Corporate Learning ist weit mehr als nur Training und Schulung. Ein Angebot für Personalentwickler im Selbstversuch!

Dass Lernen nicht immer Schulung bedeuten muss, habe ich hier schon an hier mal diskutiert. Stellt sich nur die Frage: Wenn nicht Schulung, was dann?

Auf diese Frage gibt nicht nur eine, sondern unzählige Antworten. Psychologen und Pädagogen haben ein volles Repertoire an Lernformaten. Gehirnforscher erzählen uns, dass es diese wahrscheinlich gar nicht braucht; wir lernen ohnehin laufend und können gar nicht anders. Und je mehr es „unter die Haut“ geht, umso besser. Und das Marketing hat ebenfalls eine volle Trickkiste, die auch fürs Lernen in Unternehmen leicht „zweckentfremdet“ werden kann.

Mit anderen Worten: vielversprechende Ansätze und Formate gibt es viele. Doch welche funktionieren (unter welchen Rahmenbedingungen) auch in der Personalentwicklung? Und welche werden sich fürs Lernen in Unternehmen etablieren und durchsetzen?

CL20_logo_web_kEin Potpourri verschiedener Ansätze, Versuche und Möglichkeiten, Lernen auch mal anders zu unterstützen, bietet der Corporate Learning 2.0 #CL20 MOOC, der am 21. September 2015 starten wird. Und verpackt diese gleich selbst in ein neues Lern-Format, einem Massive Open Online Course (MOOC). Veranstaltet wird dieser MOOC von der Corporate Learning Alliance, einem Netzwerk von innovativen Learning Experten, das gerne Innovationen im Corporate Learning anregen und unterstützen möchte.

Also habe ich bei Karlheinz Pape, einem der Initiatoren des #CL20 MOOC, einfach nachgefragt, was da ab September auf uns zukommt:

Herr Pape, was ist ein eigentlich ein MOOC?

MOOC’s, also Massive Open Online Courses, haben in der universitären Lehre schon viel Bewegung ausgelöst. Da gibt es inzwischen schon ganze Online-Universtäten mit Millionen Studierenden. Coursera, EDx oder Udacity sind wohl die bekanntesten. Diese MOOC vermitteln Wissen, etwa wie in der Vorlesung, mit ein paar Quizzes zwischendurch. Nun trifft die Bezeichnung auf diese MOOC auch zu:

  • Massive = viele Teilnehmer,
  • Open = offen für jeden,
  • Online = im Internet und
  • Course = mit einem Anfang und einem Ende.

Damit sind sie eher eine wirtschaftlich attraktive Alternative zu Präsenz-Veranstaltungen. 1000, 10.000 oder gar 100.000 Teilnehmende an einem MOOC lassen die Kosten pro Teilnehmer drastisch sinken.

Ganz anders sind die ersten MOOC entstanden, nämlich als didaktische Alternative zum bisherigen Lehren. George Siemens und Stephen Downes haben ein Format entwickelt, mit dem sie ihre Lerntheorie „Konnektivismus“ erproben konnten. Sie gehen in dieser Theorie davon aus, dass das Wissen im Netzwerk liegt und Lernen die Fähigkeit ist, Verbindungen in diesem Netzwerk zu knüpfen. Um das zu beweisen, haben sie den ersten Massive Open Online Course ganz anderer Art gestartet. Wenn das Wissen ja im Netzwerk zu finden ist, muss es nicht vom Veranstalter verteilt werden. Man müsste also das Netzwerk anregen, Wissen sichtbar, verfügbar zu machen. Und wenn Lernen das Knüpfen von Verbindungen ist, dann kann man das als Veranstalter unterstützen, indem man sichtbar macht, was wo diskutiert wird.

Um die beiden MOOC-Arten zu unterscheiden, spricht man hier von den cMOOC (das c steht für connectivism).  Im ersten Fall spricht man von xMOOC.

Und welcher Idee folgt nun der #CL20 MOOC?

Mit dem #CL20 MOOC haben wir uns einen cMOOC vorgenommen, um die Corporate Learning Professionals einerseits mit diesem – noch eher unbekannten Lernformat – vertraut zu machen, und andererseits um die Entwicklung von Corporate Learning in möglichst vielen Organisationen zu unterstützen.
Das Thema lautet „Wie lernen wir künftig in Organisationen?“. Das Wissen dazu ist ja vielfach schon da, es sollte also nur noch vernetzt werden.

Also viele Teilnehmer und alles Online – Wie wird der #CL20 ablaufen?

Ja, viele Teilnehmer erhöhen hier die notwendige Zahl der Wissens- und Diskussionsbeiträge. Die Mitmach-Hürde dürfte bei diesem Online-Kurs niedrig sein, man braucht nur einen PC oder ein mobiles Gerät mit Internet-Zugang. Schon kann man von überall aus dabei sein.

Mit dem #CL20 MOOC starten wir keinen gewöhnlichen cMOOC, sondern wir machen eigentlich acht einwöchige MOOCs daraus – oder besser ausgedrückt: Acht Corporate Learning Abteilungen gestalten jeweils eine MOOC-Woche. Und das bedeutet, sie stellen eines ihrer eigenen aktuellen Entwicklungsprojekte zur Diskussion unter den Corporate Learning Professionals. Projekte, die gerade ausgerollt wurden, sind genauso dabei, wie konkrete Absichten für ein neues Vorgehen im Corporate Learning:

  • 21.09. – 25.09.2015 – DB Training: “Next Education” (mehr dazu hier)
  • 28.09. – 02.10.2015 – Telekom Training: “Selbstgesteuertes Lernen”
  • 05.10. – 09.10.2015 – ÖAMTC: “Selbstgesteuertes Lernen im Führungskräfte-Training” (mehr dazu hier)
  • 12.10. – 16.10.2015 – Festo: “Virtual Teamwork”
  • 19.10. – 23.10.2015 – Miele: “Nutzung von offenen versus geschlossenen Lernportalen”
  • 26.10. – 30.10.2015 – SICK Safety: „Informelles Lernen im internationalen Vertrieb“
  • 02.11. – 06.11.2015 – SAP: “Gamification”
  • 09.11. – 13.11.2015 – Volkswagen Group Academy: “Wie kann Medienkompetenz von Bildnern gefördert werden?”

Was können Personalisten in diesem MOOC lernen?

Ein Kennzeichen von cMOOC ist, dass Lernende sich hier selbst Lernziele setzen – nicht der Veranstalter. Und in diesem #CL20 MOOC wird es eine ganze Reihe von Anregungen geben, denen Teilnehmende dann gern nachgehen werden, ohne dass sie das vorher geplant hatten. Also auch da machen wir gemeinsam eine neue Erfahrung im Starten und Nicht-Steuern von Lernen.

Wir empfehlen Personalentwicklungsteams, sich jeweils am Freitag um 14.00 Uhr die Zusammenfassung der Woche live gemeinsam anzuschauen – um dann in der Runde die Frage zu stellen, was das für die eigene Arbeit bedeutet, was man auch probieren könne.
Da kommen ja ganz viele Berichte, Erfahrungen und Ideen aus den verschiedensten Unternehmen zusammen. Einen günstigeren und reichhaltigeren Entwicklungsanstoß für die eigene Organisation wird es wohl so schnell nicht wieder geben.

Aber auch jeder Einzelne kann den #CL20 MOOC für die eigene fachliche Entwicklung nutzen. Die persönliche Auseinandersetzung mit den Ideen der Anderen führt ja oft auch zu neuen Ideen für die eigene Personalentwicklungspraxis.

Was braucht es für eine Teilnahme am #CL20 MOOC?

Interesse am Thema und etwas Zeit für die Teilnahme. Der Start ist am 21. September 2015.

Die Lernenden werden selbst entscheiden, ob sie nur mitlesen, oder ob sie sich aktiv in die Diskussion einbringen, oder auch Diskussionen anregen. Wir gehen von etwa 4 Stunden Beschäftigungszeit mit dem #CL20 wöchentlich aus. Wer aber nur 2 Stunden mitmacht, wird sicher auch profitieren. Auch das Auslassen der einen oder anderen Woche ist erlaubt! Wer tagsüber keine Zeit zum Lernen hat: Alle Videos und Live-Sessions werden aufgezeichnet und stehen dann zu jeder Zeit zur Verfügung.

Wir Learning Professionals wünschen uns von unseren Teilnehmern ja immer, dass sie sich möglichst aktiv einbringen, weil wir denken sie lernen dann mehr. Ich bin mal gespannt, wie das die Learning Profis für sich selber entscheiden werden.

Was kostet eine Teilnahme und wo kann man sich dafür anmelden?

Der #CL20 MOOC bleibt kostenlos für alle Teilnehmenden. Die Anmeldung ist ganz einfach und jetzt schon möglich. Wir würden uns freuen, wenn jeder Angemeldete auch noch weitere Kolleginnen und Kollegen zum Mitmachen überzeugt.

Danke für die vielen Infos, Herr Pape!

Also, liebe Personalentwickler, spannende Zeiten kommen aus uns zu!  Da bin ich mal gespannt, wie experimentierfreudig die Personalisten sein werden.
Eines scheint den Teilnehmern des #CL20 MOOC schon jetzt sicher zu sein: viele neue Ideen für die eigene Arbeit. Also eine herbstliche Frischzellenkur für Personalentwickler!

 
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