Innovation passiert ja nicht von selbst. Auf den Weg in die Zukunft gibt es viele Sackgassen. Eine Gourmet-Kritik über zwei Frühstücke für Zukunftsvisionäre.

Wien im Morgengrauen, 7.15 Uhr.

Tja, wer in die Zukunft möchte, muss früh aufstehen. Und eine Wegzehrung kann dabei nicht schaden. Für beides sorgt Rainer Peraus, Utopist und Future Change Artist.

Auf seine Initiative kamen „potentielle Zukunftsvisionäre“ (so sein wichtiger Zielgruppenhinweis!) – nun bereits zum zweiten Mal – ins Wiener Packhaus zu einem gemeinsamen Frühstück. Am Speiseplan: Ideen, Diskussion und Eierspeis.

DIE Zukunft? DIE Eierspeis!

Das ausgemachte Ziel: die Zukunft entdecken und Wege dorthin finden. Doch was heißt hier DIE Zukunft? Es gibt doch viele Zukünfte!

Viele Zukünfte? Damit startet das erste Frühstück. Spannend. Na, wenn dem WIRKLICH so ist, dann gibt es wohl auch viele Wege. Und viele Sackgassen. Aber was ist schon wirklich, also wirklich wirklich?

Neben den möglichen Wegen oder Sackgassen steht das gemeinsame Frühstück im Mittelpunkt des Visionären-Treffens. Frühstück mit Eierspeis. Mit Zutaten, die alle Teilnehmenden selbst mitbrachten. Also, eine wirkliche Co-Creating Eierspeis!

Wir müssen uns der Realität stellen.

Es gilt ja fast als Binsenweisheit: Wer in die Zukunft will, muss sich der Realität stellen. Fragt sich nur, welcher Realität? Deiner, meiner oder haben wir gar eine gemeiname?

Realitäten sind (konstruierte) Wirklichkeiten und damit ja nur Geschichten. Hat man ja schon anderorts gehört.

Dennoch ist dieser Gedanke für manche Anwesende schwer zu kauen. Fühlt sich doch die eigene Wirklichkeit so real an. Aber das tut die Wirklichkeit des Nachbarn auch  – selbst wenn diese eine andere ist. Gottseidank gab es grad aktuelle Wahlergebnisse aus Übersee. Das machte es greifbarer.

So ein G´schichtl …

Ja, stimmt: unsere Welt ist voll von Geschichten, den eigenen, den fremden und den geteilten. Damit liegt es doch an mir selbst, welche Geschichte ich der Wirklichkeit umhänge, oder? Also entspannt euch – es sind ja nur Geschichten.

Nicht alle waren sich in der Diskussion dabei so sicher. Also, so WIRKLICH sicher.

Was Marketing und Wahlstrategen schon lange können, können wir uns doch auch zu Nutze machen: finden wir Geschichten, (er)finden wir Realitäten. Nicht wir stellen uns der Realität, die Realität wird von uns erstellt.

Das macht ja vieles leichter. Auch den Weg in die Zukunft.

Ok, dann übersetzen wir das gleich mal in das Frühstück. Es gibt Eierspeis – mit unseren Zutaten: Eierspeis normal, Eierspeis mit Schafkäse und … Eierspeis mit Nutella. Kommt alles gut. Also doch nur eine Frage der Perspektive (Geschichte).

… das ist doch völlig utopisch!

Im zweiten Frühstück gehen wir gleich einen Schritt weiter. Diesmal werden wir nicht bekocht, wir kochen selbst. Jeder Tisch hat einen kleinen Kocher, eine Pfanne und Eier.

Die restlichen (mitgebrachten) Zutaten sind selbst zusammenzustellen – Paprika, Chilli, Nutella, Zimt, Makrelen, Champignon, Avocado, Marmelade und Lebensmittelfarbe. Eierspeis mit … das ist doch völlig utopisch.

Genau das war auch das Motto des zweiten Frühstücks.

Nur keine Angst vor Utopien! Utopien sind ja auch nur Geschichten. Geschichten über die, nein, eine Zukunft. Mit Utopien können wir eine mögliche Zukunft(sgeschichte) entwerfen, vorwegnehmen oder vorab hineinspüren.
Mit Utopien können in dieser Zukunft mal (zumindest gedanklich) probe sitzen. Wie fühlt sich´s an? Was wär gut, was wär schlimm daran?

Eierspeis mit Nutella

Das machen wir dann auch mit den Möglichkeiten, die uns Eierspeis und mitgebrachte Zutaten bieten. Was ist denn schlimm daran, Ei passt doch zu allem, oder?

Utopien sind also Werkzeuge, um mögliche Zukünfte auszuprobieren. Aha. Machen wir ohnehin ständig! Denn ohne (vielfach unbewusster) Utopien könnten wir uns keine Ziele setzen, Vorsätze fassen oder Vorhaben planen. Es würde uns wohl der Rahmen für das alles fehlen.

Ohne Utopien kommen wir also nicht in die Zukunft. Doch wer will das schon? In der Vergangenheit sind wir schließlich auch in die Zukunft gekommen. Ohne (bewusster) Utopien.

Stimmt wohl, doch mit (bewussten) Utopien erhöhen sich die Möglichkeiten enorm. Was ist so schlimm an Eierspeis mit Nutella?

Innovation, Wandel und Entwicklung werden mit bewussten Utopien einfach wahrscheinlicher. Doch Vorsicht: Wenn wir Utopien aus und mit den Geschichten der Gegenwart bewerten, schieben wir diese allzuleicht als „Utopie“ ab: Das ist ja völlig utopisch. Und fort ist eine der vielen Möglichkeiten.

Also bleiben wir im Alltag viel zu oft realistisch. Und reduzieren Utopien in Gruppen dann gerne auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Weil es einfach und weil es bequem ist. Oder, wie ein anderer Zukunftsvisionär zitierte:

„Manchmal machen wir es wir die Hängebauchschweine. Wenn wir alle die gleichen Problemzonen haben, hat keiner ein Problem.“

Also mehr Mut tut gut am Weg in die Zukunft. Mehr Quer geht leichter und macht schneller. Und rote Marmeladen-Eierspeis schmeckt gar nicht mal so schlecht. Das hat Potenzial. Probieren Sie es mal!

Übrigens: die nächste Co-Creating Eierspeis ist am 10.3. um 7:15 Uhr. Zukunftsvisionäre sind nach Anmeldung herzlich willlkommen.

 
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