Neue Formate können auf dem Weg zu Innovation und Digitalisierung nicht schaden. Doch was ist eigentlich dieser CorporateCultureJam, der zum ersten Mal in Wien stattgefunden hat?

Agiler, konkreter, mutiger.

Das war der Anspruch des ersten CorporateCultureJams am 16. und 17. Mai in der Wiener Anker Brotfabrik.

Das Jahresforum für Unternehmenskultur, wie es der Veranstalter Succus nannte, wurde von den beiden Bartern Identitäter und m.o.o.con initiiert, die selbst auch fleißig vor Ort JAMmten, moderierten und begleiteten.

Mit dem CorporateCultureJam hat man auch gleich ein neues Format erfunden, den JAM. Da stellt sich natürlich die Frage, was denn dieser CorporateCultureJAM eigentlich ist?  

Machen wir uns doch gemeinsam auf die Suche nach dem Wesen dieses ersten CorporateCultureJams und finden heraus, ob er seine Versprechen halten konnte.

JAM – einfach Jammern?

Eine österreichische Konferenz, die man JAM nennt? Das kann doch nur mit Jammern zu tun haben!

Doch von Jammern keine Spur. Das hat man – wenn überhaupt – schon im Vorfeld erledigt. In einem Design Thinking Workshop wurde das Format gemeinsam mit potentiellen TeilnehmerInnen erarbeitet. Und da war wenig von Jammern zu bemerken, aber sehen Sie selbst:

Die beiden Tage des CorporateCultureJams selbst waren 100% jammerfrei. Ganz im Gegenteil, das Event verlief lösungs-, zukunfts- und umsetzungsorientiert!

Also, JAM hat wohl nichts mit Jammern zu tun …

JAM-Session – Improvisation unter Profis?

Wir kennen Jam-Sessions aus dem Jazz: ein zwangloses, improvisiertes Zusammenspiel von Musikern, die sonst gewöhnlich nicht miteinander spielen.

Das könnte schon eher hinkommen, waren doch etwa 170 Experten aus unterschiedlichen Professionen (Geschäftsführung, HR, Kommunikation und Marketing) zwei Tage lange mit den Themen Digitalisierung, Innovation und Transformation beschäftigt.

Für eine JAM-Session als gedankliche Vorgabe des CorporateCultureJams sprach auch ein weiteres Highlight: die Jetlag Allstars mit ihren Streichinstrumenten waren die ganze Zeit über am Werke. Sie begleiteten Key Notes, Pausen sowie Frage- und Reflexionsrunden mit den passenden Tönen.

Die Improvisation einer JAM-Session fehlte allerdings weitgehend. Denn improvisiert wurde nur wenig (vielleicht hinter den Kulissen, aber das bekamen wir Teilnehmer gar nicht mit). Das Format glänzte durch einen klaren, durchdachten Ablauf mit inhaltlicher Brücke zwischen den verschiedenen Facetten von Digitalisierung, Innovation und Kultur:

  • Dietmar Dahmen, der uns pointiert vor Augen führte, auf welchem VULKAN (volatil, ungewiss, liquide, komplex, alles Gleichzeitig, nein sagen) wir durch die Digitalisierung heute schon tanzen.
  • Jean-Philippe Hagmann, der die optimalen Rahmenbedingungen für Innovationen zusammenfasste, v.a. die nötige Vielfalt und geeignete Räume innerhalb und außerhalb von Organisationen.
  • Stephan Grabmeier, der klar machte, dass es gar nicht um die Technik, sondern sondern um die Menschen, um die passende Kultur geht.
  • Und abschließend alles zusammengefasst von Robert Seeger mit seinem heiteren und erfrischenden Rückblick auf die Aspekte der beiden Tage.

Die Improvisation der Teilnehmer beschränkte sich lediglich auf die Entscheidung, zu welchen der beiden parallelen Praxis-Sessions man gerne gehen wollte.

Also irgendwie dann doch keine klassische Jam-Session, wie man sie kennt …

JAM – Stau und Gedränge?

Jam ist ja auch der englische Ausdruck für Stau oder Gedränge.

Auch wenn wir mehrmals die Stockwerke für die Sessions wechseln mussten, Stau oder Gedränge gab es nur beim Buffet. Und selbst dort lief alles rasch und problemlos ab.

Inhaltlich ging es allerdings laufend Schlag auf Schlag – ein Impuls wechselte den anderen wie im Flug ab:

  • Kulturveränderungen topdown (Denizbank) oder bottum up (Caritas),
  • Kulturtransformation durch wirtschaftliche Schwierigkeiten (OTTO) oder strategische Überlegungen (ÖAMTC),
  • Arbeitsräume aus Initiator (Swarovski) oder Ergebnis von Kulturwandel (Mondi),
  • Kulturartefakte wie Sterne-Ratings (Amazon) Leader-Votings (Haufe) oder agile Methoden im Überblick (Sven Blesin, Brainbirds).

Bei all diesen Gedanken und Ideen gab es ein ganz schönes Gedränge im Kopf, sodass die abschließende kreative Zusammenfassung in den einzelnen Sessel-Kreisen ziemlich schwer fiel.

Also ganz schon viel geistiger JAM, aber sonst kein Stau oder Gedränge …

JAM – Gemeinsames Brainstorming?

Stephan Grabmeier verbindet ein ganz anderes Format mit einem JAM: ein Online-Brainstorming mit vielen Beteiligten. Durch die Online-Beteiligung vieler können Ideen rasch und vielfältig entwickelt werden. Und so berichtete er am Ende seiner KeyNote von seinen Erfahrungen mit einem JAM bei der Deutschen Telekom.

Interessant, hat aber auch wenig mit dem CorporateCultureJam zu tun: Wir waren alle vor Ort (und nicht online, getwittert wurde trotz intensiven Einsatz der Veranstalter nur verhalten).
Und Ideen entwickelten wir nur vereinzelt gemeinsam, zum intensiven Teilen blieb dann doch wenig Zeit.

Nein, mit diesem JAM hatte der CorporateCultureJam auch nicht viel zu tun …

JAM – Marmelade

Bleibt nur nur ein Anglizismus: JAM als Marmelade, also süsse, eingekochte Früchte mit langer Haltbarkeit.

Vielleicht war das ja die Idee der Initiatoren. Nein, nicht Teilnehmer einzukochen. Sondern die besten Ideen aus verschiedenen „Gärten“ (also Professionen) zu etwas Eigenständigem, Süssem (also Positivem) zu verbinden, von dem man noch lange im Alltag naschen kann.

Ja, das kommt dem Format entgegen und beschreibt die etwas agilere Konferenz ganz gut.

Und nächstes Jahr gilt es dann wieder die neue Ernte einzukochen, am zweiten CorporateCultureJam am 15. und 16. Mai 2018 wieder in Wien.

JAM – ein Format erfindet sich selbst…

Der erste JAM über Unternehmenskultur zeigt, dass ein JAM viele Seiten hat und letztlich doch mit nichts vergleichbar ist.

Der CorporateCultureJAM orientierte sich an klassischen Konferenzen, und versprach die vielen Aspekte von Unternehmenskultur konkreter, mutiger und agiler anzugehen. Der inhaltliche Schwerpunkt lag auf Digitalisierung und Innovation. Bei diesen Themen kommt man dann ohnehin nicht um Unternehmenskultur drumherum.

Am CorporateCultureJAM wurde man tatsächlich konkreter als bei manch anderer Konferenz: Viele internationale Praxisbeispiele live vor Ort zum „Angreifen“ und Nachfragen oder einige der vielzitierten Techniken wie Scrum oder Design-Thinking zum live erleben.

Mit den immer wiederkehrenden kleinen (Sessel-)Runden im Plenum, in denen die Teilnehmer zum Abschluss sogar dichteten, sangen und rappten, war man zwar mutiger als bei klassischen Konferenzen. Aber da ist für nächstes Jahr sicher noch mehr Mut möglich.

Fest eingezurrt in den geplanten Ablauf könnte das Format das nächste Mal noch deutlich agiler werden, also weniger klassische Planung: mit mehr Agilität noch mehr Kraft aus der Gruppe holen.

Da sind wir in Zeiten von OpenSpace und BarCamps kulturell schon deutlich weiter. Also warum nicht – ganz dem Motto der beiden Tage folgend – einfach umzusetzen und den JAM wirklich agil gestalten?

Ich freue mich schon drauf!

P.S. Für alle Neugierigen finden sich hier einige Videos der Vorträge.

 

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