guter Markt mit der Hoffnung auf die eigene Entwicklung. Das wissen auch Seminarveranstalter. Da wird versprochen, was das Zeug hält:

Sie optimieren Ihr Auftreten, Ihr zwischenmenschliches Geschick, Ihre Kommunikation. Sie entdecken neue Stärken. Mit mehr Selbstvertrauen und konstruktiver Konfliktfähigkeit übernehmen Sie die Regie. So sind Sie für künftige Herausforderungen bestens gewappnet.

Und das in nur 2 mal 1,5 Tagen!

Lassen Sie sich begeistern von den Möglichkeiten, die umsichtige Kommunikation, Fantasie und Überzeugungskraft Ihnen bieten können. Sie erhalten fundierte Erkenntnisse und faszinierende Impulse für eine erfolgreiche Kommunikation.

Das soll sogar in nur einem Tag erledigt sein! Was davon im Führungsalltag wohl übrigbleibt?

Folgen Sie dem roten Regenschirm!

Solche Seminare haben dennoch ihren Reiz: sie sind rasch gebucht und bereits fertig konfektioniert. Unter knackigen Titeln führen sie in Windeseile durch die Highlights der Kommunikations- und Führungstheorien. Gespickt mit amüsanten Übungen oder ein paar Gruppenarbeiten – und schon ist so ein Seminartag schnell vergangen. Führungskräfte-Entwicklung aus der Dose.

Das erinnert mich an viele touristische Angebote, wie z.B. „Wien an zwei Tag erleben“. Die bekanntesten Highlights werden kompakt präsentiert, Transfer inklusive: Stephansplatz, Schönbrunn, Prater. Nur keine Zeit verlieren, bitte folgen Sie dem roten Regenschirm!
Damit haben Sie Bekanntes in kurzer Zeit gesehen, doch kennengelernt haben Sie die Stadt wohl kaum. Die sogenannten Sehenswürdigkeiten wurden an den staunenden Teilnehmern vorübergezogen, fast wie eine bewegte, aber leblose Kulisse. Interessante Plätze abseits der Trampelpfade lassen sich auf diese Art nur schwer entdecken.
Das Flair, die Luft der Stadt oder DIE Begegnung mit einem grantigen Ober in einem Alt-Wiener Café bleibt da genauso verborgen wie die zufällige entdeckten Plätze, weil Sie die falsche Straßenbahn erwischt haben. Reiseforen sind voll von solchen Diskussionen, ein Beitrag bringen es dann so auf den Punkt:

Kauf Dir um 4,95 einen Reiseführer und such Dir das raus, was DU sehen willst. Keiner hier kennt Dich und Deine Vorlieben. Nimm Dir Zeit und bleib flexibel.

Wer Neues entdecken möchte, muss ausgetretene Pfade verlassen

Was für den nächsten Städteurlaub gilt, ist auch für die Führungskräfte-Entwicklung ein interessanter Gedanke. Keine bereits ohnehin bekannten und (von anderen) ausgewählten Programmhighlights mehr, die den Führungskräften mundgerecht und im Schnelldurchlauf serviert werden. Wozu denn auch. Schließlich sind Führungskräfte auch im Alltag gefordert, sich auf unbekannten, unsicheren Terrain zu bewegen.

Wenn wir Personalentwickler weiterhin unsere Führungskräfte auf komfortable „Pauschalreisen“ schicken und nur dem „roten Regenschirm“ folgen lassen, können wir nicht erwarten, dass sie sich in schwierigen oder unbekannten Situationen sicher bewegen?

Also drehen wir es doch um: Nicht die Themen finden Teilnehmer, sondern die Teilnehmer finden Themen. Ein interessanter Gedanke, der uns einen Versuch wert war. Wir wagten das Experiment und nannten es: Die Expedition Führung. Aber dazu hier mehr.

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