Das „Jahr der Verpackungen“ geht zu Ende, ist aber noch lange nicht vorbei. Ein Jahresrückblick.

Das Jahr 2016 hat ja gut begonnen.

Jede Menge Trends wurden proklamiert. Trends, die auch für das kommende Jahr und wahrscheinlich auch für das darauffolgende Jahr bestens passen könnten. Es sind zu viele, um hier alle zu nennen.

Doch egal wieviele auch genannt wurden, einer der folgenden Begriffe steckte fast immer drin: Big, New, Active, Agile, Digital, Talent, Performance, Analytics.

2016 – Das Jahr der Verpackungen

Also habe ich im Jänner kurzerhand das Jahr der Verpackungen ausgerufen. Diese vielen schönen klingenden Begriffe: Must Haves für moderndes HR! Oder nicht mehr als neue Verpackungen?

Ich fürchte ja, letzteres. Schaut da jemand in diese schillernden Packerl auch rein? Offensichtlich nicht, denn neue Inhalte gibt es darin nur selten zu entdecken.

Mit meiner eigenen Begriffskreation für 2016 Predictive Content Impact (PCI) [ich habe auch keine Ahnung, was sich dahinter verbergen soll], lag ich dann doch knapp daneben:

Predictive Content Analytics hat 2016 deutlich an Fahrt aufgenommen. Der Begriff entstand im Online Marketing und verspricht mehr PageViews mit deutlich weniger Inhalt, oder z.B. auch Predictive Analytics: Why They Make Your Content More Impactful. (Merken Sie sich das kurz, ich komme gleich nochmals darauf zurück)

Naja, mit meinem Trendbegriff lag ich wohl knapp daneben. Und knapp daneben ist auch vorbei. Aber so nahm das Jahr der Verpackungen dann seinen Lauf.

Und da liefen mir auch gleich die Cargo-Kulte über den Weg gelaufen, an die uns Gunter Dueck in seiner Keynote auf der re:publica erinnert hat.

Verpackungsalarm: Unternehmenskultur!

Mit dem Nachbericht vom CorporateCultureCamp entdeckte ich gleich eine weitere Verpackung, wo ich sie selbst nicht vermutet hätte: Eine Verpackung, deren Inhalt alles andere als klar zu sein scheint: Unternehmenskultur – was ist das eigentlich?

Die Frage nahm ich gerne auf und beschäftigte ich mich im PERSONALEUM etwas näher damit. Zunächst fasste ich Christina Grubendorfers neuestes Buch „Einführung in systemische Konzepte der Unternehmenskultur“ zusammen. Klingt sperrig, ist es aber keineswegs – aber lesen Sie selbst: „Wie Kultur entscheidet, sich aber selbst nicht entscheiden lässt.“

Und anschließend stellte ich der Autorin Christina Grubendorfer in einem Interview gleich die Frage: „Sagen Sie mal, was soll denn das überhaupt sein, diese Kultur?“ Antworten zu dieser und noch weiteren Frage können im Interview mit der Autorin gerne nachgelesen werden.

(Digitale) Verpackungen im Recruiting

Aber auch das Recruiting mit seinen vielen Start-Ups bleibt vom Verpackungs-Boom wohl nicht verschont.

Deshalb habe ich über die Goldgräberstimmung im Recruiting geschrieben und wie wichtig eine ruhige Hand im wilden Westen des Recruitings ist (gemeint war eine tragfähige Recruiting-Strategie).

Und wer demnächst gemeinsam mit Recruiting-KollegInnen hinter die vielen glänzenden Verpackungen sehen möchte, ist herzlich eingeladen, sich unserer Expedition Recruiting anzuschließen. Nähere Infos finden sich hier. Neuer Start-Termin ist März 2017.

Weil es gerade dazu passt: Wieviel des vielbeschriebenen Wandels im Recruiting ist eigentlich tatsächlich schon in den Unternehmens angekommen? Das fragen wir uns in der aktuell laufenden Studie Wandel im Recruiting„. RecruiterInnen können gerne noch bis Mitte Jänner 2017 mitmachen und ihre Sicht in diesem Online-Fragebogen beitragen.

Zurück zum ablaufenden Jahr der Verpackungen.

Trend-Verpackung: Cultural Fit

Inspiriert (und schockiert) von der großen Cultural Fit Studie (von meta HR und Employour) und deren Ergebnisse im Frühjahr 2016 habe gleich selbst ein paar dieser Verpackungen geöffnet.

Drei Cultural Fit Tools habe ich mir intensiv angesehen und meine Eindrücke festgehalten: CompanyMatch, KulturMatcher und der Cultural Fit Evalueator. Eine Zusammenfassung über alle drei Tools folgte im dann September.

Übrigens: Cultural Fit war auch DAS Top-Thema am HR BarCamp Ende September in Wien, das ich aus meiner Sicht zusammengefasst habe. Aber nicht nur das, auch dort hagelte es Buzzwords:

Große Worte, wenig Inhalt. Eine für viele schmerzhafte Erkenntnis.

So habe ich damals resümiert.

Verpackung muss digital sein – Neues aus Learning und Development

Im Oktober ging es dann weiter mit meinem Nachbericht vom Corporate Learning Camp #clc16 in Frankfurt. Aber auch hier kamen mir jede Menge Verpackungen unter: #learning, #digital, #blended, #mobile, #social, #immersive …

Doch auch mit diesen (digitalen) Verpackungen funktioniert es im Alltag leider nicht immer, wie man dort deutlich wahrnehmen konnte. Vielleicht sollten wir es im Corporate Learning auch mal mit Predictive Content Analytics versuchen? (Erkennen Sie den Begriff wieder?)

Könnten wir machen, doch letztlich geht es ja gar nicht um Technologie:

Hier haben wir sie also wieder, die Kultur… Wenn wir diese doch nur gestalten könnten! Aber das hatten wir ja schon.

HR, lass Dich nicht ablenken

Also, lassen wir uns nicht ablenken und konzentrieren uns auf das, was wirklich zählt.

Das ist auch der Inhalt meines Beitrages zur Blog-Parade #DigiEmX Digitalisierung ohne Ende – aber wo bleiben die Mitarbeiter?, zu der die ZukunftPersonal #ZP16 aufgerufen hat. Alle 24 Beiträge wurde nun auch in einem eBook veröffentlicht, das Sie kostenlos runterladen können.

Vor lauter Digitalisierung, Agilisierung, Talent und Performance Management sowie allem Big, New und Active übersehen wir leider allzuleicht, dass wir EINEN Faktor nicht so leicht ersetzen können (wie manche das glauben): den Menschen.

So geht das Jahr der Verpackungen zu Ende, ist aber sicher noch lange nicht vorbei.

Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, für 2017 das Jahr des Menschen auszurufen. Nein, das ist keine Abkehr von Digitalisierung, Agilisierung, Talent oder Performance Management. Und es ist keine Hommage an romantische Vorstellungen über Arbeit.

Es wäre ein Ent-Packen dieser vielen schillernden Päckchen und die Konzentration auf deren Inhalt. Denn letztlich geht es doch um die zentrale Frage: „Was von diesen Inhalten ist hilfreich, damit Menschen ihre Aufgaben produktiv und gerne erfüllen können?

Was meinen Sie?

Bild: flickr.com, Matthias Ripp

 

 
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