Ein spannendes Recruiting-Jahr geht zu Ende. Es ist wohl Zeit, die (fast) Recruiting-freie Zeit gut zu nutzen. Im Rückblick auf viele spannende und fordernde Gespräche mit Bewerbern und Führungskräften, bin ich mir fast sicher, dass irgendwo auf dieser Welt noch rasch eine „Personalanforderung“ offen liegt für eine Funktion, die ehestmöglich besetzt werden soll. Und ich könnte mir gut vorstellen, dass irgendwo in einem Büro noch eine Führungskraft sitzt und folgenden Brief verfasst…

 

Liebes Christkind,

ich weiß schon, ich bin wieder etwas spät dran und der Recruiter ist nun auch schon im Weihnachtsurlaub. Aber Du weißt ja, die Arbeit – bis zur letzten Minute wird hier auf Hochtouren gearbeitet. Jetzt erst komme ich dazu, Dir meinen Wunschzettel zu schreiben.

Ich habe heuer auch nur einen Wunsch: Bitte bringe mir einen neuen Mitarbeiter. Ja, ich weiß: Haustiere und Mitarbeiter soll man nicht unter den Christbaum legen. Aber das neue Budget wurde schon freigegeben und ich brauche dringend Verstärkung. Ich bin auch nicht böse, wenn es sich bis Heiligabend nicht ausgeht, es reicht, wenn ich ab Anfang Jänner tatkräftige Unterstützung habe.

ohnehin gleich. Nur soviel: ein g´standener Profi in seinem Fach soll er sein, idealerweise mit vielen Jahren an Branchenerfahrung. Einer, der weiß, wie der Hase läuft und sich nicht ewig mit aufwändigen Einschulungen aufhält. Kommunikativ und teamfähig soll er sein, empathisch sein und mit anderen zusammenarbeiten. Genauso zielstrebig und durchsetzungsstark sollte er sein, also seine persönlichen Ziele unter allen Umständen erreichen und sich von anderen nicht unterkriegen lassen. Er sollte jedenfalls mitdenken beim Arbeiten, aber bitte nicht zu neugierig sein (das lenkt ab!).

Also zusammengefasst:  einfach GUT muss er sein. Möglicherweise habe ich die Anforderungen zu detailliert beschrieben. Aber bei unserem Geschäftsaufkommen können wir da leider auf nichts verzichten. Ich verlange da auch nicht mehr als andere Führungskräfte, wie ich dem gerade veröffentlichten Career Monitor („Künftig geforderte Fähigkeiten“) entnehme. Mit diesen Skills sollte da wirklich nichts schiefgehen.

Ach ja, weil ich immer von ER spreche; nein, es könnte natürlich auch eine Frau sein. Allerdings bitte nur, falls die Familienplanung nicht allzu stark präsent ist. Denn ich möchte zu Ostern nicht schon wieder suchen. Und jetzt wo ich drüber nachdenke, wär ja eine Frau in diesem Fall vielleicht sogar gut: Das käme dann auch meinem Budget entgegen, weil Frauen ja weniger verdienen, wie ich immer lese.  Gehaltlich ist natürlich (nach Einschulung und Bewährung) jede Entwicklung möglich, immer vorbehaltlich der Budgetfreigaben.

Ich habe auch keine Idee, wo man solche Menschen findet. Aber da verlasse ich mich ganz auf Dich. Und weil ich heuer ja nur einen (wenn auch großen) Wunsch habe, hätte ich auch noch einen ganz kleinen: es würde mich sehr freuen, wenn Du mir nicht nur EINEN Kandidaten schicken könntest. Vielleicht kannst Du mir drei oder vier Kandidaten vorstellen, aus denen ich dann wählen kann. Du weißt ja, die Chemie muss ja auch stimmen. Hoffentlich sind dann nicht alle Kandidaten so gut, dass ich mich dann kaum noch entscheiden kann. Aber wie gesagt, da verlasse ich mich voll auf Dich.

Diesen Brief lege ich auf mein Fensterbrett und hoffe, dass Du ihn noch abholen und erfüllen kannst. Falls nicht ist es auch nicht weiter schlimm: dann gebe ich den Brief nach den Feiertagen einfach meinem Recruiter! Der wird das dann schon machen.

Frohe Weihnachten, Dein Abteilungsleiter

 

Foto: flickr.com, kylested
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