Persönliche Erfahrungen mit dem Reiss Motivation Profile (RMP). Ein Beitrag zur Serie „Persönlichkeitsprofile im Selbstversuch„.


Mit dem Reiss Motivation Profile (RMP) gilt es weniger persönliche Eigenschaften zu erkunden, sondern viel mehr um die persönlichen Motiv-Strukturen, die Grundlage für Antrieb und Verhalten sind.

Das wissenschaftliche Fundament des Reiss Motivation Profile bildet die Motivforschung des Psychologen Steven Reiss.
Er entdeckte insgesamt 16 psychologische Bedürfnisse, die jeder Mensch – kulturunabhängig – in sich trägt und denen er individuelle Bedeutung zumisst.

Wer also im Einklang mit seinen Motiven lebt, kann sein Leben nicht nur erfüllender und sinnvoller erleben, sondern auch viele Probleme im Laufe des Lebens umgehen, die durch das Negieren dieser Motive entstehen.

Kurzum (wie es die Website formuliert):

Machen Sie mit dem Reiss Motivation Profile® Ihren individuellen Erfolg schneller und nachhaltiger möglich

Na, das versuche ich doch gleich mal…

Reiss Motivation Profile (RMP) – So ist es mir ergangen …

Das Verfahren wird per Online-Fragebogen als Selbsteinschätzung durchgeführt. Ich erhalte einen Link, der mir allgemeine Informationen zum RMP offenbart und mich danach zu konkreten Aussagen leitet, die ich auf einer 7-stufigen Skala zu bewerten habe (von -3 über 0 bis +3). Eine gute halbe Stunde bin ich mit der Einschätzung beschäftigt.

Im persönlichen Feedbackgespräch durch einen zertifizierten Coach, das beinahe zwei Stunden dauert, erfahre ich dann mehr über mich und meine persönlichen Motive.

Zusätzlich bekomme ich einen passwortgeschützten Link, um auf dem RMP-Portal meinen persönlichen Ergebnisbericht in verschiedenen Darstellungen anzusehen.

Was das Reiss Motivation Profile über mich sagt…

Bei den 16 Lebensmotiven bleiben die meisten meiner Motive im „Normalbereich“, allein das Motiv „Körperliche Aktivität“ erreicht eine maximale Mindestausprägung. Für mich ist das nicht wirklich eine Überraschung 😉

Stark ausgeprägte Motive meines Profils sind „Ruhe“, „Rache“ und „Anerkennung“, gefolgt von „Familie“, „Sparen“, „Neugier“ und „Ordnung“. Dagegen sind vor allem drei Motive nur unterdurchschnittlich ausgeprägt: die schon angesprochene „Körperliche Aktivität“, „Beziehungen“ und „Schönheit“.

Nicht alle Ergebnisse und Ausprägungen erschließen sich mir auf den ersten Blick, v.a. können die Begrifflichkeiten alleine schnell zu Fehlschlüssel verleiten. Im persönlichen Feedback-Gespräch wird darauf sehr genau eingegangen und – v.a. in Kombination anderer Motive – sehr klar herausgearbeitet, wie diese Motive im Alltag zu verstehen sind.

In der Praxis bedeutet dies, dass ich wohl kein besonders sportlicher Mensch bin und immer wieder ruhigere Phasen schätze, auch gern mal alleine für mich bin. Es bedeutet aber auch, das ich eine höhere Sensitivität gegenüber Gefahren und Risiken habe und vielleicht vorsichtiger agiere als andere.

Aktive, lebendige Beziehungen zu vielen anderen Menschen sind mir nicht so wichtig – im Gegensatz zum Umstand, dass es meinem direkten Umfeld, also meiner Familie oder meinem Team (ausgeprägtes „Familien-Motiv“, geringes „Unabhängigkeitsmotiv“) gut gehen soll. Das hohe Rache-Motiv (eine echte Überraschung für mich!) gibt mir die nötige Energie dazu, diese Motive gut auszuleben. Rachsüchtig bin ich (in der Regel) nämlich tatsächlich nicht.

Die Motive „Sparen“, „Schönheit“ aber auch „Status“ lassen mich bescheiden nach pragmatischen, sachlich funktionalen und eher schlichten Dingen Ausschau halten. Ansprechend schöne, prestigeträchtige Statussymbole sind nicht so mein Ding – da steht die Funktion schon im Vordergrund.

Vor mehr als 15 Jahren konnte ich die RMP-Einschätzung schon einmal machen. Sehr viele Motive (z.B. „Körperliche Aktivität“, Ruhe“, „Familie“, „Rache“) blieben unverändert, andere haben sich – teils sogar massiv – verschoben („Macht“, „Anerkennung“, „Status“, „Ordnung“). Insgesamt erkenne ich aber mein Profil selbst nach dieser Zeit einigermaßen wieder.

Was sagen meine Kollegen zu meinem Reiss Motivation Profile (RMP)?

Dass mein Drang nach körperlicher Aktivität nicht so hoch ausgeprägt ist, überrascht niemanden meiner Kolleginnen – dass dieses Motiv aber so gering ausgeprägt ist, schon. Ebenfalls kaum wer hätte gedacht, dass mein Beziehungsmotiv derart niedrig ausfällt. Mein gut ausgeprägtes Motiv „Ruhe“ kommt im Alltag kaum zu tragen, und überrascht die meisten ebenso.

Mit den Erläuterungen aus dem Feedback-Gespräch, wird das Profil dann auch für meinen Kolleginnen nachvollziehbarer. Ohne Erläuterungen bekommen die Motive wenig Bedeutung und sind anderen gegenüber gar nicht so einfach darzulegen.

Vor allem die Zusammenhänge zwischen den Motiven und die sich dadurch ergebenden Schattierungen sind für die Interpretation wesentlich. Damit ist das Profil ohne weitere Hintergrundinformationen für andere nicht lesbar und neigt dann zu gefährlichen Missinterpretationen.

Wo kann das Reiss Motivation Profile (RMP) eingesetzt werden?

Das Verfahren ist mit etwas Zeitinvest gut und leicht durchzuführen. Es ist in vielen internationalen Studien wissenschaftlich gut belegt und weist sehr gute Reliabilitäts- (> 0.8) und Validitätswerte auf.

Für einen Einsatz im Recruiting geht das Instrument fast schon zu tief und ist vom Zeitaufwand (in Summe fast 3 Stunden) schwer zu rechtfertigen. Darüberhinaus geht es im Reiss Motivation Profile (RMP) um persönliche Motive, die sich im Alltag in ganz unterschiedlichen Verhaltensweisen ausdrücken können. Damit ist das Profil (selbst mit Hintergrundinformationen) für eine Recruiting-Entscheidung nur bedingt hilfreich.

Hervorragend geeignet ist das Instrument allerdings für die persönliche Standortbestimmung, für die eigene Karriere-Entwicklung oder in Coaching-Situationen. Dort liefert das Reiss Motivation Profile (RMP) wertvolle Zusatzaspekte oder hilfreiche Erklärungsmuster.

 

Weitere Post dieser Serie:

Die Durchführung und Auswertung des Reiss Motivation Profile (RMP) wurde dankenswerterweise von RMP Austria kostenlos zur Verfügung gestellt.

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